„Es ist klar, dass der Hausherr verrückt geworden ist“

Für manche ist Avigdor Liebermann der coolste Typ seitdem es Zionisten gibt. Wieder andere freuen sich, weil es mit so einem Außenminister ein Kinderspiel ist, Israel als evil empire darzustellen.

Hagalil, das jüdische Portal im deutschsprachigen Web, habe ich bisher immer verstanden als ein Sammelbecken verschiedenster Standpunkte zu Judentum, Israel-Palästina und Shoa – alles unter liberal-zionistischer Schirmherrschaft. Kein Wunder also, dass man bei Hagalil eher die als Nachrichten getarnten Israel-Bekenntnistexte eines Ulrich W. Sahm zu lesen bekommt als Moshe Zucker- oder Zimmermann. Lieber werden Verhinderer Finkelsteins veröffentlicht als die Finkelsteins, Langers und Chomskys. Lieber publiziert man die Ergüsse likudistisch-angehauchter Antisemitenjäger als dass man auf die Tatsache zu sprechen kommt, dass es sich bei diesen Leuten nicht selten selbst um Antisemiten handelt, die es lieben, ihr Gutsein bzw. Deutschsein damit zu belegen, dass jüdische Kritiker des Staates Israel im wahrsten Sinne des Wortes vor ihnen virtuell stramm stehen müssen.

Häufig findet man bei Hagalil ins Deutsche übersetzte Artikel aus israelischen Tageszeitungen. Jüngst fand sich bei Hagalil der Text der israelischen Journalistin Yael Gvirtz, von der ich nicht weiß, ob sie nicht mit dem israelischen Friedensaktivisten und Zionismuskritiker Amos Gvirtz verwandt ist. Dieser Artikel behandelt das Tollhaus, in welches sich das israelische Außenministerium unter seinen Hausherrn Liebermann und Ayalons verwandelt habe:

Es ist klar, dass der Hausherr verrückt geworden ist und dass der Vizeminister das (so schon angeschlagene) Image Israels weltweit, noch viel tiefer in den Abgrund manövrieren wird. Nach einem Jahr im Amt ist klar, dass es sich hier um einen riesigen Besetzungsfehler handelt, der aus der israelischen Außenpolitik eine verrückte Parodie ihrer selbst macht.

Es ist klar, dass sowohl das Image, als auch die Außenbeziehungen eines ganzen Staates in den Händen eines Pyromanen gelandet sind. Als bei der Ernennung von Liebermann und Ayalon viele missbilligend die Augenbrauen hochzogen, zwinkerte Netanjahu, die Ernennungen sei eigentlich bedeutungslos, da er doch höchstpersönlich die Außenpolitik in die Hände nehmen würde. Aber im Gegensatz zu Rabin und Sharon hat Netanjahu bisher keinen politischen Plan vorgestellt, kann also nicht so tun, als habe er die Außenpolitik tatsächlich zur Chefsache gemacht.

Wir sind auf dem Boden der Tatsachen gelandet und es ist an der Zeit sich dies einzugestehen und zu handeln. Netanjahu muss diesen Dorn aus dem Außenministrium zu entfernen. Es wäre der erste Schritt zur Schadensbegrenzung und zum Wiederaufbau.

Und da frage noch jemand, warum auf der Ebene ihrer Außenminister Deutschland und Israel momentan so famos auf ein und derselben Wellenlänge funken.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s