„Deine Besessenheit vom Thema Antisemitismus hat etwas pathologisch anmutendes“

Von sowas träume ich ja hier: In einem der unzähligen Freitag-Blogs benutzt ein besonders mit etwaigen Lehren aus „unserer“ Geschichte befasster „israelsolidarischer“  Blogger wertvollen Blog-Space, um alle Israel-Kritiker des Antisemitismus‘ zu zeihen und eine direkte Linie vom historischen Judenhass über Stalin und Slansky bis hin zur aktuellen Debatte um „linken Antisemitismus“ zu ziehen. Der Staat Israel wird  – suprise surprise – als „‚Sündenbock'“ -bewusst in Anführungszeichen –  bezeichnet, und insgesamt hat man das Gefühl, da hat jemand seinen Tilman Tarach mit viel Begeisterung gelesen. Doch jetzt kommt’s: In bis dato 170 Kommentaren ist man daraufhin damit befasst, dem entsprechenden User die Gesprächsbereitschaft abzusprechen bzw. aufzukündigen.

Dabei finden sich dann natürlich auch so unappetitliche Aussagen wie die in eine mehr oder weniger rhetorisch formulierte Frage gekleidete Leugnung der Erwählung des Gottesvolkes Israel („Was soll man denn von einem angeblich auserwaehlten Volk halten, dass einen angeblichen 3000 Jahre alten Anspruch durchsetzen will?“) – Israel = Israel? Das Ende vom Lied: Viel Text, wenig Substanz und noch weniger Diskussion. Das ganze Szenario trägt wahnhafte Züge, verliert es sich doch im tiefen dunklen Wald finsterster Anschuldigungen und Unterstellungen und bewegt sich sprachlich auf der Ebene von religiösen Bekenntnistexten. Und wo die Ebene der im Freitag doch ach so hochgehaltenen Rationalität verlassen wird, dürfen auch Themen wie Terrorismus, Israels Erwähltheit oder auch die Frage, ob es antisemitisch sei, im Kontext der Shoa Gaskammern zu leugnen, mit allergrößter Unbefangenheit ausdiskutiert werden. Allein die Thematisierung besagter Punkte sagt mehr aus über eine sogenannte Nahost-Debatte als alles Andere. Abgesehen davon, dass der eingangs erwähnte Pro-Israel-Blogger von allen Seiten gedisst wird, hat er leichtes Spiel: Jedes Horrorbild wäre geschockt, würde es mit verglichen werden mit der Kommentarleiste unterhalb des Beitrags! Als Ergebnis kann festgehalten werden: Der Autor des Beitrags „Slánský, Stalin und der linke Antisemitismus“ darf mit dem Gesamtergebnis zufrieden sein.

Wer sich über die die historischen Verflechtungen von Antisemitismus und Arbeiterbewegung/Sozialismus ein Bild machen möchte, ohne das Gefühl haben zu müssen, seine Seele dem Unfug zu verkaufen, sei verwiesen auf Peter Ullrichs Begrenzter Universalismus. Sozialismus, Kommunismus, Arbeiter(innen)bewegung und ihr schwieriges Verhältnis zu Judentum und Nahostkonflikt (Berlin 2007) verwiesen. Und schon jetzt ein Klassiker: Die Linke, Israel und Palästina. Nahostdiskurse in Großbritannien und Deutschland (Berlin 2008) von demselben Autor. Das sollte für’s erste reichen.

2 Gedanken zu “„Deine Besessenheit vom Thema Antisemitismus hat etwas pathologisch anmutendes“

  1. Ich mache mir Sorgen um den Pro Israel-Blogger Fidelche: Wenn er alle Juden die Israel kritisieren als Antisemiten beschimpft, dann gibt es bald keine Juden mehr. Damit wird auch der Antisemitismus sinnlos. Übrigens kann Fidelche heute seine Liste der Antisemiten (Chomsky etc) erweitern: um den Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon und den US-Aussenminister Joe Biden. Beide haben die Siedlungspolitik der israelis, speziell die in Ostjerusalem, scharf verurteilt.

    Gefällt mir

    1. Oh ja, Joe Biden: Der ist zu Besuch in Israel-Palästina und ist – seine antisemitische Haltung klar zum Ausdruck bringend – als Protest gegen die Entscheidung der israelischen Regierung, in Ostjerusalem noch mehr Wohnungseinheiten zu bauen, –
      zu spät zum Abendessen mit Bibi Netanyahu erschienen…

      Gefällt mir

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s