Das Ende des Nahostkonflikts und die Feinde des Friedens

Wenn amerikanische (Ex-)Präsidenten in Kairo eine Rede halten, kommt manchmal auch etwas Interessantes dabei heraus. Letzten Dienstag sprach Hillary Clintons Ehemann in der ägyptischen Hauptstadt, u.a. darüber, wie wichtig es sei, den israelisch-palästinensischen Konflikt einer angemessenen Regelung zuzuführen: Frieden im Heiligen Land bedeute ein Weniger an Motivation für Terroristen:

Speaking to a group of Egyptian businessmen in Cairo Tuesday Clinton said Tuesday that solving the Israel-Palestinian conflict would take away much of the motivation for terrorism around the world.

[…]

„It will take about half the impetus in the whole world — not just the region, the whole world — for terror away,“ he told an audience of Egyptian businessmen from the American Chamber of Commerce in Egypt. „It would have more impact by far than anything else that could be done.“

Offen bleibt natürlich die Frage, welche Art von Terror eingedämmt würde. Ich bin mir nicht sicher, dass damit nicht etwa jener Terror gemeint ist, der seinen Ursprung etwa im Hirn von Israels Außenminister Lieberman findet. Richard Silverstein hat Graus’liges zu berichten:

Kol Yisrael filed a doozy of a report (Hebrew) yesterday noting the completion of a major Israeli military-police exercise simulating the civil unrest that would follow an imagined peace agreement, in which Israel would, according to the Lieberman population transfer plan, expel many of its Palestinian citizens. According to the scenario, Hamas incites tremendous civil upheaval both in the West Bank and among Palestinians of northern Israel which result in many terror attacks.  Of course, according to the simulation the demonstrations and violence are caused by ‘extremist elements’ among the ‘Arab sector’ and not by the actions of the Israeli government.  The exercise included the creation of a concentration camp at the Golani junction for the more violent perpetrators.

Also: Im Anschluss an ein Friedensabkommen soll es nach Einschätzungen israelischer Militärexperten zu einem palästinensischen Aufständen in Nordisrael und der Westbank kommen. Zahlreiche Palästinenser mit israelischer Staatsangehörigkeit würden als Resultat von Israel ihrer Heimat verwiesen. Die als besonders gefährlich eingestuften Personen würden in einem eigens eingerichteten Lager interniert. Der Gebrauch des Begriffs Konzentrationslager ist mir zu unsicher. Aber grau ist selbstvertürlich alle Theorie!

War gestern von Feinden des Glaubens die Rede, stelle ich heute die Frage nach den Feinden des Friedens. Leute wie Lieberman und Netanyahu, aber auch Gruppierungen wie Hamas kreuchen und fleuchen, weil eben weder Gerechtigkeit noch Frieden herrschen. Antisemitismus floriert, dass es für eingeschworene Antiantisemiten nur so eine Freude ist. Ich bin mir sicher, dass eine Regelung des Nahostkonflikts – von einer Lösung kann schon lange lange lange keine Rede mehr sein – dazu beitragen kann, im Kampf gegen Antisemitismus entscheidend voran zu kommen. Auch der Missbrauch des Begriffs Antisemitismus als politische Waffe wird eingedämmt werden. In seinem neuen Buch hat Moshe Zuckermann eben dazu Einiges zu sagen:

Was man sich dabei über Jahrzehnte (mit wenigen Ausnahmen) kaum je vor Augen zu führen gestattete, war der einer von solchem Geist beseelten Antisemitismus-Bekämpfung inhärente Widerspruch. Denn nicht um die konsequente Eliminierung des Antisemitismus in der Welt ging es den Sachwaltern des Zionismus, sondern um die zionistische »Antwort« auf diesen bzw. die vom Zionismus angebotene Lösung des »jüdischen Problems«, welches – willkommener Weise – auf den in der Welt grassierenden Antisemitismus zurückgeführt werden konnte. Nicht nur hatten also Existenz und Entfaltung des Zionismus für ihn selbst Vorrang vor dem Kampf gegen den das Judentum bedrohenden Antisemitismus, sondern der reale Fortbestand des Antisemitismus in der als solcher apostrophierten Diaspora war sein Interesse. Der Zionismus initiierte zwar nicht den Antisemitismus, gab sich auch stets betroffen, wenn dessen Auswirkungen konkret zutage traten, aber nicht von ungefähr zeichneten sich die Reaktionen vieler Israelis auf antisemitische Erscheinungen im Ausland, nicht selten auch Kommentare der israelischen Medienwelt, durch eine zumeist offen artikulierte Schadenfreude aus: Recht geschieht es ihnen! Wenn diese Juden das Leben in Israel verschmähen und ein diasporisches Dasein bewußt vorziehen, mögen sie sich nicht wundern und darüber beklagen, daß sie antisemitischen Ausfällen ausgesetzt sind.

Vielleicht würde überhaupt der zuweilen – ja auch in diesem Blog – doch recht leichthin artikulierte Vorwurf des Rassismus und der Islamfeindschaft auf die hinteren Plätze verwiesen. Und die falsche Unterscheidung von Rassismus und Antisemitismus würde als solche offen zutage treten. Aber das sind Gedankenspiele meinerseits, und Bill Clinton wird seine ganz eigenen Ideen verfolgen.

Nachtrag: Noch eine Art von Terror, die Bill Clinton sicher nicht im Sinn hatte…

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