Der Protest gegen Unrecht und Gewalt scheint zu „celebrity activism“ verkommen zu sein.

Wiederholt habe ich in diesem Blog die Auffassung zu Protokoll gegeben, dass der hierzulande gesellschaftlich anerkannte, weil für notwendig befundene, Kampf gegen Antisemitismus und Rassismus ziemlich auf den Hund gekommen ist. Wer sich öffentlich diesem Kampf verschreibt, muss sich gefallen lassen, dass seine bzw. ihre Motive hinterfragt werden. Hinter hehren Absichten steckt – siehe Iris Berben bzw. all die Promis, die an Benefizgalas teilnehmen, sowie Broder etc. – oft nichts Anderes als ein cleveres Marketing-Konzept. Hinter dem Bekenntnis zu Demokratie und Zivilcourage verbirgt sich oft nichts Anderes als der Versuch, den Diskurs zu bestimmen oder einzugrenzen, z.B. durch die Diffamierung Andersdenkender, so dass Antirassisten und Friedensbewegte zu Antisemiten und alle Israelsympathisaten, nicht bloß die (anti)deutsche Betonfraktion, mit dem Stigma „Zionist = Rassist“ versehen werden. Letzten Endes mag es  mit der conditio humana zu tun haben, theologisch gesprochen: mit der Unerlöstheit des Menschen, zusammenhängen, dass selbst die edelsten unter den Edlen doch nur an sich selbst und ihren Verbleib im Paradies denken. Unrecht, das an anderen Menschen verübt wird, anzuerkennen und angemessen zu würdigen – dazu scheinen wir unfähig zu sein, und bitte: Fragt mich nicht, wer „wir“ schon wieder sein sollen.

Der Kampf gegen das Unrecht als PR- Trick, die Rolle als mahnende Stimme der Vernunft und des Mutes  – im Mainstream gegen den Strom, damit es der Mainstream einem vergelte. Dieses Konzept ist nun endgültig in die Krise geraten, weiss Jörg Augsburg zu berichten. Stichwort „celebrity activism“:

Das Prinzip des „celebrity activism“ , so heißt das wie immer treffend im Englischen, ist einfach. Ein Star nutzt seine Popularität, um einerseits Medien und damit ein potenziell großes Publikum auf ein möglichst relevantes Problem aufmerksam zu machen und andererseits, um „Entscheider“ der Politik direkt zu kontaktieren. Denn der Zugang zu den Mächtigen scheint über Berühmtheit einfacher herstellbar zu sein, als der übliche nichtparlamentarische Weg jahrelanger seitens der offiziellen Politik meist mit Ignoranz bedachter Arbeit in Basisgruppen. Da erscheint es natürlich praktisch, den mühsamen „Dienstweg“ zu überspringen. Was nur leider nichts ändert am prinzipiellen System dieser Weltordnung – und niemandem mehr nützt als den Politikern selbst.

Noam Chomsky hatte recht: Den Mächtigen ins Gewissen zu reden, ist wie Eulen nach Athen tragen. Letzten Endes schmücken die Großen sich doch nur mit den Propheten. Am Ende der Entwicklungskette: „celebrity activism“…

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