Bundestagsdebatte zu Afghanistan als Spiegel der derzeitigen Debattenkultur

Nun, dass es in breiten Teilen der Linksfraktion Erfahrungswerte beim Vorbereiten und Durchführen von nicht wirklich spontanen öffentlichen Politaktionen gibt, ist nichts wirklich Neues. Viel interessanter fand ich, was sich im Zusammenhang mit der kleinen Protestaktion im Bundestag in der Grünen-Fraktion abspielte:

Es war der Grünenpolitiker Christian Ströbele, der dann aufsprang und seiner Fraktionschefin die Show nachträglich stahl – und Partei für die Linke ergriff. „Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht“, setzte er an, „aber ich fühle mich hier und heute und jetzt mehr und mehr unwohl.“ Die Linksfraktion habe nicht randaliert. „Was denken die Afghanen, wenn sie hören, dass Abgeordnete aus dem Saal geworfen werden, weil sie Schilder mit Namen der Opfer eines von Deutschen befohlenen Angriffs hochhalten?“, fragte Ströbele rhetorisch. Eine weitere Debatte halte er für „unwürdig“.

Künast war die Wut über Ströbeles Parteinahme deutlich anzusehen. Später vor dem Plenarsaal kündigte sie ihm vor Journalisten Ärger an: „Das wird eine Debatte geben“, schnaubte sie. Ströbele verwies darauf, dass auch die Grünen früher mit „begrenzten Regelverletzungen“ gearbeitet hätten. „So was könnten wir mal wieder machen“, ergänzte er scherzhaft.

Worüber regte sich Künast so auf? Dass ihre Partei von der eigenen Vergangenheit überholt oder dass ebendies von einem Mitglied ihrer eigenen Fraktion erkannt und entsprechend artikuliert worden war?

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