Pax Christi: „Mit der Verschärfung der Lage im Nahen Osten sehen wir die Notwendigkeit einer Aktualisierung der Position der Doppelten Solidarität.“

Mit Interesse, aber auch Verwunderung, habe ich den Beschluss „Ungeteilte Solidarität“, mit großer Mehrheit auf der diesjährigen Deligiertenversammlung von Pax Christi in Fulda, gelesen. Für einige Jahre arbeitete ich in der Nahost-Kommission von Pax Christi mit und gehörte immer zu Befürwortern eines Verständnisses von Friedensarbeit, das geprägt war von Doppelter Solidarität. Solidarität mit Palästinensern, Solidarität mit Israelis. Die entsprechende Position hat nun eine, wie es in dem Beschluss heißt, „Aktualisierung“ gefunden. In der betreffenden Passage heißt es:

Mit der Verschärfung der Lage im Nahen Osten sehen wir die Notwendigkeit einer Aktualisierung der Position der Doppelten Solidarität. Es bedarf einer entschiedeneren Sprache, wo angesichts eklatanter Menschenrechtsverletzungen Parteinahme erforderlich ist. Verletzung von Völkerrecht und Menschenrechten auf beiden Seiten und die Besatzung schweigend hinzunehmen, kann zu Komplizenschaft mit Unrecht und Gewalt führen. Wenn wir von der Solidarität mit Menschen reden, die sich konsequent für den Frieden einsetzen, dann ist diese Solidarität immer ungeteilt. In den langjährigen Begegnungen mit unseren palästinensischen und israelischen Partner/innen ist die Erfahrung einer Solidarität für die jeweils andere Seite gereift, die zu einem ungeteilten Einsatz für Menschenrechte führt. In diesem Sinne schreiben wir die Position der „Doppelten Solidarität“ fort zu einer Position der „Ungeteilten Solidarität für einen gerechten Frieden“. Es ist eine Solidarität mit den Menschen in Palästina und Israel, die in je unterschiedlicher Weise unter der Situation der Gewalt leiden und den Menschen, die sich in Friedens- und Menschenrechtsorganisationen für gewaltfreie Konfliktlösungen einsetzen.

Muss ich mir nochmal durch den Kopf gehen lassen. Spontan fällt mir zum neuen Schlagwort „Ungeteilte Solidarität“ nur ein: Palästinasolidarität wird mit Israelsolidarität gewissermaßen gleichgesetzt – und das in viel weitreichenderem Maße als das bei der Doppelten Solidarität jemals der Fall war. Und das sehe ich, sowohl vor dem Hintergrund geschichtlicher Erfahrungen, aber auch mit Blick auf die momentane Situation in Israel-Palästina, als sehr problematisch an. Ist es wirklich nur die eine Solidarität? Ich kann mir unmöglich vorstellen, dass etwa die Delegierten aus Osnabrück/Hamburg besonders glücklich nach Hause gefahren sind.

Ich interpretiere den Beschluss in seiner verabschiedeten Fassung andererseits auch als einen Türöffner in Richtung alternative Denkweisen bezüglich möglicher Friedensregelungen – auch jenseits der sog. Zwei-Staaten-Lösung, was ich wiederum nicht uninteressant fände.  Wie gesagt, das sind spontane Gedanken…

Was Stefan Silber wohl zu berichten hat?

Ein Gedanke zu “Pax Christi: „Mit der Verschärfung der Lage im Nahen Osten sehen wir die Notwendigkeit einer Aktualisierung der Position der Doppelten Solidarität.“

  1. Ich habe nichts zu berichten, denn ich war nicht dabei (Wo ich am Wochenende war, ists aber auch nicht erquicklich gewesen). Ich kann mir aber genausowenig vorstellen, dass die genannten Leute glücklich nach Hause gefahren sind (Bin gespannt, was man so hört).
    Allerdings muss ich sagen, dass ich die gesamte Diskussion ziemlich fruchtlos finde. Solidarität ist unteilbar (und eigentlich auch nicht verdoppelbar, meine ich) – oder man spielt unter dem Vorwand der Solidarität die einen gegen die anderen aus. Und genau das scheint mir momentan bei sehr vielen selbsterklärten Israelfreunden (nicht unbedingt innerhalb von pax christi) der Fall zu sein. Aber über diese versteckten Motivationen diskutieren zu wollen, ist äußerst problematisch. Also lässt mans vielleicht am einfachsten.

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