Falls „Religulous 2“ geplant sein sollte…

Hat das Casting für "Religulous 2" schon begonnen?

Habe kürzlich den Dokumentarfilm Religulous von und mit Bill Maher gesehen. Die Botschaft dieses Films: Religion ist eine Gefahr für den Fortbestand der Menschheit. In Anbetracht der Gesprächspartner, die Bill Maher auf seiner Reise durch die Welt des Glaubens machte – und dabei, nebenbei gesagt, zwar den Antizionisten Rabbi Israel Weiss, nicht aber wildgewordene Siedler-Cowboys mit dem Messer zwischen den Zähnen und der Bibel in der Hand, vorführte (am Ende befragt er einen „radical Zionist“ zur Überzeugung der Muslime, Mohammed sei in Jerusalem gewesen… ohne aber ihn ins „Gebet“ zu nehmen) – in Anbetracht der meisten seiner „Gesprächspartner“, darf man Maher zustimmen: Viele, die sich als „Gläubige“ verstehen, tun dies, so hat es den Anschein, nur, um auf der Seite irgendeines vermeintlichen, aber nicht verrückbaren Rechts zu stehen. Verrückte im übelsten Sinne! Viele der Leute, die in dem Film wie in einer Freakshow präsentiert werden, tun ihr möglichstes, um Bill Mahers Auftrag zu erfüllen: Sie führen sich auf wie Freaks – und reagieren teils sehr unsouverän, wenn Maher auf recht offensichtliche Art und Weise sie konfrontiert mit seinen (ach so provokanten) Fragen.

Wer sagt, er sei religiös, so kommt es einem nach der Betrachtung dieses Films vor, möchte nichts Anderes als Recht haben und behalten. „Wir werden gerettet, und ihr Ungläubigen nicht! Bätsch“ – so kommt einem oft die Haltung besonders christlicher Mehrheitsfanatiker vor.  Und jedes noch so abgeschmackte „Argument“ wird (z.B. hier) begierig aufgenommen und weiterverwandt. Mit dem Hinweis auf das Unverfügbare will man sich festen Boden unter den Füßen verschaffen.

Dass es bei religiösen Wahrheitsbesitzergreifenden und Fundamentalisten oft um Befindlichkeiten geht, die ähnlicher kaum sein könnten, wird deutlich, wenn man sich anschaut, mit welcher Inbrunst Vertreter und Verfechter eines exklusivistisch-jüdischen Anspruchs auf das Land Israel ihren Punkt verteidigen. Sei es aus jüdischer, sei es aus christlicher Sicht: „Lest die Bibel! Das Land Israel gehört allein (zu) den Juden!“, ist eine hasserfüllte und gewalttätige Aussage. Rabbi Brant Rosen hat einen interessanten Artikel verfasst, in welchem er diese Grundannahme aus jüdisch-theologischer Sicht hinterfragt. Seine Einschätzung zur Frage nach dem Verhältnis von Theologie und Landnahme:

Whatever our answer, this much seems clear: we will not be worthy of the land if we betray our own religious teachings and cling to misguided, exclusivist claims. The Torah teaches us still: if we insist that the land “belongs” to us and us alone, we will only endanger our collective future upon it.

Und ich fühle mich an Paulus‘ Kritik aus dem ersten Kapitel des Römerbriefes (Achtung, Fundis: Einheitsübersetzung!)an der Hybris vieler Menschen erinnert:

20 Seit Erschaffung der Welt wird seine unsichtbare Wirklichkeit an den Werken der Schöpfung mit der Vernunft wahrgenommen, seine ewige Macht und Gottheit. Daher sind sie unentschuldbar.

21 Denn sie haben Gott erkannt, ihn aber nicht als Gott geehrt und ihm nicht gedankt. Sie verfielen in ihrem Denken der Nichtigkeit und ihr unverständiges Herz wurde verfinstert.

22 Sie behaupteten, weise zu sein, und wurden zu Toren.

23 Sie vertauschten die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes mit Bildern, die einen vergänglichen Menschen und fliegende, vierfüßige und kriechende Tiere darstellen.

24 Darum lieferte Gott sie durch die Begierden ihres Herzens der Unreinheit aus, sodass sie ihren Leib durch ihr eigenes Tun entehrten.

25 Sie vertauschten die Wahrheit Gottes mit der Lüge, sie beteten das Geschöpf an und verehrten es anstelle des Schöpfers – gepriesen ist er in Ewigkeit. Amen.

Und wer behauptet, die exklusive Inbesitznahme Israel-Palästinas sei eine  Sache „der“ Juden, und auf dieser Basis seine vermeintliche  Religiosität begründen will, der sollte schon mal beim Casting für eine mögliche Fortsetzung von Religulous vorbeischauen. Gott will es!

Bei Plakaten wie diesen frage ich mich: Was meinen diese Leute eigentlich, wenn sie von "Solidarität", von "Israel", von "bibeltreu" reden? Und was macht sie zu "Christen"?
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