Zur Krise (endlich!) der Islam-„Kritik“

Beim Besuch der diversen Onlineauftritte der meinungsmachenden Leitmedien kommt man ja derzeit aus dem Verlinken und Belobigen nicht mehr heraus. Vorbei die Zeit, als auf SpOn Eiferer wie Broder oder Leon de Winter unwidersprochen als Verteidiger der einen reinen westlichen Freiheit gefeiert werden durften. Ob Süddeutsche oder FAZ – immer öfter melden sich jene – von Spiegel im Verein mit dem Perlentaucher – als „Kritikophobe“ gebrandmarkten Stimmen zu Wort, die sich völlig zurecht fragen: Haben die großen Islam-Kritiker wie Broder, Kelek oder auch andere mit den von ihnen so dermaßen bewarnten Islamisten mehr zu tun, als man bisher meinte?  Limited bringt es auf den Punkt:

Mit ihrem Duckmäusertum unterminierten sie den Kern ihres eigenen Glaubensbekenntnisses: die demokratischen Institutionen und Werte, zuvörderst Meinungsfreiheit, Toleranz und das Gebot von Gleichheit und Menschenwürde. Die Kritiker der Islamkritiker seien also die eigentlichen Verfassungsfeinde, die mit ihrem grundsätzlich gedankenfeindlichen, bedingungslosen Vorgehen alle Debatten, alle Argumente, alle Zweifel, womöglich auch die an sich selbst, ersticken.

Angesichts erneut anstehender deutsch-israelischer Regierungskonsultationen (toller Link, hm?) mag man verschwörungstheoretisch hinzufügen: Ohne jene Art von Israel-Solidarität, die von Broder und Giordano praktiziert wird – eine Israel-Solidarität, die sie mit Inititativen wie PI verbindet – , würde der von diesen Leuten betriebenen Islam-„Kritik“ ohnehin jeglicher Nährboden fehlen. Ohne Israel würden „Kritiker“ wie sie dastehen als das, was sie eigentlich sind: Rassisten, die „Aufklärung“ im Munde führen, nur um ihre Ressentiments zu pflegen.

Nun ja, Thomas Steinfeld, einer der letzten wirklich politischen Köpfe im hiesigen Feuilleton, hat völlig recht:

Wer Freiheit fordert, muss mit der Freiheit zu Niedertracht und Habgier rechnen. Und wer sich der Gleichheit verschreibt, der darf nicht nach der Polizei rufen, wenn er auf individuelle Interessen stößt. Anders gesagt: Wer die Grundbegriffe der Demokratie behandelt, als wären sie Glaubensartikel – Gebote, zu denen man sich bekennen muss -, der ist von der Gesinnung ihrer Gegner schon durchdrungen. Deswegen tut es den „demokratischen Grundwerten“ gar nicht gut, wenn man sich mit ihnen „identifizieren“ soll. Nein, falls sie überhaupt je funktionieren, dann als alltägliche Praxis, als gelebte Ordnung.

Mir fällt halt immer wieder auf, dass die großen Kritikophobenphobiker zwar das westliche, vulgo christliche, Abend- , vulgo Vaterland, durch „zu viele Muslime“, die an nichts Anderes zu denken scheinen als „die Macht“ zu „übernehmen“, bedroht sehen. Im Denken der noch durchgeknallteren Mitglieder dieser Kaste geht der Koran gar als Neuauflage von Mein Kampf durch. Was aber diese ehrlich besorgten Geister zu den eigentlichen Widergängern von Hitler, Himmler und Co. zu sagen haben, wie sie über Neonazis in hiesigen Landesparlamenten und auf den Straßen dieses unseren Landes denken, ist mir noch immer nicht klar.

2 Gedanken zu “Zur Krise (endlich!) der Islam-„Kritik“

  1. Was ich auch interessant finde ist die Attitüde der Opferrolle, des Beleidigtsein und des Jammerns in der sich die „Islamkritiker“ ergehen.

    Statt Kritik an ihrer „Kritik“ anzunehmen, wird fundamentale Diskussionsverweigerung betrieben und ein Märtyrerrolle suggeriert.

    Das ist im übrigen auch genau das Schema, dass eben diese „Islamkritiker“ Vertretern von muslimischen Verbänden und Muslimen insgesamt vorwerfen.

    Im Fundamentalismus gibt es mehr strukturelle Ähnlichkeiten, als man auf den ersten Blick wahrnehmen kann.

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