Hilal Sezgin über den Perlentaucher

rhizom verlinkt empfehlend eine Reihe interessanter und guter Artikel zum Thema Islam-„Kritik“. Hilal Sezgins Kommentar zum perlentauchenden Sturmgeschütz liberal tönender Abneigung gegen den Islam spricht mir in mancher Passage durchaus aus der Seele:

In politischer Hinsicht verfolgt der Perlentaucher eine Richtung, die ihn in bedenkliche Nähe zu manchen agitatorischen Websites bringt. Insbesondere beargwöhnt er den Islam und gefällt sich darin, Essays zum Kulturkampf als erkenntnisfördernd zu präsentieren. Jeder, der nicht »islamkritisch« genug berichtet, wird abgewatscht, von deftiger »Islamkritik« dagegen bekommt der Perlentaucher niemals genug. »Islamkritik muss militant werden«, hieß es vergangene Woche in dem Blog von Henryk M. Broder und Co., der Achse des Guten – auch dieses Medium würdigt der Perlentaucher, immerhin zählen zur Achse viele Autoren, die auch der Perlentaucher gern zu sich einlädt. Doch wozu eigentlich der Umweg? Vor zwei Tagen besprach der Perlentaucher gleich direkt den Blog seines Geschäftsführers Thierry Chervel, der behauptete: »Klassisch liberale, aufklärerische Positionen lassen sich in praktisch keinem einzigen Feuilleton der Republik mehr artikulieren.« Ursache dafür sei wohl eine Art vorauseilender Gehorsam gegenüber den »mächtigen Lobbys« der Muslime. Chervel fragt: »Wie mürbe sind eigentlich die Hirne von Intellektuellen, die die Konsequenzen … vorauseilend selbst ziehen?« […] Zu den beliebtesten Stilmitteln des Perlentauchers dagegen zählen die nachgeschobene Spöttelei, die tendenziöse Andeutung und die rhetorische Frage in Klammern – alles ohne Autorenangabe. Aus dem Schutz der Namenlosigkeit wirft man missliebigen Meinungen so noch rasch eine Schaufel Dreck hinterher. Früher, das weiß man vom Hörensagen, waren auch die Perlentaucher richtige Journalisten; heute aber vermischen sie skrupellos Bericht und Meinung, scheuen Autorenzeile und Kürzel.

Manch Kommentator des Textes stört sich am Gebrauch solcher Vokabeln wie „Hass“ seitens der Autorin, und auch ich gebe zu bedenken: Die nächste süffisante (Klammer-)Bermerkung im Perlentaucher ist vorprogrammiert.

Und noch etwas fällt mir bei der Durchsicht der Kommentare auf: Da reklamieren Menschen ihr Recht auf Islamfeindschaft mit einer ähnlichen Verve und fast identischen Argumenten, mit denen VertreterInnen einer sog. Israelkritik ihr Recht auf dieselbe seit jeher versuchen, geltend zu machen. Aus einem U.N. Leserlich bricht es förmlich heraus:

Die Tabuisierung des Themas, die Diffamierung der Kritiker als Rassisten und xenophob sowie die als ultima ratio im Hintergrund immer latente Gewalt gegen solche Leute bereits und hier in westlichen Ländern sollten doch für jeden, der die Lage nur halbwegs offen sieht, Erklärung genug sein.

Und dann outet sich dieser Zeit-Leser auch noch als Verehrer eines Geert Wilders, Krieger des Lichts gegen den Islam – und das bedeutet bei ihm für Israel. Ich frage abermals: Braucht Israel wirklich solche Freunde?

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