Weitere Probleme des Antiantisemitismus

Vielleicht mach‘ ich mich hier zum Ahmadinejad, aber ich halte den Hamburger „Antisemitismus-Streit“ um die Vorführung von Lanzmanns Pourquoi Israel für einen Mythos, der zu nichts Anderem dient, als dass sich einige, verfangen im je eigenen Identitätswirrwarr, moralisch über Andere erheben zu dürfen glauben. Das Ende von Kritik als grundkritische Haltung zu verhökern, konsumistisches Arschkriechertum als Fanal gegen Hass… das Ende der Aufklärung als Basisvoraussetzung zur Entstehung von Zivilisation, Kolonialismus und Rassismus zur Befreiung der Menschen, und das alles von Deutschland aus?

Jedenfalls verweise ich – wie rhizom – auf diesen Text und stimme besonders den folgenden Aussagen umstandslos zu:

„Antideutscher“ und anderer Antisemitismuskritik von rechts geht es nicht um Israel, nicht um Juden, nicht um gesellschaftlichen Fortschritt. Sie ist vielmehr ein Mittel, jeglichen Widerstand gegen die restlose Durchkapitalisierung der Welt und gegen ihre Profiteure zu brechen und die Macht der herrschenden Klassen zu legitimieren. Diese „Kritik“ am Antisemitismus ist ein Mittel der Erweiterung und Vertiefung des kapitalistischen Zugriffs auf gesellschaftliche Ressourcen und die Ausbeutung von Arbeit, sie ist eine Ideologie der dynamischen Gewalt des Kapitals geworden. Westliche Werte und weiße Rasse gegen die „linken Antisemiten“. Das ist Kulturkampf für das Kapital. Deshalb wird diese „Antisemitismuskritik“ auch von seinen Nutznießern im Munde geführt und gegen seine Opfer gerichtet. Das Eintreten der „antideutschen“ Neocons für „zivilisatorische Mindeststandards“ und ihr angeblicher Kampf gegen die Barbarei sind eine Form des Klassenkampfes der Gewinner gegen die Verlierer des Kapitalismus.

Von der machtpolitischen Option dieser „Antisemitismuskritik“ sprechen wir, weil sie als Legitimationsideologie für eine geopolitische Neuordnung im Nahen Osten und imperialistische Kriege genauso funktionieren kann wie für eine radikal antigewerkschaftliche Politik oder auch – wie jetzt von den „Antideutschen“ in Hamburg betrieben – für die Schließung eines linken und migrantischen politischen Zentrums, wo Hartz-IV-Geschädigte und andere arme Schlucker immer offene Türen vorfinden.

Probleme, mit denen man im Kampf gegen Judenhass ja schon länger zu kämpfen hat…

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Ein Gedanke zu “Weitere Probleme des Antiantisemitismus

  1. Stimme voll und ganz zu.
    Und solange sich im B-Movie noch die Verantwortlichen (!) dieser perfiden Hetzkampagne gegen die B5 (aber im eigentlichen Sinne auch gegen so genannte „Palästinenserversteher“ und Anti-Imps) herumtreiben, werde ich diesen Laden meiden wie der Teufel das Weihwasser.
    Sicher springen in diesem Soli-Café auch ein paar verirrte und dogmatische Deppen rum, und sicherlich werden da gerne auch mal Klopapierrollen mit Israelflaggen bemalt. Aber jetzt mal ganz ehrlich: das bereitet mir nun wirklich keine schlaflosen Nächte. Da mach ich mir doch eher Sorgen, wenn Menschen meinen, staatlich und sonstwie subventionierte Kriege und Völkermorde auf Biegen und Brechen verteidigen zu müssen.
    Mir wird schlecht, wenn ich vermeintlich „aufgeklärte“ und intellektuelle Menschen USA- und Israelflaggen schwenken sehe. Mir wird schlecht, wenn ich dann auch noch sehe, wie dieselben Leute dann mit vor freudiger Erregung erröteten Gesichtern militärisches Morden bejubeln.
    Aber genau diese Menschen sind wohl im B-Movie willkommener als antiimperialistisch denkende Menschen.
    Mir wurde ja auch noch bevor ich dort anfing zu arbeiten, klar und deutlich mitgeteilt, wer oder was ich bin: ein Insekt. Zuerst dachte ich, das sei nur eine verbale Entgleisung, die sich ganz einfach mit dem Alkoholpegel desjenigen Menschen erklären ließ, der mich da so „anraunte“. Mittlerweile bin ich mir aber sicher, dass das kein „Ausrutscher“ war. Das „über-andere-Urteilen-und-Herziehen“ scheint diesem Menschen besonders eigen.
    Der Insektenvernichter hat also ganze Arbeit geleistet. Ich werde mich da jedenfalls nicht mehr blicken lassen.

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