Antimuslimischer Feminismus und seine Nähe zur politischen Rechten

Lang vorbei sind die Zeiten, als auch hierzulande Politikerinnen den Afghanistan-Krieg und die damit verbundene Vision von einem zukünftigen, nicht mehr von religiösen Wahnsinnigen regierten, Land am Hindukush ausdrücklich unterstützten. Frauen sollten ihre Burkas ablegen und mit dem Fahrrad zu Mc Donalds fahren. Lang lang ist es her, da rotgrüne Enwicklungshilfeministerinnen sich gar nicht mehr einkriegen konnten vor so viel Blumigkeit in den Zukunftsaussichten. Und heute? Nun, Afghanistan ist kaputt wie eh und je, und der Feminismus, scheint’s nach rechts abgewandert. Jedenfalls wundert es niemanden mehr, dass Alice Schwarzer als großer Angela-Merkel-Fan von sich hat reden machen können. Schwarzer war es ja auch, die, und schon sind wir wieder bei einem Schwerpunktthema der letzten Zeit in diesem Blog, beim lustmachend-leidigen Thema Islam-„Kritik“ – diese Frau hat ja auch so einiges unternommen, dass man/frau sich selbst in den liberalsten Kreisen aufhalten konnte, ohne seinen/ihren eigenen Rassismus auch nur irgendwie unterdrücken zu müssen. Der Islam als neue Nazi-Bewegung, der Koran als Mein Kampf, und das Kopftuch als Davidstern – in solchem Fahrwasser ließ es sich jahrelang vortrefflich dahindümpeln, denn schließlich war man/frau ja eifrigst dabei, Partei für „die Frau im Islam – das unbekannte und geknechtete Wesen“ zu ergreifen. Dass es im Dienste dieser guten Sache ebenfalls akzeptabel erschien, zur Erklärung des Tatbestands bzw. des Unterdrückungszusammenhanges auf essentialistische, wenn nicht kultur-chauvinistische bzw. rassistische Muster zurückzugreifen, wird erst seit relativ kurzer Zeit kritisiert.Von höchst problematischen, historisch begründeten Parallelisierungen ganz zu schweigen.

Der Perlentaucher schäumt, galt es heute heute doch, einen taz-Artikel der Psychologin Birgit Rommelspacher zu verlinken. Die unterstellt dem Feminismus antimuslimischer Prägung eine „nicht ganz zufällig[e]“ Affinität zur politischen Rechten und  meint:

Ja, es ist eine gute Sache, sich für die Rechte der Frauen einzusetzen. Das Problem beginnt dann, wenn die Unterdrückung von Frauen untrennbar mit einer bestimmten Kultur, wahlweise auch einer bestimmten Religion oder Tradition verknüpft wird. Patriarchat und Kultur beziehungsweise Religion oder Tradition sind dann nicht mehr jeweils eigenständige Größen, die in Wechselwirkung miteinander treten, sondern miteinander verschmelzen, sodass man schließlich die ganze Kultur beziehungsweise Religion infrage stellen muss, will man sich für Frauenrechte einsetzen. Nach dieser Logik müsste man auch unverzüglich das Christentum abschaffen.

Und:

Man benützt also nicht mehr so sehr das Argument „rassischer“ Überlegenheit, sondern stützt sich vielmehr auf die zivilisatorische Funktion des Westens. Teil dieser „zivilisatorischen Mission“ war jedoch auch schon zu Zeiten des Kolonialismus das Bestreben, „die unterdrückte Muslimin“ zu befreien, was Leila Ahmed von einem „kolonialen Feminismus“ sprechen lässt. Wer jedoch zögert, die Machtanmaßungen des Kolonialismus mit Feminismus zusammen zu denken, der sollte wissen, dass auch im Nationalsozialismus Frauen ihre „rassische“ Überlegenheit mit ihrem Einsatz für die Gleichstellung von Mann und Frauen begründeten. So formulierte etwa Sophie Rogge-Börner in der Zeitschrift Die deutsche Kämpferin, dass man gemeinsam mit den arischen Rassegenossen gegen das „orientalisch-jüdische Patriarchat“ kämpfen sollte, weil dies die ursprüngliche, germanische Gleichstellung der Frau zerstört habe.

Und das quält den Perlentaucher, der sich bisher doch immer der guten Sache bzw. der richtigen Seite verpflichtet wusste. Dass Säulenheilige wie Kelek oder Ates nun – vermeindlich oder nicht –  „in die Nähe der Nazis“ gerückt werden, ist starker Tobak, ’s ist richtig, aber meine Anteilnahme hält sich in Grenzen, waren es doch Organe wie SpOn oder eben auch der Perlentaucher, die es lange Zeit sich zum beliebten Zeitvertreib gemacht hatten, Menschen mit nicht genehmen politischen Meinungen etwa Antisemitismus zu stellen. Wer Broder schreiben lässt, wird Hass ernten. Warum mokiert sich der Perlentaucher? Weil eigene, zwischen den Zeilen seiner Feuilleton-Tagesaufbereitung gar nicht einmal so subtil transportierte Haltung – freilich unter Zuhilfenahme vder Kronzeuginnen Kelek und Ates – mit entsprechenden Mitteln zur Disposition gestellt wird.

3 Gedanken zu “Antimuslimischer Feminismus und seine Nähe zur politischen Rechten

  1. es ist immer sehr praktisch,das was nicht passt mit faschismus, rassismus,nazismus gleichzusetzen…..ich frage mich wie lange diese keule , in unserer gesellschaft ,im unserer deutschen gesellschaft,noch eine funktion hat…….und dann ist es sowieso so
    die islamischen frauen weden selber wissen was sie wollen,ihre befreiung ist ihre arbeit,wenn sie mich nach meiner unterstuezung fragen werde ich da sein….
    gute argumentationen kommen ohne diesen rechts-quark aus.
    gruss regido

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  2. Das Problem ist doch, dass selbst gute und schlüssige Argumentation immer in die rechte Ecke gedrängt wird. Und natürlich immer die alte Leier, das Christentum vorzuschieben. Natürlich gibt es auch immer wieder Kritik an christlichen Werten und dem senilen Opa im Vatikan, aber die wird nicht diskutiert. Aber so bald es wieder mal um den Islam geht, ist wieder Vergangenheitsbewältigung gefragt. Traurig..

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    1. Das Problem ist doch, dass selbst gute und schlüssige Argumentation immer in die rechte Ecke gedrängt wird.

      Alles wird immer in die rechte Ecke gedrängt. Es ist ja nicht so, dass Broder, Kelek und andere mit Rassismusvorwürfen oder der Nazikeule sparen würden. Und das keineswegs nur gegen Vertreter des politischen Islam. Broder hat z.B. in „gewissen Kreisen“ mittlerweile Kultstatus und wird ebenso wie Kelek zu jeder passenden Gelegenheit als Kronzeuge zitiert.

      Schaut man sich an, wer alles angeblich in der rechten Ecke wohnhaft sein soll, müsste dort eine Bevölkerungsdichte herrschen, die die in Gaza-Stadt weit in den Schatten stellt.

      Traurig, auch dadurch, da sich die Ureinwohner der rechten Ecke damit so richtig wohlfühlen.

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