Haitham Asfur

„Im Grunde…“, sicher sicher. Wenn SpOn den Nahostkonflikt wie folgt beschreibt:

Im Grunde dreht sich der Nahost- Konflikt um das Existenzrecht Israels und die Forderung nach einem eigenen Palästinenserstaat. Es gibt inzwischen palästinensische Autonomiegebiete – den Gaza- Streifen und das Westjordanland. Die Grüne Linie trennt die Gebiete von Israel. Um die israelischen Siedlungen in den umstrittenen Gebieten gibt es immer wieder Streit.

– dann tut SpOn das vor einem bestimmten, die Grenzen des hiesigen Israel-Palästina-Diskurses beschreibenden Background. Im Kern soll es darum gehen, dass hierzulande als maßgeblich eingestufte Kreise und Gruppen goutieren, dass es einen Staat gibt, der sich verhält, wie er sich verhält. Kritik an diesem Staat wird mit dem wohlfeilen Hinweis auf die deutsch-jüdische Geschichte immer wieder unter Generalverdacht gestellt. Ansonsten müsste SpOn ja auch von Besatzung und Landraub anders berichten, als es einem Henryk M. Broder lieb wäre. Immer wieder wittert Letzterer ein Wiederaufleben des Antisemitismus‘, der, in seiner Lesart, kaum noch etwas mit real existierenden, jüdischen Menschen, dafür aber umso mehr mit dem Existenzrecht des Staates, dessen Ausrufung als einzige Antwort auf die Shoa verstanden werden soll, zu tun hat. Die andauernde Nakba ist kein Thema, und ich kann mich nicht des Eindrucks erwehren, dass das Heraufbeschwören eines wie und wo auch immer wahrgenommenen Antisemitismus‘ – den es ja zu konstatieren gilt, nur auch unabhängig von Israel- unter diesen Bedingungen nichts Anderes ist als ein indirektes Zugeständnis: Die Politik Israels ist furchtbar! Sie ist falsch. Nur soll ebendieser Umstand nicht als solcher zur Sprache gebracht werden: „Kill Arabs – cry anti-Semitism“.

So ist es kein Wunder, dass der israelische Siedlungsbau bei SpOn nur als Randnotiz erwähnt wird -ein Ärgernis, das den Leser nicht von seiner Hauptpflicht ablenken soll: die Grenzen des Erlaubten nicht zu überschreiten.

Und wenn Ulrike Putz von einem Palästinenser – sein Name sei Haitham Asfur – berichtet, der aus offensichtlichen Gründen gezwungen ist, seinen Lebensunterhalt als Bauarbeiter bzw. Handwerker in israelischen Siedlungen zu verdienen, dann wird das persönliche Schicksal Asfurs krokodilstränenreich beweint – und ein Staat kritisiert, der zwar alles Andere als immun gegenüber Kritik anzusehen ist, zu dessen Hauptmerkmalen es nun aber gehört, dass es ihn de facto noch nicht gibt:

Dass es in Palästina keine gut bezahlte Arbeit gebe, liege daran, dass es keinen Staat gibt, sagt Asfur. Doch dieser Staat existiert auch deshalb nicht, weil – unter anderem von ihm – immer neue Siedlungen hochgezogen werden. „Was soll ich denn machen? Ich unterstütze Palästina wo immer ich kann, aber Palästina unterstützt mich nicht.“

Nun könnte man natürlich noch weitere Aspekte aus Putz‘ Artikel kritisch aufgreifen.  Scheiß Spiegel! Man könnte.

Man kann es aber auch erfreulich finden, dass in so einem Zentralorgan anschaulich über die im Großen und Ganzen verzweifelte Lage von Palästinensern in von Israel besetzten Gebieten berichtet wird.

Letzten Endes geht es nämlich nicht um die Frage nach abstrakten Existenzrechten, nach Diskursgrenzen, nach Nationalflaggen, nach Briefmarken und eigenen Flughäfen (in Gaza gab es so einen dereinst). Es geht nicht um Verrat oder Gehorsam irgendeiner Sache oder Nation gegenüber. Es geht letztlich auch nicht um die Frage nach ein, zwei oder drei Staaten in Israel-Palästina.

Es geht um Menschenleben, um Leben unter menschenwürdigen Umständen – es geht um menschliches Leben. Um Humanität.

 

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