Feuer mit Feuer bekämpfen? Über einige Probleme des Antiantisemitismus (sic!)

Beim Googlen des Begriffs Antiantisemitismus bin ich auf einen interessanten Beitrag des Lehrers Wolfgang Geiger gestoßen. Dieser äußert sich im Jahr 2004 zu Chancen und Grenzen einer, wenn man so will, anti-antisemitisch geprägten Unterrichtsdidaktik und -praxis. Offenkundig argumentiert Geiger aus der Perspektive eines altgedienten Geschichtslehrers. Seine Einsichten lassen sich aber mit Sicherheit auf alle geistes- bzw. gesellschaftswissenschaftlichen Fächer und Erkenntnisbereiche erweitern. In einer kurzen „Bilanz des Anti-Antisemitismus“ gibt uns Geiger zu lesen.

Die Aufarbeitung der jüdischen Geschichte ist bei uns durch die Abarbeitung an der deutschen Schuld geprägt und daher perspektivisch auf den Verfolgungsaspekt verengt. Das Problem des Anti-Antisemitismus ist er selbst, sein „search and destroy“ des Antisemitismus. Bei allen Unterschieden dominiert die ethisch-moralische Verurteilung der Gewalttaten als Darstellungs- sowie Lernziel, was natürlich richtig, aber nicht nur unzureichend ist, sondern auch, wie gezeigt, oft mit kontraproduktiven Effekten der Perpetuierung von Vorurteilen einhergeht. Das heißt, es werden Vorurteile zwar verurteilt, aber kaum durch Urteile im Sinne einer adäquaten historischen Beurteilung ersetzt. Schon die durch das Schuldbewusstsein produzierte Idee einer ungebrochenen Kontinuität der Geschichte vom Mittelalter zum 20. Jahrhundert ist problematisch, weil sie letztlich die Kehrseite dessen ist, was die Nazis auch behauptet haben („der ewige Jude“).

Wichtige, bedeutende Worte. Ich selbst stehe momentan als Religionslehrer vor einem Kurs in der 10. Klasse und nehme das Thema „Kirche im Nationalsozialismus“ durch. Mein Blick richtet sich immer wieder auf den einzigen palästinensischen Schüler in besagter Lerngruppe.

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