Bradley Burston über eliminatorische Solidarität

Ha’aretz-Kolumnist Bradley Burston, der in den USA aufwuchs, bevor er Aliyah gen Israel machte, über die Wahrnehmung der Lage in Israel-Palästina in Amerika:

Let’s face it. Viewed from North America, the Israeli-Palestinian conflict is a dismal read.

Seen in full context, the confrontation is suffocatingly complex. As literature, it is paralytic, sullenly wordy. The plot, for all its spasms and blood, goes nowhere. As drama, the Israel-Palestine morass is the geopolitical equivalent of James Cameron’s 1997 film „Titanic“: interminable, exorbitant, unwieldy, dumb without just cause. Titanic-like, it tempts the observer to bail out in mid-course, seething under the breath „Sink, already! Just #*%&-ing sink!“

Es wird deutlich, dass Burston Verfechter der Zwei-Staaten-Lösung ist. Befürworter einer Ein-Staaten-Lösung – zumindest gewisse Befürworter – bekommen verbal Prügel:

These are the evangelists of the zero-sum. They are the activists for the One State Solution, that is, One State for My Side Alone. They are the misers of spirit who believe that this land cannot be big enough for the both of us.

Ich bin mir an dieser Stelle nicht völlig sicher, ob Burston auch jene „Einstaatler“ mit in sein Gebet aufnehmen würde, die – wie z.B. Ali Abunimah auf die Notwendigkeit von Gleichberechtigung zwischen Juden und Palästinensern im de facto bereits existierenden einen Staat hinweisen, aber die folgende Passage halte ich doch für bedeutsam, nicht so sehr aufgrund der erwähnten Akteure, sondern aufgrund der Art und Weise, wie Burston ihre Sichtweisen porträtiert:

They are the Jews for whom compromise is spelled Auschwitz, for whom pro-Israel is the same as anti-Palestinian, for whom pro-Israel also means there is no Palestine, there never was, nor will there be. For this brand of pro-Israeli, there are no Palestinians, and these Palestinians – who do not, in fact, exist, and who all came from somewhere else – lack all claims to morality, compassion, and historical legitimacy.

They are, as well, the Palestinians for whom accommodation is spelled collaboration, for whom pro-Palestinian also means There is no Israel, there never was, nor will there be. For this brand of pro-Palestinian , the Jews of today are not real Jews, descended from people who were once here, and these Jews – who are not, in fact, Jews, and who in any case all came from somewhere else – lack all claims to morality, compassion, and historical legitimacy.

Kommt mir sehr bekannt vor. Die Frage nach einer – wie bzw. mit wem  auch immer praktizierten – „richtigen“ Nahost-Solidarität stellt ja auch und gerade hierzulande organisierte Menschenansammlungen vor  so manche Zerreissprobe. Die Zugehörigkeit zum je richtigen Lager erscheint oftmals von erheblich entscheidenderer Bedeutung zu sein als die Wirklichkeit als solche vor Ort, d.h. in Israel-Palästina. Und so bilden sich Solidaritäts- bzw.  Fanblöcke, die ihre Legitimierung von der Abneigung herleiten, die sie gegenüber den Fans auf der „anderen Seite“ hegen. Dialog und Gespräch sind nicht möglich. Allenfalls Blog- und andere Kommentare, in denen man bereits genug damit zu tun hat, auch ja die richtigen Vokabeln zu verwenden. Was aber ist von einer Solidarität zu halten, die eliminatorisch ausgelegt wird?

Nachtrag: In Sachen „richtiges Vokabular“ fühle ich mich soeben bestätigt durch Plastikstuhls Einlassungen zur Frage der Haltung der pro-israelischen Linken hierzulande in Bezug auf „Gegossenes Blei“. Wo von „Notwendigkeiten von Verteidigungsmaßnahmen“  – auf israelischer Seite –  geredet wird, offenbart sich in beängstigender Art und Weise ein Totalitarismus schier Orwellschen Ausmaßes.

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