Wahnsinn, dieser Stoldt!

Man fragt sich, welches Kraut man/frau in der Chefredaktion der Welt geraucht hat, dass ein derartig „kritikophober“ (ich sag es gern noch einmal: Copyright für den Begriff Kritikophobe: SpOn und Perlentaucher), vor Gutmenschlichkeit triefender  Artikel den Weg in die Öffentlichkeit gefunden hat. Till R. Stoldt schreibt tatsächlich:

Für ihn [den islamkritischen Tunnelblick] existiert nur, was ins Raster passt. Bringt also ein eifersüchtiger Türkischstämmiger seine Ex-Frau um, handelt es sich laut Islamkritikern selbstredend um eine „muslimische Tat“. Dass der vermeintliche Muslim als drogensüchtiger Spielhöllenstammgast bekannt war, der seit Jahren keine Moschee mehr von innen gesehen hatte, wird geflissentlich übersehen. Schuld ist ja „der Islam“.

Die unglaubliche Schlichtheit dieses Erklärungsmusters muss man den Religionskriegern immer wieder vor Augen halten. Zudem darf man nicht die Relationen unterschlagen, wenn über die Straftaten von Migranten berichtet wird. Ein Beispiel: Die Zahl aller hierzulande bekannten Ehrenmörder mit (noch so diffusem) islamischem Hintergrund macht weniger als 0,01 Prozent der hier lebenden Namensmuslime aus. Dies systematisch zu verschweigen, heißt verleumden.

Und noch eine andere Sorge der Islamkritiker verdient Aufmerksamkeit. Die Klage, das Diktat politischer Korrektheit zwinge dazu, die Missstände unter Muslimen zu verschweigen. Auch dies sollte ernst genommen werden. Dass es in Deutschland bis zum elften September 2001 einen Nachholbedarf an offener Islamkritik gab, dürfte nämlich nicht ganz falsch sein. Der gebückte Gang, um die Flugbahn der Faschismuskeule zu unterlaufen, kam wohl vor. Und in manchem Zeitgenossen mögen die Erfahrungen vergangener Tage noch heute nachwirken. Nur: Für das Deutschland des Jahres 2010 trifft diese Warnung schlicht nicht zu. Immer neu beteuern Kirchenvertreter und Unionspolitiker bis hin zur Kanzlerin (immerhin eines religiös neutralen Staates), ihr Nein zum EU-Beitritt der Türkei ergebe sich auch aus ihrer christlichen Identität. Und kein Mensch, nicht einmal Claudia Roth, würde dies als faschistisch bezeichnen. Wo also versteckt sich das PC-Diktat?

Es kommt noch besser:

Allmählich droht sich der Ruf nach freier Islamkritik in einen Schlachtgesang der Gehässigen zu verwandeln. Ja, in Talkshows, Parlamenten und Publizistik breitet sich längst ein so undifferenzierter wie ruppig-respektloser Umgangston gegenüber Muslimen aus. Es trägt nicht zum Frieden bei, wenn der Grüne Daniel Cohn-Bendit verkündet, es sei an der Zeit, „den Muslimen mal was vor den Latz zu knallen“. Auch fördert es kaum das friedliche Miteinander, wenn der Schriftsteller Ralf Giordano immer neu intoniert, man sei viel zu lang devot gewesen gegenüber diesen archaischen Muslimen.

Und es zeugt weder von Sachverstand noch Differenzierungswillen, dass in manchem Landtag, etwa in NRW, das Kopftuchverbot mit dem platt-pauschalen Hinweis begründet wurde, Kopftuchträgerinnen seien allzu oft Feinde der Menschenwürde (was durch rein gar nichts belegt ist). Hier hat der demokratische Mainstream aufs Geratewohl eine Gefahr konstruiert und gleich noch gut sichtbar markiert.

Sein Fundament erhält die Islamfeindseligkeit jedoch in einer Darstellung des Korans und des Propheten, die sich von Beschimpfung kaum mehr unterscheidet. So wird der Prophet Muhammad von sogenannten Experten wechselweise als „Karawanenräuber“, „Mörder“ und Initiator eines „Genozids“ verunglimpft.

Auf die Spitze getrieben werden diese Attacken mit der kühnen Behauptung, solche Urteile seien unter allen wahren Islamexperten unbestritten. Bezeichnenderweise stammen diese Beteuerungen meist von fachfremden Islamkritikern. Tatsächlich gibt es in Deutschland keine vier Inhaber eines islamwissenschaftlichen Lehrstuhls, die eine solche Einschätzung teilen würden.

Schließlich geht den Prophetenbeschimpfern alles ab, was zur wissenschaftlichen Grundausstattung zählt: die Fähigkeit zur synoptischen Koranlektüre, die historische Einordnung von Geschehnissen, die sich vor 1400 Jahren zutrugen, oder schlicht die Bereitschaft, dem Propheten im Zweifelsfall nicht grundsätzlich die ungünstigere Motivation zu unterstellen.

Wahnsinn, dieser Stoldt! Memo an die Gedankenpolizei: Zugriff!!!

Vielen Dank an Christian!

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