Judenmisson als „Fortsetzung des Holocaust mit anderen Mitteln“

Ein kleiner Nachtrag zum gestrigen Religulous-Artikel und eine herzliche Leseempfehlung: In Brodaganda erfuhr man schon vor einiger Zeit vom Unwesen judenfeindlicher Israelsolidarität:

Wer allerdings Zweifel daran hegt, mit welch hasserfüllten Fanatikern sich Antideutsche auf sog. Israel-Solidaritätsdemonstrationen zusammenfinden, der kann hier fündig werden: „An Jesus Christus wirst Du, Israel, nicht vorbei kommen! Niemand kann Dir helfen, als Er allein. Solange Du Ihn, den Jeshua Mashiach, ablehnst, machst Du Dir das Leben unnötig schwer!“  So sind sie, unsere Freunde von der Judenmission. Existenzrecht für Juden, ja, aber nur unter der Bedingung, dass es keine Juden sind. Es ist ein altes Ziel, was sie nicht aufgeben möchten. Der württembergische Landesrabbiner Joel Berger formulierte es so: „Die Judenmission ist für mich Fortsetzung des Holocaust mit anderen Mitteln.“

Ob Judenmission oder christlicher Zionismus: Wenn israelische Besatzungspolitik eine christlich verstandene Heilswirksamkeit bescheinigt wird, wenn ein Ende der Besatzung bzw. die Gründung eines Staates Palästina als Sieg des Bösen gedeutet wird, wenn der Messias (für Christen aka Jesus) kommen soll, um im Heiligen Land die Juden zu sammeln und zu seinen Jüngern zu machen, wenn… (hier bricht der Gedankengang ab… mir wird schlecht…).

Kurz gesagt: Wenn man christlichen Nutzen aus Gewalt und Unrecht zu ziehen bereit ist, ist das Ende wirklich nicht mehr fern. Judenmission und christlicher Zionismus – das sind nichts Anderes als christlicher Antijudaismus und Antisemitismusim ach so wohlanständigen Gewand.

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8 Gedanken zu “Judenmisson als „Fortsetzung des Holocaust mit anderen Mitteln“

  1. Mal wieder ein sehr schöner, kurzer und pointierter Artikel. Ich selbst schreibe gerade an einer Magisterarbeit, die sich mit der jüdisch-christlichen Apokalyptik auseinandersetzt. Es mag wohl irgendwie selektive Wahrnehmung sein – aber ich habe den Eindruck, dass ich mich diesem Thema leider nirgendwo entziehen kann. Fast jeder aktuelle Diskurs scheint sich irgendwie auf diese endzeitlichen und heilsgeschichtlichen Vorstellungen zuzuspitzen. Man merkt auf einmal, wie wichtig und bedeutend diese alten und religiösen Mythen und Metaerzählungen für die – auch und gerade westlichen – Gesellschaften sind.

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  2. Ganz herzlichen Dank! Mir geht es ähnlich. Als jemand, der glauben möchte, aber ohne jene Selbstzufriedenheit und jenen Heilstriumphalismus, den allzu oft (vermeintlich) religiöse Zeitgenossinnen und Zeitgenossen ausstrahlen, auszukommen versucht, merke ich häufig, dass ich Positionen und Standpunkte von Leuten, die entschieden säkular sind, getrost teilen kann.

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  3. Ich bin ja eher eine Ignostikerin und halte es da wie der „gute, alte“ Kant – aber natürlich respektiere ich auch den Glauben anderer Leute. Leider werden sämtliche Religionen immer wieder für irgendwelche „unheiligen“ Zwecke instrumentalisiert. Wirklich gläubige Menschen gehören m.E. auch nicht in die oben genannte Kategorie von Leuten, die ihre Religion als Machtinstrument missbrauchen. Ich kenne genügend Moslems, die jede Form von Krieg und Völkermord ablehnen und keinesfalls billigen. Gleiches gilt natürlich auch für viele Christen und Juden, die ich kenne.
    Mythen spielen eine nicht unerhebliche Rolle für die gesamte Menschheit – und das ist per se ja auch nicht immer unbedingt was Schlechtes. Märchen, Fabeln und andere Formen der Narration bedienen sich ja auch immer wieder bei traditionellen Mythen und Metaerzählungen. Entscheidend ist doch, was man ihnen im Positiven abgewinnen kann – und es ermöglicht einem ja auch in gewisser Weise zu „transzendieren“. Wichtig erscheint mir nur, immer im Hinterkopf zu behalten, dass jede Ideologie von zumeist sehr einfachen – um nicht zu sagen binären – Weltbildern ausgeht; sonst wäre es ja auch keine Ideologie. Jede Ideologie maßt sich an, eine bzw. DIE „Wahrheit“ zu verkünden – und genau da wird es auch schon wieder schwierig. „Wahrheiten“ werden dann auch allzu oft mit Tatsachen verwechselt, etc. pp.
    Und all jene, die immer so laut nach der „Wahrheit“ schreien, sollten sich selbst einmal die Frage beantworten, ob sie eine solche überhaupt verkraften würden: nämlich, dass viele verschiedene Wahrheiten, die oftmals keineswegs miteinander kompatibel erscheinen, durchaus nebeneinander existieren können – und sich nicht zwangsläufig widersprechen müssen. Eine gute Freundin charakterisierte mal vor einigen Tagen ihre einjährige Tochter: „Sie ist ein kleines Biest, das mich immer wieder auf die Palme bringt – und dennoch ist sie ein kleiner, wunderbarer Engel, der mein Herz höher schlagen lässt.“
    Bevor ich nun weiter abschweife, schließe ich hier.

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    1. Ich komme immer mehr für mich zu der Einsicht, dass ich ebenfalls ein Agnostiker bin, der sich aber wünschen würde, Sicherheit zu erlangen. Diese Sicherheit aber kann nicht allein von mir selbst kommen. Und was die Funktion von Religion als Soundtrack und Weihrauch für die größten Schweinereien angeht, so verweise ich auf den von mir hoch gehaltenen Marc H. Ellis. Längst sind es auch die Ideen der Aufklärung, sowie, und das ist das besonders Bestürzende, das Bemühen, die Shoa nicht wieder geschehen zu lassen, die als Rechtfertigung für Gewalt und Extremismus haben herhalten müssen.

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  4. Ja, Angst und Verzweiflung, Unsicherheit und Orientierungslosigkeit wecken in vielen Menschen immer wieder die Sehnsucht nach den großen Erzählungen. Solange dies eine kritische Reflexion (also eine kritische Re-Lektüre) mit einschließt, hab ich da auch nüscht dagegen.
    Merci für den Verweis auf Marc H.Ellis

    Die I (!)- gnostikerin

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    1. war ja nicht so gemeint!
      😉
      wollte damit nur andeuten, dass es ja genügend leute gibt, die da weniger kritisch an texte rangehen. bei dir mach ich mir da ehrlich gesagt nicht so viele sorgen. oje, das klingt ja wieder ziemlich „herablassend“… schluck, sollte mal was an meiner klugscheißerischen ausdrucksweise ändern…das kommt auch nur daher, weil mich sowas (unreflektiertes widerkäuen) aufregt. und akademiker oder angehende akademiker sind da auch oft nicht besser oder schlauer als leute ohne höheren bildungsabschluß. wie heißt´s so schön: bildung ersetzt nicht den gesunden menschenverstand – oder so ähnlich…

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