Ein Beduinendorf als Charakterfrage

Demokratie heisst demokratische Mehrheiten schaffen – oder sind es doch eher demographische? Warum man heutzutage mit den Termini durcheinander kommen kann, ohne sich dafür schämen zu müssen, beweist dieser Tage einmal mehr des Nahen und Mittleren Ostens einzig von westlicher Seite als solche respektierte Demographie, nein, Demokratie – Israel. Dem unermüdlichen Schmok verdanken wir die Nachricht, dass Israels Regierung mal wieder demokratische/demographische facts on the grounds geschaffen hat. Schauplatz diesmal Gaza, die Westbank, Ostjerusalem, Galiläa, der Negev:

Drei Jahre nach der Gründung Israels wurden die Bewohner des Dorfes Al-Araqib schon einmal vertrieben, doch sie kehrten zurück. Jetzt hat Israel Tatsachen geschaffen. Das 40 Gebäude umfassende Dorf, das schon lange vor Israel existierte, wurde gestern gänzlich zerstört, damit der Jüdische Nationalfond (JNF) einen Wald auf dem Land anpflanzen lassen kann. Die Gegend ist halt nicht für arabische Siedlungen vorgesehen.

Unter Berufung auf CNN merkt Schmok an, dass die Zerstörungsaktion vor den Augen zahlreicher Schaulustiger durchgeführt worden ist. Die Rede ist von Busladungen! Von Eisverkäufern und Cappuccinomaschinen ist indes nicht die Rede.

Im Fall Al-Araqib geht es umjüdische – nicht nur israelische, denn bei den Bedouinen handelt es sich ebenfalls um Staatsbürger Israels –  Siedlungsinteressen und um Bevölkerungsmehrheiten. Anders ausgedrückt: Für die Regierung Netanyahu besteht ein vordringliches Ziel darin, möglichst überall im Staate/Lande Israel jüdische Mehrheiten zu schaffen. Beduinen, d.h. zumeist herumstreunende Fremde eines anderen Glaubens, stellen demnach eine reale Bedrohung für den Charakter des Staates Israels dar. Obwohl: Um seinen Charakter braucht sich Israel doch wohl keine Sorgen mehr zu machen!

Ich warte dennoch bereits auf die ersten pro-likudistischen Blogger, die Kritiker an Israels Umgang mit Bedouinen mit der böswilligen Unterstellung attackieren, sie wollten den Negev am liebsten „judenrein“ sehen.

2 Gedanken zu “Ein Beduinendorf als Charakterfrage

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