Normalität im Opferdiskurs?

Klemens Ludwig mag sich nicht abfinden mit der Darstellung von Muslimen als Opfer. Und so fragt er:

Doch wem nützt es, den Islam als ewiges Opfer zu zeichnen? Einem aufgeklärten, emanzipierten Islam, der gleichberechtigter Teil der europäischen Gesellschaften ist, sicher nicht. Wer sich als Opfer fühlt und von anderen in dieser Rolle bestätigt wird, hat wenig Anlass, sich über die eigene Verantwortung für sein Schicksal Gedanken zu machen. Opfer zu sein ist bequem und erhöht den Betreffenden moralisch – jedenfalls solange sich das Leiden in Grenzen hält.

Ohne mich nun als Muslimversteher verstehen zu wollen, schwillt mir doch eine Gegenfrage im Gebeiß: Wem nützt es, wenn der Islam nicht als Opfer – egal ob ewig oder temporär – gezeichnet wird? Kann mich jedenfalls nicht erinnern, in den anerkannten Organen der veröffentlichten Meinung jemals eine Kritik der Darstellung von Tibetanern als Opfer gefunden zu haben. Von Israelis ganz zu schweigen! Aber das ist das Problem mit der Solidarität. Immer diese Angst, nicht genügend Beachtung zu finden. Ich wage schon gar nicht mehr, von einer Welt ohne Opfer zu träumen. Dann wären Leute wie Ludwig ja arbeitslos!

Ein Gedanke zu “Normalität im Opferdiskurs?

  1. In der Tat kann man veritables Eigeninteresse vermuten einen möglichst schillernden Schattenmann aufzubauen, in dem man behauptet irgendjemand würde „die Muslime“ als ewige Opfer stilisieren.

    Diese Pose des scheinbaren Aufklärers nehmen ja auch H.M. Broder und verschiedene andere Kommentatoren aus der rechten Ecke gerne ein, wenn der Schattenmann „Gutmensch“ o.a. mal wieder durchs Dorf getrieben werden soll.

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