Niemand hat es hierzulande so schwer wie jüdische KritikerInnen Israels

Aber hallo: Die Entsendung eines weiteren Schiffes in Richtung Gaza soll eine Provokation für die israelische Regierung sein. Und ein Zeichen an die Öffentlichkeit. Warum es von großer Bedeutung ist, dass dieses Schiff in aller Ausdrücklichkeit von jüdischen Gruppierungen maßgeblich organisiert und besetzt wird, macht ein Auszug aus dem Deutschlandfunkinterview, dass Tobias Armbrüster mit Edith Lutz von der Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost gestern morgen führte:

Armbrüster: Frau Lutz, ich muss das noch mal fragen. Was würden Sie denn sagen, wenn diese Lieferung gestoppt wird und wenn sozusagen anschließend die internationalen Schlagzeilen lauten, die israelische Marine stoppt europäische Juden im Mittelmeer und zwingt sie zur Umkehr? Würde das nicht ein sehr negatives Bild auf Israel werfen?

Lutz: Das hat Israel in den Händen, das zu vermeiden.

Nicht nur Israel, auch die hiesige Öffentlichkeit, besonders wenn es sich dabei um meinungsmachende Leitorgane handelt, haben ein bißchen Provokation bitter nötig! Lutz gibt die einzig richtige Antwort auf eine ziemlich seltsame Frage. Armbrüster, so hat es für mich den Anschein, scheint von der unausgesprochenen Voraussetzung auszugehen, dass der Staat Israel gleichzusetzen sei mit Juden/Jüdinnen /Judentum. Wie nennt man das noch –  Zionisierung? Ich glaube, ja…

Dass Zionisierung übrigens nicht nur dort geschieht, wo man es sich friedlich und pfleglich angewöhnt hat, das Geschehen im Nahen Osten durch die israelische Brille zu betrachten, sondern auch in besonders dunklen Ecken der sog. „deutschen Palästinasolidarität“, zeigt die Aussage einer entsprechend eingestellten Teilnehmerin an der Tagung „Partner für den Frieden?“  in Bad Boll:

„Die israelische Seite ist immer die Opferseite und fühlt sich wegen des Holocausts unangreifbar.“

Edith Lutz wird außerdem der Zumutung ausgesetzt, für jene, die sie und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter möglicherweise gewaltsam am Erreichen der Küste von Gaza zu hindern, mitzudenken – und sich um deren guten Leumund Sorgen zu machen. Letzten Endes wirkt es fast so, als sollen die ach so berühmten israelischen „Sicherheitskräfte“ schon vorab von jeglicher Verantwortung für eine etwaige Eskalation, die hoffentlich ausbleibt, freigesprochen werden.

Niemand hat es hierzulande bzw. im hiesigen Nahost-„Diskurs“ so schwer wie jüdische Kritikerinnen und Kritiker israelischer Politik.

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