Die schlimmsten Feinde des Glaubens

Bundespräsident Wulff hat eine Rede zur Lage der Nation gehalten. Und das in meiner Abwesenheit. Und schon beginnt der Kampf um die Plätze rechts von der CDU. Schmok kommentiert so einleuchtend wie unnachahmlich die Korrekturversuche von CSU-Landesgruppenchef Friedrich, demzufolge „der Islam“ eben nicht, je niemals Teil „deutscher“ „Leitkultur“ werden könne:

Und wohin gingen die Juden, als die spanische Krone sie von der Halbinsel jagte? Es gibt keine “christlich-jüdische-abendländische” Kultur. Jedenfalls keine, die es gegen den Islam hochzuhalten gäbe. Aber plötzlich soll das Judentum, nachdem man es in Europa fast ausgerottet hat, als Alibi gegen den Islam herhalten?

Genau das aber ist der Punkt. Es geht um Alibis.  Israel wird sehr wohl als Bezugspunkt für diese Art von Kulturalismus gesehen, jüdische Gemeinden im Iran sicher nicht.

Dass es dieser Alibis überhaupt noch bedarf, wundert mich dennoch, denn nicht erst seit Sarrazin dürfte klar sein: Ausgrenzung und Diskriminierung ethnisch, kulturell und religiös definierter Kollektive sind en vogue. Totalitarismus ist der neue Liberalismus. Und immer wenn es passt, wird in die Klamottenkiste religiöser Einfalt gefasst, denn es kann nicht sein, was nicht sein darf: Gleichheit ist nicht Freiheit ist nicht Gleichheit. Welchen schlafenden Hund will Frau Haderthauer, ebenfalls CSU,  hinterm Ofen hervorlocken, welche Ängste versucht sie zu schüren, wenn sie so etwas sagt:

Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) warnte in der „Leipziger Volkszeitung“: „Eine solche Aussage kann missverstanden werden. Aus Religionsfreiheit darf nicht Religionsgleichheit werden.“

Kulturalismus ist der Rassismus der allzu respektierten Klasse. Make no mistake, mir geht es nicht um C-Parteien-Bashing. Dass die Sozis ebenfalls auf der perfekten Welle mitzuschwappen in der Lage sind, ist eine Binse. Letztlich ist es eine Frage des Prinzips, oder wie bemerkte Slavoj Zizek dieser Tage:

Progressive Liberale sind selbstredend von diesem populistischen Rassismus entsetzt. Sieht man aber genauer hin, so zeigt sich, dass ihre Multi-Kulti-Toleranz und ihr Respekt mit der Haltung der Immigrationsgegner etwas gemeinsam haben: das Bedürfnis, die anderen auf Distanz zu halten. „Die anderen sind in Ordnung, ich respektiere sie“, sagt der Liberale. „Aber sie dürfen nicht in meine Privatsphäre eindringen. Wenn sie das tun, dann belästigen sie mich – ich bin absolut für Fördermaßnahmen für Minderheiten, aber ich bin nicht bereit, mir laute Rap-Musik anzuhören.“ Das Recht, nicht belästigt zu werden, avanciert zum wichtigsten Menschenrecht in der spätkapitalitischen Gesellschaft – das bedeutet, das Recht auf einen sicheren Abstand zu anderen. Ein Terrorist, dessen tödliche Pläne vereitelt werden sollten, gehört nach Guantánamo, wo die Rechststaatlichkeit aufgehoben ist; ein Fundamentalist sollte zum Schweigen gebracht werden, denn er verbreitet Hass. Solche Menschen sind schädliche Subjekte, die meinen Frieden stören.

Und so muss es halt genügen, dass man sich als Christ/Christin deklariert, um als gerechter Mensch ins Himmelreich zu gelangen – ein Himmelreich, in dem alles hübsch so zu sein hat, wie ich es mir vorstelle. Ein Himmelreich, das froh sein kann, dass ich mir ein Bild von ihm zu machen getraue, denn ich bin liberal. Und abendländisch. Und Christ. Und ich stehe an der Seite Israels. Und Israel kann bekanntlich auch nicht ohne Zäune und Mauern. Aber das ist eine andere Geschichte. Oder? Wenn „der“ Islam“ nicht Teil einer „deutschen Leitkultur“ sein kann oder darf – warum sind die Freundinnen und Freunde (anti)deutscher Gesinnung dann so islamfeindlich?

Wahrlich, die schlimmsten Feinde des Glaubens sind seine gnadenlosen Verfechter – die tun nämlich nichts Anderes als fechten.

11 Gedanken zu “Die schlimmsten Feinde des Glaubens

  1. Wie der Juden-Gott, dem Volk Israel und seiner ersten Gemeinde,
    Verboten hat fremde Götter, Religionen und Lehren neben sich zu haben,
    So hat der Juden wie Christen- Gott, auch den Christen,der wahren Saat Gottes auf Erden verboten, fremde >Götter,Religionen und TheologienTheologischen Fakultätengeistige und Prophetischekorrigiert und Richtigstellt< wie er es in der Offenbarung Kapitel 2, und 3,
    uns vorgemacht und angekündigt hat!!!
    Wo Christus und der HEILIGE GEIST,
    NICHT gegenwärtig ist bei den Menschen und ihrem einberufenen "Gottesdienst",
    da wird das anmaßende Fleisch und der Buchstabe der Bibel,
    zur Richtschnur der "Gläubigen", welcher tötet schreibt Paulus.

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  2. „mondoprinte“
    Christus steht vor der >Herzenstür aller MenschenHeute< derselbe ist und seine Lehre und Erkenntnis verbreitet.
    In diesem Geist und Auftrag Christi,
    darf nur kommentiert werden,
    was Christus in allen bestätigt durch seinen Geist.
    Bleiben Sie bei Christus und suchen Sie sein Antlitz allewege,
    so wird Ihnen das Himmelreich offenbart in ihrem Innern.

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      1. mondoprinte,
        Apostel Paulus schreibt von dem Christus der Gegenwart und NICHT von dem Christus der Geschichte und Vergangenheit folgendes:
        „Darum kennen wir nun niemand nach dem Fleisch; und ob wir auch Christus gekannt haben nach dem Fleisch, so kennen wir IHN doch jetzt nicht mehr.
        DARUM, ist jemand in Christo/und Christus in ihm/
        So ist er eine neue Kreatur Gottes, das Alte ist vergangen,
        Siehe, es ist alles neu geworden. 2.Korinther 5, 10

        Die von Gott und Christus abgefallenen Religionen, Kirchen, Tempeln, Gemeinden und Sekten,
        lehren und predigen den Christus der Vergangenheit und Geschichte, wie seine und die Aussagen der Jünger, die Christus damals berufen, zubereitet, erwählt und wiedergeboren und legitimiet hat durch das Dreifache Zeugnis Gottes und Zeugnis Jesu Christi. 1.Johannes 5, 6-12/Offenbarung 19,10

        Der Heilige Geist wie das Wort Gottes, muss darum in uns wahre Gläubige>wohnendGeheimnis des GlaubensHEUTE< ist!
        (Der Wiedergeburtschrist Gottes!)

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  3. Naja, Paulus sehe ich anders als Du, Momorulez, als den Juden, der er war wie der diskutierende Pharisäer Jesus und die Jünger auch. Der Antisemit Luther hat übersetzt, dann kommt der deutsche Antisemit Paulus raus. War er aber nicht, er hat auch Jesus nicht zum Nichtjuden und nicht zum Antijuden erklärt, und er hat nicht, wie ich noch gegenteilig lernen musste, den Vertrag, den Gott den Juden aufgezwungen hatte, für ungültig erklärt; er sah seinen Geltungsbereich durch Jesus als den jüdischen Messias als ausgedehnt an. Nicht?
    Aber klar, jetzt weht wieder ein anderer Wind und nur wir Christen gelten uns wieder als „die wahre Saat Gottes“(petersemenczuk). Was ja den Bruch eines Vertrages durch Dritte bedeutet, mit denen der Vertrag nicht geschlossen worden ist, ein Gewaltverhältnis. Von daher hat man den armen Paulus entjudifiziert gelesen und sich bestätigen lassen, das haben ja deutsche Christen und die „Deutschen Christen“ als Nazis dann auch mit Jesus selbst gemacht, ihn endgültig zu entjuden.
    Ach, ich bitte Dich, diese Belehrerei zu entschuldigen.

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    1. Pas de Probléme – durch Paulus kam der Missionsgedanke wie auch die Homophobie in die kanonisierte, christliche „Botschaft“. Die alltestamentarischen Fetzen zu dem Thema sind ja eher randständig und vieldeutig. Letzteres ist wirkungsgeschichtlich wichtig, weil durch ihn eine Abgrenzung gegen hellenistische Elemente vollzogen wurde, die eigentlich prima waren.

      Ich sollte aber, bevor ich weiter dilettiere, das Buch von Paul Veyne lieber mal gelesen haben und nicht nur die Passagen in seinem Buch über Foucault, die sich darauf beziehen😉 …

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      1. Finde diese Deine Haltung – gerade im letzten Absatz wird sie deutlich – sehr erfrischend und menschlich. Was mich an den Diskussionen bei Dir und woanders, wo Du aber als Akteur mit dabei bist, lieber Momo, sehr positiv für Dich einnimmt, ist Dein Mangel als Abgefucktheit. Danke dafür!

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