Leggewie und Sommer über „Sarrazinismus“

Nicht unrecht haben Claus Leggewie und Bernd Sommer mit ihrer Forderung an drei Galleonsfiguren hiesiger „Islamkritik“:

Islamkritiker wie Henryk Broder, Ralph Giordano und Necla Kelek, die Sarrazin beigesprungen sind, sollten sich wenigstens vom Sarrazinismus distanzieren.

Besagte „Geisteshaltung“ hat bekanntlich ihren Ausgang in der Gründung einer neuen Partei „rechts von der CDU“ gefunden. Es bleibt abzuwarten, ob die genannten „Kritiker“ sich ihrer zweifellos vorhandenen intellektuellen Fähigkeiten besinnen und dem Wunsch von Leggewie und Sommer nachkommen. Ich bin da eher pessimistisch, denn erstens haben sich Kelek, Giordano und Broder schon zu sehr verheddert und verrannt, dass es für sie aus rein psychologischen Gründen schwer werden dürfte, aus jener Ecke, die sie momentan okkupiert halten, wieder herauszukommen. Zweitens, haben sie auf dem Ticket „Mutige Kämpfer gegen den Islam, die doch nur sagen, was alle hören wollen“ schon dermaßen gut gelebt – warum sollten sie das ändern?
Mit der nächsten Forderung treffen Leggewie und Sommer indes den Nagel da, wo er getroffen werden soll:

Und die Sprecher der Volksparteien sollten nicht den Eindruck erwecken, es habe dieser Provokation bedurft, damit sie offensichtliche Probleme des Einwanderungslandes nun endlich wahrnehmen und bearbeiten wollen.

Genau. Warum soll man sich über Integration und Einwanderung nur deshalb diskursmäßig austauschen, bloß weil es ein bornierter Elitemensch wie Sarrazin im Verbund mit Spiegel und Bild so wollen?

Übel zu nehmen ist Leggewie und Sommer das Vergehen, den Begriff des „Sarrazinismus“ weiter etabliert zu haben.

6 Gedanken zu “Leggewie und Sommer über „Sarrazinismus“

  1. So der Gabriel hat sich mal wieder zu Sarrazin gemeldet. In einem Interview sagte er: „Christian Wulff hat sich völlig zu Unrecht in die Entlassung Sarrazins aus dem Bundesbankvorstand eingeschaltet“ Natürlich frage ich mich, warum hat der Gabriel das nicht vor dem Rücktritt von Sarrazin gesagt. Das ist wieder typisch Politiker. Ich denke, er will nur davon ablenken, dass der Sarrazin nicht freiwillig aus seiner Patei will und der Gabriel damit ein Problem hat. Denn, wenn der Gabriel den Sarrazin aus der Partei wirft, dann arbeitet die SPD fleissig daran, bei der nächsten Bundestagswahl schlechter als die Grünen zu werden. Viel Spass dabei.

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  2. Wenn sich Broder & Co vom „Sarrazinismus“ distanzieren sollten, hätten wir dann was besseres, „Broderismus“? – Sie wissen ja, der ist nicht feiner. Für Broder ist diese Allianz von instrumentellem Wert, aber er würde einen Teufel tun, klar auszusprechen, dass Sarrazins deutschtümelnde Komponente für ihn Quatsch ist. Solange die „aufrechten Deutschen“ am besten zu mobilisieren sind, wenn es um die Fertilität der Muslime und gegen die Muslime geht.

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  3. „Islamkritiker wie Henryk Broder, Ralph Giordano und Necla Kelek, die Sarrazin beigesprungen sind, sollten sich wenigstens vom Sarrazinismus distanzieren.“ Vollkommen d’accord. Dennoch liegt es ja grade an der Antinomie der Sache, dass die andere Seite genauso blöd (http://nexusrerum.blogspot.com/2010/09/spiegelfechter-lsd-im-gemuseladen.html) oder noch blöder (http://nexusrerum.blogspot.com/2010/09/der-sarrazin-komplex.html) ist.

    Deine Deutung: „Genau. Warum soll man sich über Integration und Einwanderung nur deshalb diskursmäßig austauschen, bloß weil es ein bornierter Elitemensch wie Sarrazin im Verbund mit Spiegel und Bild so wollen? “ ist zwar der Sache nach richtig, aber der Bezug ist falsch, denn

    „Und die Sprecher der Volksparteien sollten nicht den Eindruck erwecken, es habe dieser Provokation bedurft, damit sie offensichtliche Probleme des Einwanderungslandes nun endlich wahrnehmen und bearbeiten wollen“ meint etwas anders. Hier steht, die Volksparteien haben zwar das Problem Islam verschlafen, aber sollten wenigstens den Eindruck erwecken, dass sie es nicht hätten. Unabhängig davon, dass Integration nicht mein Ziel und Volkspartein nicht mein Adressat sind, ist dieses Urteil richtig – und ruft zur Heuchelei auf.

    Liebe Grüße aus Antideutschland!

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