Böser Verdacht: Max Weber, der erste „neue Antisemit“?

Lese sehr gern in Harmut Finkeldeys Blog herum. Jüngst fand sich dort – wenn auch in einem ganz anderen Zusammenhang – ein Zitat von Max Weber. Und es geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Wäre ich ein Antiantisemit, der hinter jeder Kritik an Israel Judenhass wittert, würde ich Max Weber noch posthum Antisemitismus unterstellen. Noch bevor es den Staat Israel gab, problematisierte Weber – quasi hellsehend – dessen Existenzrecht. Wie anders könnten Leute wie Broder oder Küntzel diese Aussage deuten:

Daß ein Mensch im Glück dem minder Glücklichen gegenüber sich nicht mit der Tatsache jenes Glücks begnügt, sondern überdies auch noch das „Recht“ seines Glücks haben will, das Bewußtsein also, es im Gegensatz zu dem minder Glücklichen „verdient“ zu haben – während dieser sein Unglück irgendwie „verdient“ haben muß -, dieses seelische Komfortbedürfnis nach der Legitimität des Glückes lehrt jede Alltagserfahrung kennen, mag es sich um politische Schicksale, um Unterschiede der ökonomischen Lage, der körperlichen Gesundheit, um Glück in der erotischen Konkurrenz oder um was immer handeln. (Weber, Max, Wirtschaft und Gesellschaft, Paderborn, oJ, p. 466)

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Natürlich ist Finkeldey zuzustimmen:

Mit diesen dürren Sätzen spricht Weber der „bürgerlichen Gesellschaft“, ihrer Erfolgsanbeterei, ihrem Sozialdarwinismus, ihrem zutiefst inhumanen Ansatz, nichts sei so erfolgreich wie der Erfolg, das Gericht.

Doch in Anbetracht an die Ideen eines H.M. Broders, nach dem es eben mehr Spass mache, Täter zu sein als Opfer, und nach der Logik etwa so vermeintlich (anti-)deutscher Denker wie Thomas von der Osten-Sacken, die im Irak den Kapitalismus mit dem Einmarsch der Achse der Mutigen aufkommen sah – dieser werde garantiert, so wolle es Marx, von der kommunistischen Gesellschaft abgelöst, ist ja die Forderung, auch nach nach Alternativen zu einer Gesellschaftsform, die eben nicht auf (Menschen-)Opfern beruht, nichts Anderes als böser böser böser Judenhass. Dass in der jüdischen Religion Menschenopfer (man denke an Abraham und Isaak) ablehnt werden, ist in diesem Zusammenhang nicht unerheblich.

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