Zivis in Uniform auf Afghanistan-Montage lassen Bischöfin zu Fall kommen

Schenkt man dem sich bei Google schier überschlagenden virtuellen Blätterwald Glauben, so ist Bischöfin Margot Käßmann von ihrem Amt als Ratsvorsitzende  der EKD soeben zurückgetreten.  Laut Zeit will es Bildsuprise surprise – als erste erfahren haben:

Margot Käßmann gibt ihr Amt als Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland ab. Sie will offenbar noch heute zurücktreten. Das berichtet «Bild»-online aus der Umgebung von Käßmann. «Ich ziehe damit meine Konsequenzen aus der Promille-Fahrt am vergangenen Wochenende», wird die Bischöfin zitiert. Die 51- Jährige war am Samstagabend mit 1,54 Promille am Steuer ihres Dienstwagens gestoppt worden. Sie hatte zuvor eine rote Ampel missachtet. Käßmann erwartet deswegen ein Strafverfahren.

Noch habe ich auf den Schrecken keinen Tropfen zu mir genommen, und doch mache ich mir bereits darüber Gedanken, um welche Aspekte das Tätigkeitsprofil des Nachfolgers bzw. der Nachfolgerin Käßmanns erweitert werden sollte. Über eine Fähigkeit muss diese Person ohne Zweifel verfügen: Nicht einmal den Anschein erheben, als würde er oder sie die Grenzen des hierzulande zulässigen Diskurses – etwa zur Frage: „Was machen diese netten Zivis in Uniform, genannt Bundeswehrsoldaten, eigentlich in diesem Afghanistan?“ – ausweiten, geschweige denn: sprengen, zu wollen. Immer schön nach den Regeln spielen und Sonntagsreden wieder ihrem ursprünglichen Zwecke zuführen. Ansonsten heißt es Konvertieren und sein Glück bei Pax Christi versuchen.

Das Schlimmste dabei ist aber die Tatsache, dass eine sich noch gar nicht wirklich formierte breite Bewegung „gegen den Krieg in Afghanistan“ nun eine erste, äh… Märtyrerin gefunden haben könnte. Zum Zeugnis ablegen fühlte sich Käßmann ja schon seit längerem berufen, sei es bei Beckmann oder Plasberg. Schon bald wird am Mythos von der streitbaren Theologin gestrickt werden, der ihre Lebensfreude von den Organen der sog. „Konservativen“ hierzulande kampagnenartig um die Ohren geschlagen worden ist – und das nur, weil sie mutig Kritik geübt habe am Kriegshandwerk der Bundeswehr in Afghanistan. Im Freitag geht es schon los:

Käßmanns rigorose Ablehnung des Einsatzes deutscher Soldaten in Afghanistan sorgte für politischen Zwist und verschaffte ihr das Image der gnadenlosen Hardlinerin in Sachen Ethik und Moral, die sich einen Dreck um das diplomatisch Notwendige oder politisch Machbare schert. Was mir stets imponierte.

Der Ehrenplatz neben Heiner Geissler, Uta Ranke-Heinemann und H.E. Richter auf der nächsten von Gewerkschaften, Kirchen und der Friedensbewegung veranstalteten Demo dürfte Käßmann damit sicher sein.

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