Gaza-Solidaritätsflotte: „‘Controversial’, by the way, basically means ‘fuck you’.“

Robert Fisk, einer der erfahrensten und renommiertesten Nahost-Berichterstatter, ordnet im Independent Versuche seitens der israelischen Regierung bzw. der IDF bzw. deren Fürsprecher und Fans, die Geschehnisse um die Solidaritätsflotte vor der Küste von Gaza am frühen Montagmorgen propagandistisch zu deuten – diese Friedensaktivisten und Helfer sollen nichts Anderes als samt und sonders  Israelhasser und Islamisten gewesen sein -, sowie das Schweigen westlicher Regierungen und Journalisten ein in eine ganze Geschichte von Komplizenschaft und Feigheit. Bei den schlimmsten Ereignissen – Sabra und Shatila (1982) und Qana (1996) war Fisk als Reporter vor Ort. Die

I wasn’t personally at all surprised at the killings on the Turkish ship. In Lebanon, I’ve seen this indisciplined rabble of an army – as „elite“ as the average rabble of Arab armies – shooting at civilians. I saw them watching the Sabra and Shatila massacre of Palestinians on the morning of 18 September (the last day of the slaughter) by their vicious Lebanese militia allies. I was present at the Qana massacre by Israeli gunners in 1996 – „Arabushim“ (the equivalent of the abusive term „Ayrab“ in English), one of the gunners called the 106 dead civilians, more than half of them children, in the Israeli press. Then the Israeli government of Nobel laureate Shimon Peres said there were terrorists among the dead civilians – totally untrue, but who cares? – and then came the second Qana massacre in 2006 and then the 2008-09 Gaza slaughter of 1,300 Palestinians, most of them children, and then…

Well, then came the Goldstone report, which found that Israeli troops (as well as Hamas) committed war crimes in Gaza, but this was condemned as anti-Semitic – poor old honourable Goldstone, himself a prominent Jewish jurist from South Africa, slandered as „an evil man“ by the raving Al Dershowitz of Harvard – and was called „controversial“ by the brave Obama administration. „Controversial“, by the way, basically means „fuck you“.

There’s doubts about it, you see. It’s dodgy stuff.

But back to our chronology. Then we had the Mossad murder of a Hamas official in Dubai with the Israelis using at least 19 forged passports from Britain and other countries. And the pathetic response of our then foreign secretary, David Miliband? He called it „an incident“ – not the murder of the guy in Dubai, mind you, just the forgery of UK passports, a highly „controversial“ matter – and then… Well, now we’ve had the shooting down of nine passengers at sea by more Israeli heroes.

[Fettdruck von mir]

Zeitlich und kontextuell nicht unpassend, weist Schmok auf den Umstand hin, dass der Korrepondent der Tagesschau, objektiv wie eh und je, beim Kesseltreiben um die Insan Hak ve Hürriyetleri (IHH), jene türkische Organisation, die an der Organisation der Solidaritätsflotte maßgeblich mitbeteiligt war, mitmacht – und sich in wahrlich seriöse Gesellschaft begibt:

Es ist auffällig. Überall wird der israelische Vorwurf verbreitet, dass die Insan Hak ve Hürriyetleri (IHH), die islamische Organisation, welche den Schiffskonvoi nach Gaza teilweise mitorganisierte, Verbindungen zu Hamas oder sogar zu Al-Qaida habe. Seriöse Quellen? Die sucht man vergeblich. Selbst die Tagesschau übernimmt, wenn auch kritisch, den Vorwurf der israelischen Seite. Bei Wikipedia werden als Quellen aufgeführt: Ein Artikel des Washington Institute for Near East Policy, ein Artikel aus der Jerusalem Post und ein weiterer aus der Economic Times.  All diese Artikel eint aber, dass sie erst nach dem Vorfall veröffentlicht wurden. Und das, obwohl Verbindungen zur Hamas und Al Qaida bestehen sollen.

Derweil geht die Schlacht in den internationalen Gewässern vor Gaza, die ja auch eine Schlacht ums kalte Solidaritätsbuffet ist, in die nächste Runde. Man gebe „Rachel Corrie“ (hier mehr zur Person Rachel Corrie) bei Google ein – und lese u.a. folgende Ergebnisse:

SpOn berichtet:

Militäraktion im Mittelmeer: Israelische Streitkräfte haben das mit Hilfsgütern beladene Schiff „Rachel Corrie“ auf hoher See abgefangen und zu einer Kursänderung aufgefordert. Doch die Besatzung steuert weiter in Richtung Gaza-Streifen.

Gaza – Der irische Frachter wurde am Samstagmorgen etwa 35 Seemeilen vor der Küste des Gaza-Streifens abgefangen, wie ein Sprecher einer palästinensischen Hilfsorganisation sagte, die das Schiff in Gaza erwartet. Die „Rachel Corrie“ sei von mehreren israelischen Schiffen eingekreist worden, so der Sprecher des palästinensischen Empfangskomitees für die Hilfslieferung, Amdschad al Schawa. „Nach unseren Informationen gab es keine Gewalt und keine Schüsse.“

Die Besatzung des unter irischer Flagge fahrenden Frachters sei dann aufgefordert worden, den israelischen Hafen von Aschdod anzulaufen, teilte ein Armeesprecher am Samstag mit. Dort sollten die rund 1200 Tonnen Hilfsgüter gelöscht werden. Doch die rund 20 pro-palästinensischen Aktivisten widersetzten sich den Anweisungen der Armee und hielten weiter Kurs auf Gaza.

An Bord der „Rachel Corrie“ befinden sich auch die irische Friedensnobelpreisträgerin Mairead Maguire und der ehemalige hohe Uno-Vertreter Denis Halliday. „Wir wollen die Blockade des Gaza-Streifens durchbrechen. Wir haben keine Angst“, so Maguire.

AFP dazu:

Das irische Schiff „Rachel Corrie“ mit Hilfsgütern für den Gazastreifen hat sich der Aufforderung der israelischen Armee widersetzt, abzudrehen und in den südisraelischen Hafen Aschdod zu fahren. „Wir haben den Verantwortlichen des Schiffes mehrfach mitgeteilt, dass sie zum Hafen Aschdod fahren müssen“, sagte eine Armeesprecherin. Der von einer irischen Organisation gecharterte Frachter fahre aber trotz der Blockade des Gazastreifens weiter in Richtung des Palästinensergebietes.

Zunächst hatten mehrere Schiffe der Marine die „Rachel Corrie“ abgefangen. Der Frachter sei am Morgen etwa 35 Seemeilen vor der Küste des Gazastreifens gestoppt worden, hatte der Sprecher des palästinensischen Empfangskomitees für die Hilfslieferung, Amdschad el Schawa, gesagt. Die israelische Armee teilte dann mit, dass sie das irische Schiff nicht erstürmt habe und es einen ersten Kontakt zur Besatzung gebe. Das irische Außenministerium teilte mit, die „Rachel Corrie“ werde nach seinem Kenntnisstand von der israelischen Marine eskortiert, die Soldaten seien aber nicht an Bord des Frachters gegangen.

An Bord der „Rachel Corrie“ waren rund 1000 Tonnen Hilfsgüter sowie 15 Menschen, darunter die irische Friedensnobelpreisträgerin Mairead Maguire und der ehemalige hohe UN-Vertreter Denis Halliday. Am Montag hatten israelische Einheiten eine aus sechs Schiffen bestehende Gaza-Hilfsflotte gewaltsam gestoppt. Die Militäraktion, bei der neun Menschen getötet wurden, hatte international einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Die „Rachel Corrie“ sollte ursprünglich Teil der Hilfsflotte sein.

Focus:

Das irische Schiff „Rachel Corrie“ mit Hilfsgütern für den Gazastreifen widersetzte sich der Aufforderung der israelischen Armee, abzudrehen und in den südisraelischen Hafen Aschdod zu fahren. „Wir haben den Verantwortlichen des Schiffes mehrfach mitgeteilt, dass sie zum Hafen Aschdod fahren müssen“, sagte eine Armeesprecherin am Samstag in Jerusalem. Der von einer irischen Organisation gecharterte Frachter fahre aber trotz der Blockade des Gazastreifens weiter in Richtung des Palästinensergebietes.

Interessant die Reihenfolge, in welcher in den drei beispielhaft aufgeführten Textauszügen Stellungnahme von den Konfliktparteien wiedergegeben werden.  Bei SpOn wird zuerst eine palästinensische Organisation genannt, bei AFP und FOCUS die israelische Armee.

Doch machen wir uns nichts vor: Nicht mehr lange, und auch die gesamte Aktion „Solidaritätsflotte“ wird von allen maßgeblichen Meinungsmedien und Regierungsstellen als controversial eingestuft werden – und „controversial“ heißt, das lernen wir vom großen Fisk, „fuck you“.

Nachtrag (12.06 Uhr): Die dpa schreibt um 11.58 Uhr:

Die israelische Marine hat im Mittelmeer nach mehreren Warnungen ein Hilfsschiff für den Gazastreifen gewaltsam gestoppt. Soldaten übernahmen den unter irischer Flagge fahrenden Frachter «Rachel Corrie». Das bestätigte eine Armeesprecherin in Tel Aviv. Demnach hat es bei der Übernahme keinerlei Gewalt seitens der 20 pro-palästinensischen Aktivisten gegeben. Das Schiff wird nach Angaben der Sprecherin jetzt in den Hafen von Aschdod gezogen. Dort sollen die 1200 Tonnen Hilfsgüter inspiziert werden.

[Fettdruck von mir]

Um 12.02 Uhr bringt SpOn die API-Meldung:

Einsatz mit Einverständnis der Besatzung: Israelische Streitkräfte haben die mit Hilfsgütern für den Gaza-Streifen beladene „Rachel Corrie“ abgefangen und sind an Bord gegangen. Die Aktivisten an Bord des irischen Frachters leisteten keinen Widerstand.

[Fettdruck von SpOn]

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5 Gedanken zu “Gaza-Solidaritätsflotte: „‘Controversial’, by the way, basically means ‘fuck you’.“

      1. Ich denke aber eher, kurzfristig. Auf Dauer sind diese Lügen nicht haltbar – nicht bei über 800 Zeugen. Und diesmal nicht „nur“ Araber, sondern eben von überall. Insofern war die Sache sicher durchdacht, dass man sich versichert hat, ein Gegengewicht zur israelischen Lobby zu bilden.
        Auch die Widerlegung von Blumenthal ist da hilfreich – den kann man ebenfalls schlecht als „arabische Propaganda“ abtun.^^

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