Sarrazins „jüdische Vermächtnisse“ in der Intelligenzforschung als Murks und Masche im Sinkflug

Sarrazin hat es geschafft: Sämtliche Provinzblättchen, Zahnarztwartezimmerauslagen und Fischeinwickelpapiere „in diesem Lande“ (Sauerbratenfan et al)berichten und/oder empören sich über einen Rassisten, der es selbstvertürlich ablehnt, als solcher bezeichnet zu werden, und sein Buch, sein Pamphlet, seine Brandschrift Deutschland schafft sich ab. Arne Hoffmann fällt es schwer, die allgemeine Aufregung um Sarrazin nachzuvollziehen,

während Broders „Hurra, wir kapitulieren“ vor wenigen Jahren noch in die Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung aufgenommen wurde. Das war eine klare Einladung für weitere Bücher dieser Art. Und jetzt wird man – welche Überraschung – die einmal gerufenen Geister nicht mehr los.

Vielleicht hat dieses Thema ein ähnliches Schicksal ereilt wie beispielsweise Oasis‘ „Wonderwall“: Irgendwann ist der knorkigste Superhit einfach abgerockt. Dabei kann man Sarrazin durchaus bescheinigen, eine ähnliche Strategie zu fahren wie besagter Broder oder Geert Wilders oder auch Redaktion und Lesevolk von PI. Den eigenen Rassismus als besondere Form der Solidarität mit dem jüdischen Volk deklarieren.

Doch auch diese Masche hat sich, scheint’s,  totgelaufen, Platz eins der Lesercharts bei Amazon hin oder her.  Vielleicht hat sich Sarrazin dabei auch einfach nur besonders albern angestellt, wenn schon der Perlentaucher den FAZ-Rezensenten Christian Geyer mit dieser Passage zitiert:

„Das ganze Buch liest sich wie ein antimuslimisches Dossier auf genetischer Grundlage. Wie ein verdeckt operierender Detektiv versucht Sarrazin, aus ‚elementarer Sicht‘ belastendes Material gegen Türken, Afrikaner und Araber zusammenzustellen. Um den Leser für die Genetik der Intelligenz zu gewinnen, legt Sarrazin die jüdischen Ursprünge der Intelligenzforschung und deren Verbot durch die Nazis dar.“

Sarrazin ist SPD-Mann – und Sozialdemokraten pflegen ja anscheinend, von selbsternannten Mitgliedern der sog. „Traditionslinken“ mit dem Hinweis abgewatscht zu werden, dass die Sozialdemokratie in Deutschland seit dem Ersten Weltkrieg sowieso meistens nichts Anderes gewollt habe als nur mitzumachen. Kein Wunder, dass mich seine Verweise auf jüdische Wurzeln von Intelligenzforschung an den brutalstmöglichen Finanzskandal in der Hessen-CDU erinnert – ich sag nur: Jüdische Vermächtnisse.

Jedenfalls scheint mir besagte Masche – antiislamischer Rassismus aus Sorge um Israel bzw.  als Lehre der Geschichte – so langsam im Sinkflug begriffen.  Aber so ist das halt mit Propaganda und anderen Modetrends. Bleibt nur die Frage: Wer ist als nächster dran?

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