Mein Problem mit Grosser, Avnery und Co.

Interessantes Interview mit Alfred Grosser auf FAZ online. Darin äußert er sich, ähnlich wie Anfang der Woche Uri Avnery, u.a. zum deutsch-israelischen  Verhältnis:

Was ist dann mit der besonderen Verpflichtung Deutschlands gegenüber den Juden?

Natürlich gibt es die. Und im Sinne von Reparationen und Haftung ist auch enorm viel getan worden – was die Schuld nicht relativiert. Außerdem wird überall in Deutschland mit unzähligen Denkmälern dieser Schuld gedacht; Synagogen werden wieder aufgebaut, die Erinnerung wird wachgehalten. Aber im Sinne dieser Erinnerung muss auch gesagt werden: Es darf niemand verachtet werden. Und Israel verachtet die Moslems.

Grosser hat ein Buch zum Thema geschrieben und will natürlich auch hierzulande gelesen werden. Seine Argumentation finde ich nachvollziehbar, und dennoch bin ich nicht überzeugt. Grosser – und nicht nur er! – scheinen sich dann doch nicht mit dem Mainstream anlegen zu wollen, will sagen: Israel wird stillschweigend als scheinbar einzig nennenswerte Form heutiger jüdischer Existenz für bare Münze genommen. Der Staat Israel wird mit dem Judentum gleichgesetzt. Das Problem dabei: Grosser öffnet damit jenen Tür und Tor, die es „schon immer gewusst haben“ wollen: Wenn „wir Deutschen“ schon schlimm waren, ist „der Jude“ heute mindestens genauso übel drauf. Ich sage nicht, dass Leute wie Grosser oder Avnery eine solche Sichtweise vertreten. Wohl aber zahlreiche ihrer oft allzugutbürgerlichen Leserinnen und Leser.

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