Empfehlung: Metalust & Subdiskurse

Nun habe ich allerlei Energie darauf verwendet, mein links-katholisches Nahostblog abzugrenzen gegen allzu säkularistische Tendenzen, gegen Anti-Islamismus, Antiantisemitismus und Antisemitismus, dass ich es für dringend geboten halte, auch einmal auf etwas noch Wichtigeres als „unsere“ Befindlichkeiten in Sachen Israel, ISRAEL und Israel einzugehen. Wer einen Eindruck erhalten möchte, wie es Theodor Wiesengrund Adorno, wiedergeboren und gefangen im Leib eines stadtarchitekturkritisch bloggenden Hamburger St.-Pauli-Fans, ergehen könnte, sollte das Blog Metalust & Subdiskurse ab und zu anlesen. Reif für die Aufnahme in die Monarchie-und-Alltag-Schmähkritik-Bestenliste und dabei sensibel, wenn nicht melancholisch, so doch jedenfalls tiefschürfend: Diese Reflexion zum MTV-Unplugged-Album der Sportfreunde Stiller aka Sportis aka Sportls:

Hört man nun das ganze Album, dann hört man vor allem: MÜNCHEN. So, wie man bei Bushido Berlin hört. Sunnyboys, Gutwettergestalten, denen man dieses „Mißtraue der Idylle“-Hübsch- und Verspielt- und Verziertsein dieser machtgesättigten Architektur dort unten an der Isar anspürt. Und diese endlosen Flächen von Eigenheimen und dreigeschossigen Mehrfamilienhäusern, die man durchfährt, bevor man in der pittoresken Innenstadt landet. Ja, PITTORESK. Furchtbar. Die Musik der Sportfreunde Stiller ist GEMÜTLICH. Kein Wunder, dass da unten regelmäßig Kids in der S-Bahn ausklinken. Die singen sogar gegen Stubenhocker und darüber, dass man bei Sonne sich rausputzen solle und ab unter Leute. Sind ja sympathische Jungs, und sie können in Interviews durchaus anregend darüber berichten, wie sie sich einst auf Madonna einen runter holten vor dem Fernseher, den Blonden hätte man gern dabei unterstützt, trotzdem ist das grauenhaft, wie kaum ein Text stimmt und der Sound mit Schnörkeln von Barock-Streicher-Gefiedel ausgerechnet bei „Ich war noch niemals in New York“ im Duett mit Udo Jürgens aufgemotzt wird und sie noch pseudokokett darüber singen, dass sie das gar nicht können. Eine einzige Zelebration von Schwundstufen – warum sich eigentlich  darüber aufregen? Schon deshalb, weil im neonationalistischen Rausch der WM einst ihr einzig guter Song zum Tarnanzug einer neuen Überheblichkeit der Lockerheit und Selbstverständlichkeit genäht wurde. Ich meine, wer locker und wer selbstverständlich ist, ist doch wie verhaltenstherapeutisch zurecht pathologisiert. Und reagiert vermutlich höchstagressiv, kratzt man den Fassaden seiner verlogen-ungebrochenen Weltbildpflege. Auch muss man sich darüber aufregen, weil die Hauptstädte audiovisueller Medien komischerweise in den katholischen Metropolen angesiedelt sind, München, Köln und Mainz, und alles, was ich hier über die Sportfreunde Stiller schreibe, eben auch über den Großteil derer  Erzeugnisse zu sagen wäre. Aus der Schwätzer-Stadt Berlin sind die ja größtenteils wieder abgezogen.

Zu schön.

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