Alice Schwarzers gutbürgerliche Angst

Die Angst geht herum im Juste Milieu, wo Sozialdemokraten sich noch als solche bezeichnen lassen dürfen, trotz Fremdenfeindlichkeit und Populismus. Jörg Lau zitiert Sigmar Gabriel mit den folgenden Worten:

“Wer auf Dauer alle Integrationsangebote ablehnt, der kann ebenso wenig in Deutschland bleiben wie vom Ausland bezahlte Hassprediger in Moscheen.”

Und was ist mit bezahlten Hasspredigern vor den Mikros der Bundespressekonferenz, bzw. von Spiegel, stern und Bild? – möchte man fragen. Lau ist zuzustimmen: Gabriel will , da die Zeichen auf Sarrazin stehen, kein Weichei sein. Auch er will mal wieder zeigen, dass Sozialdemokraten genauso populistisch zulangen können wie Vertreter anderer Parteien jenes mittlerweile völlig überfüllten politischen Spektrums, das wir uns „politische Mitte“ zu nennen nicht zu dumm sind. Wenn schon nicht Kanzler, kann Gabriel Demagogie, aber wer wollte das bei einem politischen Ziehsohn Schröder ernsthaft bezweifeln? Dabei gilt es eins zu bedenken, so Lau:

Nicht nur die SPD strömt ihn aus, von allen Seiten hört man Sprüche, die signalisieren sollen, dass man den Sarrazin doof findet, sich aber nicht zu schade wäre, auch mal was gegen die da, die Ausländer, die Muslime zu machen.

Als Beispiel wäre da Alice Schwarzer zu nennen, die in diesem Lande als engagierte und streitbare Frauenrechtlerin gilt, in Wirklichkeit aber vor Urzeiten eine Nische gefunden hat, in der sie ihre Ressentiments gegen alles und jeden, der nicht ihre Streichholzschachtelweltsicht auf ihr Kommando hin teilt, gepflegt und umlagert von Günstlingen der Welt als Beitrag zur Aufklärung verkaufen darf.

Schwarzer hat mal wieder ein Buch geschrieben, und mir geht  wie bei Sarrazin. Ich bekenne, es nicht gelesen zu haben. Und ich will es auch nicht tun.  War es nicht der inhaltlich krude, sprachstilistisch  aber nicht unbegabte Henryk M. Broder, der davon sprach, man an keiner Mülltonne  schnuppern und sich dann über Gestank beschweren?  Reicht nicht völlig aus, was Patrick Bahner über die Dame und ihren neuesten Wurf, die angesichts der vermeintlich um sich greifenden Islamierung der hiesigen Gefilde eine Übernahme des französischen Laizismus empfiehlt, geschrieben hat – übrigens im Gespensterblatt FAZ:

Der antiliberale Geist des jakobinischen Feminismus manifestiert sich bei Alice Schwarzer auch im Stil. Ständig begegnet die islamkritische Standardwendung von der falschen oder falsch verstandenen Toleranz. Das eigene Verständnis ist natürlich das richtige. Fremd ist diesem fanatischen Rationalismus, dass zur Meinungsfreiheit das Experimentieren gehört, dass sich oft erst aus der Debatte, im Zuge von Rechtsstreitigkeiten und in der Praxis herausstellt, was eine freie Gesellschaft dulden kann und will. Wie weit ein Grundrecht reicht und wo es hinter einem anderen zurücktreten muss, das ist nach dem Bundesverfassungsgericht eine Frage der praktischen Konkordanz. Was mit dieser Formel politisch gemeint ist, das gewinnt im Kontrast zu den gesammelten Steckbriefen der GesinnungspolizistInnen von „Emma“ Evidenz. Wenn es um das Kopftuch oder den Schwimmunterricht geht, setzt Alice Schwarzer das von Musliminnen reklamierte Recht immer in Anführungszeichen. Rechte existieren aber nur dadurch, dass sie in Anspruch genommen werden. Wenn ein Gericht den Anspruch in letzter Instanz verneint, heißt das nicht, dass die Klärung überflüssig war und der rechtstreue Bürger das von vornherein hätte wissen müssen.

Aber warum hat diese Art von Vulgär-Säkularismus, der ja nichts anderes sein will als Intoleranz mit Seidentuch, warum hat eine Islam-„Kritik“, wie sie von einer Alice Schwarzer vorgetragen wird, soviel Erfolg im Juste Milieu? Bahner:

Dass die formierte Gesellschaft der islamfeindlichen Utopie so wenig irritiert, hat vielleicht mit dem „alten Trugschluss des Bürgertums“ zu tun, der Sehnsucht nach einer heilen Welt ohne Kompromisse und ohne Streit.

Bahner beruft sich in seinem Aufsatz auffallend häufig auf Innenminster de Maiziere.  Schon dies ist ein Grund, es eben nicht bei der Lektüre seiner Rezension zu belassen. Meine Wenigkeit verweist daher auf Wolfgang Sofsky, der von Hartmut Finkeldey – in einem anderen Zusammenhang – u.a. wie folgt zitiert wird:

Die bürgerliche Kerngesellschaft will sich ihrer Normalität versichern.

Und dass Alice Schwarzer Teil der bürgerlichen Kerngesellschaft ist und sein will – das hat sie uns in jüngerer Zeit genügend gezeigt, man denke etwa an die von ihr mitgetragenen Werbekampagne für Bild. Wie sich gleich zeigen wird, ist sie ihrem Anspruch erneut mehr als gerecht geworden!

Was aber unterscheidet die „Islamkritik“ einer Alice Schwarzer von den Ressentiments, die von Broder und Giordano – ich nehme hier einmal Necla Kelek ausdrücklich heraus – verbreitet werden? Eine Antwort findet sich bei Kay Sokolowsky, der sicherlich ebenfalls vor Freude über Schwarzers neue Schwarte ganz mau ist und der vor Jahren mit dem Buch Who the fuck is Alice. Was man wissen muß, um Alice Schwarzer vergessen zu können einen wirklich großen, wenn auch weithin unbemerkbaren Wurf landete: Broder und Giordano kann man bei der von ihnen geleisteten „Kritik“ vorwerfen, sie seien nur auf dem zionistischen Auge blind. Alice Schwarzer hingegen ist nicht nur geschlagen von einer Islam-mit-Kopftuch-Allergie, sie hat auch noch ganz andere Probleme: U.a. wäre da ein  schier pathologischer Hass auf Broder zu nennen- nicht so sehr für das, was er sagt oder tut, sondern für das, für welches zu sein er sich einfach nicht entschuldigen will. Sokolowsky: „Nannte Broder sie eine Antisemitin, schimpfte sie ihn einen Faschisten.“(S. 88)
Wenn das nicht bürgerlich ist, was dann? Für seine Haltung will man/frau dann auch noch gelobt bzw. belohnt werden. Und welcher Preis wäre – in Anbetracht einige  seiner Träger in den letzten Jahren – hier repräsentativer, wenn nicht symptomatischer, als der Börne-Preis?  Und wem wurde aus den Händen eines Harald Schmidt anno 2008 ebendieser Preis verliehen? Falsch! Broder war Preisträger 2007. Im Jahr 2008 durfte Schwarzer zu einer fulminanten Dankesrede ansetzen – und sich ausgerechnet im Spiegel zitieren lassen (via Genderama):

Schwarzer, das „Sturmgeschütz“, schreckt nicht vor schwerem Kaliber und hoch riskanten Vergleichen zurück, wenn es um Parallelen von Juden und Frauen geht. Beide seien entrechtet und erniedrigt; Parias, die vom Rand der Gesellschaft in ihre Mitte drängten. „Wenn Börne von seinem großen Judenschmerz spricht, weiß ich, was er meint.“

Fassen wir zusammen: Angst vor Fremden, die umschlägt in Fremdenfeindlichkeit, welche wiederum kaschiert werden soll durch ein gerüttelt Maß an antireligiösem, pseudo-aufklärerischem Jakobinerinnentum, das wiederum auch nur die Funktion zu erfüllen hat, dem Bürgertum dem ihm naturgemäß innewohnende Gutheit (bitte um Gottes Willen nicht verwechseln mit Gutmenschentum) immer und immer wieder aufs Neue zu bescheinigen. Eine Art von Ressentiment als Weltanschauung, das zwar als streitbar und kritisch von der Außenwelt wahrgenommen, aber von den Spitzen der Gesellschaft anerkannt zu werden trachtet. Hofnarrentum in seiner schlimmsten Form! Und all das soll gewährleistet werden dadurch, dass frau sich zur Sprecherin einer Opfergruppe stilisiert, die es mindestens so schwer gehabt haben will wie die Juden im Dritten Reich. Meine Damen und Herren: das Gesamtkunstwerk Schwarzer!

Es geht die Angst um in der belle etage dieser Republik. Mit Blick auf das, was Netbitch dazu zu sagen hat, hätte ich mich natürlich auch kürzer fassen können:

Demnächst in diesem Theater

Öffentliche Steinigung für Integrationsmuffel.

Sitzen Sie deutsch, sonst gibst die Neunschwänzige!

Verstockten Muslimen droht die Scharia, ach nee, Scheiterhaufen heißt das ja….

3 Gedanken zu “Alice Schwarzers gutbürgerliche Angst

  1. „Und all das soll gewährleistet werden dadurch, dass frau sich zur Sprecherin einer Opfergruppe stilisiert, die es mindestens so schwer gehabt haben will wie die Juden im Dritten Reich.“

    Wenn weibliche Föten abgetrieben und in den Müll geworfen werden, nur weil sie weiblich sind, wenn alle Religionen- insbesondere die Monotheistischen, Frauen als Minderwertig stigmatisieren und benachteiligen(Petrus bezeichnete sie als Lebensunswert)-Nachweise in meinem About und Beiträgen- und diese „Denkstruktur“ in gewortete Kampfmittel, gegen die Anerkennung der Gleichwertigkeit der Frauen benutzt wird, dann stehen die Frauen, das Weibliche in der Welt als getriebene und unterdrückte noch vor den Juden.

    Aus den Juden, den durch die Völker der Welt getriebenen und dem Weiblichen- kommt das Leben.

    Hexenverbrennungen, Erbsündenzuschiebung, Zwang zur Verhüllung der Schönheit(Reize) der Frau, Steinigungen der Frauen lassen Grüßen.

    Vieles – nicht alles–was sich als Feminismuskritik darstellt, ist nichts weiter unkritisch ausgelebter Frauenhass,

    die Furcht vor der Macht des Weiblichen!!

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  2. Danke – dann weiß ich wenigestens, wohin ich verlinken kann, wenn jemand mich nach Alices neuestem Machwerk fragt. Und nein, das will und muss ich auch nicht lesen. Wie einige bereits feststellten, sind die Beiträge i.Ü. teilweise ein Aufguss alter Texte – der ihre, in der WELT vorabgedruckt, klang recht bekannt, der von Badinter soll von Anfang der achtziger Jahre stammen.
    So kann man, mit dem richtigen Namen und dem richtigen Stichwort, auch Geld verdienen.

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  3. Alta, wenn Du nisch klarkommst mit de Befehle von de Doische, kannssu immer noch gehn wieder Hause, guckst du. Will de Memsahib Schwarzer doch nur de Beste fur de Muslime, auch egegen ihre Wille, weissu.
    Hat höhere IQ als wir, is genetisch bedingt, isch schwör.

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