„You can’t really argue with God unless you’re intimate with God“

Hier ein Video, in welchem ein etwas zerzauster Marc H. Ellis (Dissident, jüdischer Befreiungstheologe, Prophet etc.) von seinem Bürostuhl aus Stellung nimmt zum Verhältnis von Juden und Christen. Immer wieder amüsant, wie er es versteht, mit vermeindlichen Gewissheiten, die sowohl bei Juden als auch Christen noch immer vorherrschen – besonders in gegenseitigem Bezug aufeinander.

Zu Anfang weist er darauf hin, dass Juden und Christen zum einen Gott beten, der in jener Schrift geoffenbart wurde, die dem Juden Jesus zur Verfügung stand: der Hebräischen Bibel. Interessant auch seine Worte in Bezug auf Elie Wiesel und dessen epochalem Werk Nacht, in welchem Wiesel über seine – von Ellis als solche bezeichnete – Reise durch Auschwitz erzählt. Nacht ist für Ellis ein eindrucksvolles Beispiel für jene Fähigkeit, für die Ellis, wie er sagt, der jüdischen Tradition dankbar ist: Die Fähigkeit, mit Gott zu streiten. Aber bzw. denn: „You can’t really argue with God unless you’re intimate with God“. Soviel zum alten antijudaistischen Vorurteil, dass Juden Gott sehr distanziert gegenüberstehen, während Christen ja ach so eng verbunden sein sollen mit Gott – nicht zuletzt wegen und durch Jesus.

Auch erzählt Ellis, wie in seinem Center for American and Jewish Studies an der Baylor University in Waco/Texas vor einiger Zeit der Film God on Trial gezeigt worden ist. In besagtem Streifen sitzen jüdische Gefangenein Auschwitz zu Gericht über Gott. Einige haben ihren Glauben verloren, wieder andere haben ihm abgeschworen. Alle kämpfen mit Gott und mit ihrem Glauben. Und nur wer wirklich in intimer Verbindung zu Gott steht, ist bereit, sich diesem Kampf auszusetzen, so Ellis.

Ellis (6’10): „People who said no to God were right. People who said yes to God were right.“
Und dann denkt Ellis laut nach über die Tatsache, wie eng sich die Nazis, besonders auch Hitler, verbunden wussten mit der christlichen Tradition.Und darüber, wie sehr Christen seit jeher der Juden bedurft haben, um sich selbst zu finden. Juden wurden in der Geschichte dafür verdammt, dass sie nicht bereit waren, dem christlichen Glauben ein Unbedenklichkeitszeugnis auszustellen, wenn nicht: ihren Segen zu geben.
Und heute gebrauchen Christen Juden noch bzw. wieder: Sei es – und hier setzen meine Überlegungen ein – damit Juden massenhaft ins Land Israel einwandern, um so die Wiederkunft des Messias zu beschleunigen, sei es, damit Juden sich bei Christen dafür bedanken, dass Letztere den Staat Israel nicht für die von ihm zu verantwortende Vertreibung und Unterdrückung muslimischer und christlicher Palästinenser kritisieren.

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