„Israel, nimm dich in acht! Wenn Du es bis hierher geschafft hast, bist Du vom Weg abgekommen.“

Bei der Berichterstattung scheint SpOn in letzter Zeit immer öfter nach dem Schema vorzugehen, zuerst Empörung über Israel zu vermelden bzw. zu schüren, um nur einen Tag später besagte Aufwallungen zur Disposition stellen zu lassen. Wird Israel an einem Tag einer weltweiden Woge der Empörung ausgesetzt, erklären Leute wie Broder oder Schult tags darauf, dass Israel total super sei und Israelkritiker ja ohnehin nichts Anderes als nützliche Idioten von Hamas, Ahmadinejad etc. Ich bin mir sicher, beim Spiegel ist man ganz stolz auf diese Praxis und rühmt sich ob seine Objektivität, Äquidistanz o.ä.

So in etwa ist das Prozedere bei der neusten deutsch-israelischen Gefühlsaufwallung („Niebel“) vonstatten gegangen. Wo zuvor noch Angela Merkel, die, wenn es um Israel bzw. die USA (oder beide) geht, alte realsozialistische Treuebekundungsreflexe offenbart, die Ahnung eines Hauches von Kritik an Israel zu richten sich kaum, aber dann doch, zu getrauen scheint, schäumt nur wenig später der Zentralrat der Juden in Deutschland.

Und in der Tat: Wenn Dirk Niebel, langjähriger Israel-Fan und einstiger Hobby-Kibbutznik, an der Uhr dreht, herrscht Verwirrtheit. Was meint er nur damit:

„Es ist für Israel fünf Minuten vor zwölf“, sagte er. Israel sollte jetzt jede Chance nutzen, „um die Uhr noch anzuhalten“.

Stefan J. Krämer, Generalsekretär im Zentralrat, dem seine wohltuend kritischen Worte an die Adresse von sog. Islamkritikern vor einem Jahr  im Zusammenhang mit dem Mord an Merwa el-Sherbini im eigenen Fanlager wohl doch recht viel Unbill beschert zu haben scheinen, stürzt sich förmlich in seine Rolle als Zynismus-Beauftragter und nennt Niebels Äußerung „extrem zynisch“. Und er hat ja recht, der Kramer:

„Von einem Freund Israels hätten wir uns eine sensiblere Umgangsform erwartet.“

Vielleicht liegt ja auch nur eine Verwechslung vor: Man ist geneigt, zu erwarten, was einzutreten man gewohnt ist. Mit anderen Worten: Die Bundesregierung hat sich nicht erst unter Angela Merkel so sehr als Verbündete sämtlicher, egal welcher, Interessen der israelischen Regierung dargestellt, dass man als Freund und Verfechter Israels ein Verhalten wie das von Niebel kaum kennt. Bisher war noch jede Schandtat Israels hiesigen Politikern Anlass genug, sich als guter Deutscher zu gebärden. Palästinenser? Pech gehabt. Auch Gaza war den Herrschenden in Bild, Glotze und Parlament – abgesehen von einigen Querköpfen von der LINKEN, aber um die kümmert sich bestimmt der BAK Shalom – keine Träne wert.

Dazu Lutz Herden:

Die deutsche Nahostpolitik hatte bisher so gut wie nichts daran auszusetzen, dass der Gaza-Streifen durch einen israelischen Pressverband zur Isolierstation für anderthalb Millionen Menschen verkam. Unter Bruch demokratischer Normen wurde die Legitimität einer von Hamas gebildeten Regierung nicht anerkannt. Und das, obwohl diese Partei bei den Wahlen von Anfang 2006 mit einem Stimmenanteil von mehr als 60 Prozent im Gaza-Streifen und in der Westbank alles andere als einen knappen Sieg über die Fatah feierte. Was regnet es sonst Ermahnungen aus Berlin an die Adressen Moskaus oder Pekings bitteschön der Demokratie den Respekt zu zollen, den sie verdient.

In der EU gehörte Merkel stattdessen zu den Wortführern, die nach dem Januar 2006 ein Gaza-Embargo durchsetzten, das ganz im Sinne Israels ausfiel. Es ist nur gut, dass ein randständiger Minister des Kabinetts Merkel dieses Jonglieren mit doppelten Standards offenbart, indem er sich als Opfer israelischer Reglementierung inszeniert.

Nun aber ist ein hochrangiger deutscher Politiker zum Opfer geworden: Juden behindern Deutsche – das geht nun wirklich nicht.

Und schon vergreift man (Niebel) sich im Ton. Was meint er mit „5 vor 12“?Ohne mir anmaßen zu wollen, im Kopf eines Niebels auch nur kurz Mäuschen spielen zu wollen, vielleicht trägt dieses Bild zur Aufklarung bei:

Ins Deutsche übersetzt, steht auf dem Schild geschrieben: „Israel, nimm dich in acht! Wenn Du es bis hierher geschafft hast, bist Du vom Weg abgekommen.“

Aufgenommen wurde das Bild kürzlich an der Straße 443, auf der palästinensische Verkehrsteilnehmer nichts verloren haben, unweit der palästinensischen Ortschaft Hirbet al-Masbah.

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3 Gedanken zu “„Israel, nimm dich in acht! Wenn Du es bis hierher geschafft hast, bist Du vom Weg abgekommen.“

  1. Allen meinen Hebräischkenntnissen zufolge steht dort nicht „Israel“ nimm dich in acht, sondern

    „Israeli“, (pass auf, wenn du hier ankommst, irrst du.),

    was ja schon ein Unterschied ist. Die Warnung an Israelis, nicht in die Palästinensergebiete zu gehen, ist vermutlich nicht ganz unberechtigt!

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  2. Zum einen gibt es eine Anweisung an Israelis, die Palästinensergebiete zu meiden – um unter anderem Geiselnahmen zu verhindern. Zum anderen ist es nicht selten zu Übergriffen der arabischen Bewohner auf Israelis gekommen, die für die Israelis meistens tödlich ausgingen.
    So meine ich das!
    Mein Sohn, der vor der 2. Intifada als Volontär in einer sozialen Einrichtung in Israel gearbeitet hat, konnte noch unbehelligt mit israelischen Freunden nach Jericho fahren, nach Ausbruch der Intifada war ihm das nicht mehr möglich – zu gefährlich – und auch jetzt ist es nicht ohne Risiko möglich – und es liegt nicht an den israelischen Behörden, die eine Fahrt nach Jericho zum Risiko machen, so meine ich das!

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