„Kairos Palästina“ und die Unwichtigkeit palästinensischer Christen für hiesige Kirchen

Nicht, dass es mich freut weil ich mich im Recht fühle – im Gegenteil -, aber bisher ist die Resonanz auf das Dokument Kairos Palästina, in welchem sich palästinensische Christen, Laien und Angehörige des Klerus, an ihre palästinensischen Landsleute, an Israelis, an alle Welt wenden, mehr als dürftig. Pater Rainer Fielenbach aus dem Karmeliterkloster Straubing hat sich auf die Suche nach offiziellen Reaktionen von kirchlicher Seite hierzulande gemacht. Das Ergebnis ist ernüchternd. Der Text seiner Rundmail ist im folgenden auszugsweise nachzulesen:

Dieser herausragende Brief […] verdient es, nicht nur noch einmal ins Licht der Öffentlichkeit geholt zu werden; bemerkenswert und erschreckend ist auch, was nicht mit ihm passiert ist gerade auch auf der offiziellen Ebene der Kirchen in unserem Land.

Vergebens habe ich z.B. auf den Websites der deutschen Bistüumer oder  bei „Kirche in Not“ nach einem deutlichen Link gesucht, der auf diesen dramatischen Hilfeschrei der palästinensischen Christen vom 11. Dezember aufmerksam macht. Eine Suche bei den Suchfunktionen aller deutschen Bistumsseiten brachte das gleiche Ergebis, nämlich Null, keinerlei Hinweis. Die Suchfunktion des Bistums Augsburg brachte es noch einmal mehr auf den Punkt: „Bethlehem“ – „Fehler: Syntaxfehler“ – Betlehem ist nur also ohne das „h“ zu finden. Traurig aber wahr, doch genau das ist die Realität. Bestätigt wird das alles noch durch eine Suche bei Google. Offizielle kirchliche Stellen kommen da nicht vor. D.h. im Klartext, dass die Kirchen im deutsch-sprachigen Raum diesen vielleicht wichtigsten Hilfeschrei der Christen in den letzten Jahren aus dem Heiligen Land nicht zur Kenntnis genommen, kommentiert oder zumindest darauf aufmerksam gemacht haben. Ich empfinde es als einen skandalösen, unglaublichen Fehler. Stattdessen wird überall auf den Empfang „des Lichtes von Bethlehem“ hingewiesen und zu Gottesdiensten eingeladen. Doch dieses jährlich wiederkehrende Ereignis hat sich inzwischen wie die „Stille Nacht“ zu einer idyllischen Feier entwickelt, bei der alles vorkommt, nur nicht die Realität des Ortes und der Menschen in Bethlehem, die unter Aufbringung letzter Kräfte versuchen, das ihnen überlieferte Erbe der Geburtsstätte Jesu zu bewahren. […]

Ich frage mich: Was soll das ganze Gerede von Solidarität mit den Christen in Not im Heiligen Land, wenn geschwiegen wird, statt alle nur mögliche Unterstützung zu geben und Stellung zu beziehen. Gegenüber den pal. Christen wäre das oft wichtiger als noch so viele materielle Unterstützung. Denn sie verlassen zunehmend die Heimat Jesu, weil die Mitchristen aus der übrigen Welt sie spürbar mit Desinteresse abstrafen.. Immer wieder höre ich diesen Vorwurf bei meinen Besuchen in Bethlehem. „Warum sollen wir in dieser hoffnungslosen Situation noch hier aushalten, wenn es der christlichen Welt jenseits der Mauer völlig egal ist, was mit uns passiert und unter welchen Bedingungen wir hier aushalten? – Würdet ihr das tun, wenn ihr an unserer Stelle hier leben müsstet?!“

Das Totschweigen des Briefes unter anderem bei den deutschen Diözesen offentbart, wie unwichtig uns die Christen und Menschen im Heiligen Land wirklich sind.. Hier wäre die Gelegenheit gewesen „Farbe “ zu bekennen, auch wenn das vielleicht den Widerspruch anderer hervorgerufen hätte. Doch leider ist es einfacher und unverbindlicher, zu einer nichts kostenden Fürbitte für die Christen im Heiligen Land in den Gottesdiensten aufzurufen, als wirklich den Mund aufzumachen und die Situation beim Namen zu nennen. Bei Weihnachtsreden und Predigten nur die schlimme Situtation der Christen im Heiligen Land mit zwei Sätzen zu erwähnen, tut keinem weh und hilft niemandem.

Der Brief der palästinensischen Christen vom 11. Dezember 2009 war die große und bisher verpaßte Chance von christlicher Seite bei uns in Deutschland, deutlich spürbare  Solidarität zu zeigen.

Dennoch: dieses Dokument darf nicht das Schicksal einer Drucksache teilen und im Papierkorb verschwinden!

Man beachte auch dies: Die von Fielenbach furios verfassten Zeilen bieten Religionskritik erster Güte! Was Fielenbach vielen Christen bzw. Kirchenrepräsentanten hierzulande vorwirft ist nichts Anderes als das, was Dietrich Bonhoeffer einst als „billige Gnade“ kritisiert hat:

„Billige Gnade heißt Gnade als Schleuderware, verschleuderte Vergebung, verschleuderter Trost, verschleudertes Sakrament; Gnade als unerschöpfliche Vorratskammer der Kirche, aus der mit leichtfertigen Händen bedenkenlos und grenzenlos ausgeschüttet wird; Gnade ohne Preis, ohne Kosten.“

Und die süße Selbstgenügsamkeit, die einen zufrieden an den Gabentisch bringt, weil in der Christmette an die Christen in Palästina „gedacht“ worden ist – nun ist das nicht das berühmte Opium, von dem ein Karl Marx einmal schier die Krise kriegte?

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3 Gedanken zu “„Kairos Palästina“ und die Unwichtigkeit palästinensischer Christen für hiesige Kirchen

  1. … das Kairos-Papier ruft zum Boykott gegen Juden und gegen Israel auf. Das können und das wollen wir nicht! So ist es besser zu schweigen als mit den Autoren zu streiten.

    Dr. Gottschalk

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    1. Exzellenz, mit wem habe ICH es zu tun, wenn Eure Lordschaft es sich erlauben, das Wort „wir“ zu benutzen? Des Weiteren deucht mir, Ihre Heiligkeit haben den Text des Dokuments nicht mit der angemessenen Aufmerksamkeit gelesen – vielleicht sogar mit der falschen Brille.
      (Merke gerade, der Aufenthalt in dieser englischen Privatschule, und sei es auch nur als Aufpasser, uebt seinen Einfluss aus :-))

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