„In den Jahren bis 1947 war die Einstellung eigentlich so: Es geht doch ganz gut.“

Auf Al-Sharq findet sich ein Interview, das Christoph Dinkelaker mit dem 86-jährigen deutschstämmigen, jüdischen Israeli Jakob Jirsch in Jerusalem geführt hat. In diesem Interview erzählt Hirsch seine eigene Lebens- und Famileingeschichte, kommt aber auch auf sein Verhältnis zu den Palästinensern zu sprechen. Hier einige Auszüge:

Ich war ja schon vorher 1943 zum britischen Militär gegangen. Je nach Betrachtungsweise freiwillig oder angeordnet. Einer der jüdischen Führer hat damals gesagt: Wir bekämpfen die Deutschen als ob es kein Weißbuch gebe, wir bekämpfen die Engländer als ob es keinen Weltkrieg gebe. Parallel. Dadurch dass ich dann ins britische Militär geschickt wurde, gab es für mich in den Jahren 43 bis 46 kein Arabisches Problem mehr. Das Problem war der Weltkrieg. Die Engländer fingen dann an, Palästinenser in die Armee einzuziehen. Sie hatten zuerst beschlossen, dass es genauso viele jüdische wie palästinensische Einheiten geben müsse. Das haben sie sehr schnell aufgegeben, weil nur sehr wenige Araber bereit waren ins britische Militär zu gehen. Es gab lediglich – parallel zu uns – auch arabische Rekruten. Das waren sehr primitive Bauern, mit denen wir nichts gemeinsam hatten. Wir mussten damals Munitionszüge begleiten – das war übrigens für mich bisher die einzige Gelegenheit mal in den Libanon zu fahren, weil wir damals ein paar Kilometer durch den Tunnel bei Ras al-Naqoura in den Libanon gefahren sind. Und in jedem Waggon waren ein arabischer und ein jüdischer Soldat. Und manchmal saßen wir dort 24 Stunden zusammen drin. Es war unmöglich mit ihnen zu reden. Ich hatte in der Schule nur das Schrift-Arabisch gelernt, die Araber konnten kein Wort Englisch oder Hebräisch, von Deutsch gar nicht zu reden. Es gab überhaupt keine Kontakte.

Als ich dann wieder zurückkam, gab mir mein Vater das Buch „The Arab Awakening“, geschrieben von einem christlichen Araber…

…George Antonius…

…das hat mich fasziniert. Nachdem ich das gelesen hatte, gab es für mich wieder Araber. […]
Hast du damals etwas von Flucht und Vertreibung der Araber mitbekommen? Wurde darüber diskutiert?

Ja sicher. Gleich am Anfang gab es doch das Etzel-Massaker in Deir Yassin. Das sorgte für einen großen Schock in weiten Kreisen. Der Tenor war: „Das war furchtbar, so etwas darf nicht wieder vorkommen.“ Ich möchte nicht sagen, dass es so etwas später gar nicht mehr gab, aber jedenfalls nicht in diesem Ausmaß. Aber das Resultat von Deir Yassin war, das viele Araber große Angst bekamen. Oder nehmen wir die Gegend, in der ich heute wohne, Katamon. Da geht die Diskussion bis heute weiter, ob die Haganah die Araber dort vertrieben hat, ob sie geflohen sind, oder auf Anordnung der arabischen Führung ihre Häuser verließen, im Glauben es sei nur für ein paar Tage. Welche der drei Versionen richtig ist – keine Ahnung.  […]

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