Elvis Costello und n-tv’s „israelische Sicherheitspolitik“

Keine Ahnung, was für Toastbrote in der Onlineredaktion von n-tv vor die Rechner gelassen werden. Elvis Costellos Absage von zwei Konzerten in Israel wird mit einer ziemlich bizarren Begründung ausgestattet, die Bände spricht über den geistigen Zustand von Teilen der hierzulande als respektabel angesehenen Journaille:

Zur Begründung verwies er auf die israelische Sicherheitspolitik, die auch vor „Einschüchterung“ und „Demütigung“ der palästinensischen Zivilbevölkerung nicht halt mache.

Ach, ich frage lieber nicht, wessen Sicherheit Israels Politk nun wirklich dienen soll…  und was in den Hirnen besagter n-tv-Knechte wohl los ist, wenn das Wort „Sicherheitspolitik“ ersetzt würde durch „Siedlungspolitik“… Aber das sind Marginalien, und letztlich geht es ja ohnehin nichts Anderes als darum, dass „wir“ uns schadlos halten.

Costellos eigene Erklärung zirkuliert bereits seit Tagen im Internet. In Anbetracht der Tatsache, dass nach Carlos Santana ein weiterer Künstler der Promi-Klasse A sein Auftreten in Israel absagt, wird in Blogs wie Mondoweiss oder Jews sans Frontieres einmal mehr der Aufgang einer neuen Sonne über Israel-Palästina verkündet. Man wird sehen. Einmal mehr überzeugt der israelische Journalist Noam Sherzav mit seiner Einschätzung, Costellos Absage könne dazu beitragen, Israelis aus ihrer mithin auch selbst gewählten Unmündigkeit zu befreien:

Furthermore, Costello’s decision has been the talk of the day for many people  – I also had a ticket for his Tel Aviv gig – and even when people hated him, they had to think about the political issues and about their consequences, and especially on where they stand. Just like after Gil Scott-Heron had decided not to come here, in the past couple of days I saw friends who never discuss politics going into long debates on Facebook because of Costello. For a country that is in a constant state of denial regarding the occupation, this is no small thing.

Wo Sherzav, obwohl fraglich sein dürfte, ob er jemals das Geld, das er für seine Costello-Konzertkarte hat berappen müssen, erstattet bekommen wird, sich als großzügiger, weil nüchtern argumentierender Menschenfreund erweist, kann man dies von Israels Kulturministerin allem Anschein nach nicht gerade behaupten:

Israels Kulturministerin Limor Liwnat reagierte mit Unverständnis auf die Absage Costellos. „Ein Künstler, der seine israelischen Fans boykottiert, ist es nicht wert, vor ihnen aufzutreten“, erklärte Liwnat.

Hatte auch sie ein Costello-Ticket? Beziehungsweise: Hat sie das auch wirklich gesagt? Oder hat n-tv da wieder was verwechselt?

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