Exportabel zum Schweizer Minarettverbot: „Man muss sich nur seiner Haut erwehren. Sonst fordern die Verarschten wohlmöglich noch ihr Recht.“

Das Schweizer Minarettverbot… nun ja. Jeder scheint Schaum vorm Mund zu haben. Widerlich.  Die einen, weil sie sich vor dolomitenhafter Befriedigung darüber, dass der „islamischen“ Unterwanderung der ach so wertvollen westlichen, zumal Schweizer, Wertegemeinschaft „endlich“ ein Riegel vorgeschoben wurde – ein Ralph Giordano ist sich in dieser Hinsicht wahrlich für nichts mehr zu dumm. Die anderen sehen in der Schweiz ein neues faschistisches Kollektiv. Nun, ich schlage vor, die Praxis, Mitmenschen als Nazis zu beschimpfen, überlassen wir lieber den Antiantisemiten unter uns. Als Mensch, der mit einer gewissen Portion von Glauben-Wollen ausgestattet ist, frage ich mich nur: Sind all jene, die es angewöhnt haben, sich von alles und jedem, das oder den oder die sie mit „dem“ Islam in Verbindung bringen, bedroht zu fühlen – sind all jene denn womöglich leichter zu verunsichern in ihrer gesicherten Existenz als in der Regel gutbürgerliche Christenmenschen, ehrlich besorgte Israel-Fans oder Menschenrechtsbellizisten, als man es auf den ersten Blick für möglich halten würde?

Mir bereitet die Entscheidung des Betreibers des Exportabel-Blogs, mit „den“ Schweizern gleich einem ganzen Kollektiv den metaphorischen Marsch zu blasen, allerlei Bauchgrimmen, dennoch ist einiges dran, wenn er schreibt:

Die Schweizer sind also, volkswirtschaftlich betrachtet, Schmarotzer, die wohl nur noch von den Liechtensteinern übertroffen werden. Und genau deshalb zeigen sie den Muslimen jetzt die rote Karte und geben den schwarzen Peter weiter. Alles verständlich, wer getreten wird, tut treten.

Und so kommt es zu dieser brisanten Mischung: Ölscheichs sind mit ihren Milliarden willkommen, da können sie ruhig ihren Frauen eine Burka umhängen. Aber wehe, der gemeine Moslem macht sich als solcher bemerkbar.

Man hat ja nichts gegen das Fremde, nein. Man muss sich nur seiner Haut erwehren. Sonst fordern die Verarschten wohlmöglich noch ihr Recht.

Übrigens: Es gibt in der Schweiz mittlerweile angeblich auch eine Germanophobie. Fast schon lustig, dass wir, so gesehen, uns mit den Muslimen solidarisieren können als arme Unterdrückte, aber natürlich nur, wenn wir in der Schweiz leben.

Schade allerdings, dass nun auch die Schweizer bewiesen haben, dass direkte Demokratie nicht umsonst zu haben ist. Eine Bevölkerung, die sich mehrheitlich an einer schlicht fremdenfeindlichen Kampagne beteiligt, müsste sich fragen, ob sie von direkter Demokratie nicht die Finger lassen soll. Ob Blocher oder die Bildzeitung: Wer solche Phänomene beheimatet, ist offenbar zur direkten Demokratie nicht fähig.

Eine weitere Frage noch: Ist es nicht eher so, dass die Bildzeitung eher nicht als ein Zeichen von direkter Demokratie zu beurteilen wäre? Wer braucht denn in einer direkten Demokratie solche Revolverblätter? Vielleicht ist es eher so, dass Einwickelpapiere wie die Bild eher für die andere Seite unserer ach so glänzenden parlamentarisch-demokratischen Verdienstmedaille steht? Und wenn ein abgehalferter und sich selbst immer weiter in den Unrat begegender, einstmals als „Gewissen“ geheiligter, alter Mann wie Ralph Giordano die Bildzeitung als Forum nutzt – nein, das ist keine direkte Demokratie!

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