Der Perlentaucher einmal mehr in Höchstform

Was mag es bedeuten, wenn der heutige Perlentaucher – nicht ohne den Hinweis, diese sei vom Goethe-Institut finanziert – auf eine Gruppenreise hiesiger Popliteraten nach Israel-Palästina hinweist, von der in der taz berichtet wird, und dabei  eine recht lange Passage mit Äußerungen des palästinensischen Rappers Boykutt zitiert:

„In Ramallah begegnen wir dem Rapper Boikutt, der englisches Englisch spricht und in London studiert hat. Er ist wütend, auf eine hellwache, schwelende, harte Art. Weil er täglich Checkpoints passieren muss, nicht an den fünfzig Kilometer entfernten Strand darf und nicht den Flughafen in Tel Aviv benutzen darf, wenn er im Ausland einen Gig hat, sondern in einer zehnstündigen Aktion nach Amman in Jordanien muss. Niemals würde er mit einem jüdischen Israeli gemeinsam Musik machen, er spricht nur von ‚Kolonialherren‚, nennt die israelische Politik ‚rassistisch‘ und Israel einen ‚Apartheidsstaat‘. Seine Band Ramallah Underground, die eigentlich relaxte elektronische Downbeat-Musik macht, hat auf ihrer Myspace-Seite unter ‚Einflüsse‘ einen einzigen Eintrag: ‚Intifada 1 & 2‚“.

[Hervorhebungen durch den Perlentaucher]

„Dafür also gibt sich das Goethe-Institut her. Für Gespräche mit anti-israelischen Wilden!“ – so interpretiere ich mal den Ansatz des ach so sympathischen Feuilleton-Aufbereitungs-Portal. Wenn man sich dann den Bericht in der taz selbst zu Gemüte führt, merkt man, was der Perlentaucher so alles weggelassen hat, u.a. die paranoiden Äußerungen von Boykutts israelischem Äquivalent Subliminal:

Der Rapper Subliminal trägt einen mit Fake-Diamanten besetzten Davidstern um den Hals und sieht die Lage anders: „Wir sind umgeben von Feinden, die uns umbringen wollen, das ist so offensichtlich, wie kann die Welt nur so blind sein? Ich habe für mich begriffen: Ich muss ein Krieger sein. Die Familien unserer Eltern wurden schon umgebracht, im Holocaust, im Iran, in arabischen Ländern. Das darf nicht noch einmal passieren. Nicht mit mir. Da blase ich lieber die ganze Welt in die Luft.“

Subliminal ist der ökonomisch erfolgreichste Rapper Israels, er hat sich bei seinen amerikanischen Kollegen einiges an Habitus abgeschaut und tritt als „Musikbotschafter“ des Staates im Ausland auf. Wir treffen ihn zusammen mit MookE, einem Altgedienten im israelischen Hiphop, der uns als eine Art linker Gegenspieler zu Subliminal angekündigt wurde. Dieser MookE aber sagt nur nüchtern: „In jeder Stadt in Europa sehen wir Hakenkreuzschmierereien an den Wänden. Wir fühlen uns in die Ecke gedrängt.“ Und legt seinen Unterarm vor sich, auf dem ein frisches Tattoo prangt: der Schriftzug „Iron Lion Zion“.

Was mag das alles bedeuten? Ich bin mir nicht sicher, aber ich wundere mich in letzter Zeit kaum noch, dass der Perlentaucher verstärkt in den Blogrolls totalitär veranlagter Israel-Fan-Websites zu finden ist.

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