Leben wie Gott in Khan Yunis

Ja, es gibt sie wirklich, jene Beobachtenden dessen, was gern und oft Nahostkonflikt genannt wird, und die meinen, mit Israel dergestalt solidarisch sein zu müssen bzw. zu können, indem sie reale Mißstände herunterspielen. Eine beliebte Methode besteht darin, die Kritikwürdigkeit etwa der israelischen Blockadepolitik zu relativieren, indem man darauf hinweist, dass dort immerhin kein Hunger herrsche und umgekehrt der Bevölkerung des Gazastreifens Vorhaltungen zu machen, diese lasse es zu, dass Hamas immer mehr an Einfluss gewinne und Millionäre im Gazastreifen ein Leben wie Gott in Khan Yunis zu führen. Also: Hauptsache kein Hunger! Irgendein bornierter Freund Palästinas wird sich schon finden, der dem widersprechen wird. Und diesem Unglücksraben kann man dann hübsch Antisemitismus und Relativierung der Shoa vorwerfen, denn: Der Vergleich mit den Ghettos von einst bräuchte gar nicht mehr gezogen werden. Und wenn dieser Trottel dann auch noch Äußerungen machte wie: „Auch wir als Deutsche müssen das Recht haben, Israel zu kritisieren…“ – aber lassen wir das. Genug davon!

Hungersnot hin oder her, Harriet Sherwood beschreibt das Siechtum der Menschen von Gaza als Leben „unter Verschluss“:

Die Folgen eines Lebens unter Verschluss sind ohnehin nicht nur materieller Art, auch psychologisch fühlen sich die Einwohner isoliert. „Wir befinden uns mental in einem Belagerungszustand – wir sind vom Rest der Welt abgeschnitten“, meint der Ökonom Omar Shaban. Experten und Hilfsorganisationen widersprechen der israelischen Einschätzung, dass im Gaza-Streifen keine humanitäre Krise mehr bestehe. Im Gegenteil. „Die Leute stellen sich Gaza gern wie Dafur vor“, erklärt Shaban. „Doch das ist etwas ganz anderes. Es geht hier nicht um die Angst vor dem Hungertod, aber die Anzahl derer, die sich viele Nahrungsmittel nicht mehr leisten können, nimmt zu. So sieht eine humanitäre Krise aus.“

Die Blockade Gazas ist ja offiziell von Seiten der israelischen Regierung gelockert worden. Leider merken die Bewohner des Streifens davon soviel nicht. Was mich wiederum zu meiner Grundthese führt: Die Gaza-Blockade muss nicht gelockert werden. Sie soll aufhören! Es gab mal Zeiten, als Israelsolidarität durchaus bedeuten konnte, sich einer solchen Forderung anzuschließen.

2 Gedanken zu “Leben wie Gott in Khan Yunis

    1. Abermals danke für Ihre lieben Worte. Was „diese Zinnsoldaten“ anbetrifft: Spätestens wenn ihnen bewusst wird, dass die Zukunft des Staates Israels davon abhängt, sich im Nahen Osten zu – und ich benutze jetzt mal ein ganz fieses Wort- integtrieren, wenn auch sie nicht mehr wissen, was Israel mit Gebieten anfangen soll, auf die es ein vermeintliches „göttliches Recht“ zu haben glaubt, und wenn auch ihnen ein Rätsel ist, was mit all den Menschen zu tun sei, die weder jüdisch sind, noch willens, sich für nichts und wieder nichts der ihnen angetanen Gewalt zu fügen, spätestens dann wird Ihr und mein Blog überflüssig sein.

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