Dem Zentralrat scheint es nicht um die Erinnerung an jüdisches Leid zu gehen

Die neueste Sau, die durchs Dorf getrieben wird, hätte ich ihn beinahe genannt. Der Respekt vor Alfred Grosser gebietet anderes Reden. Alfred Grosser halte ich für einen der großen Geister unserer Zeit – als Atheist im inter(nicht)religiösen Dialog mit jenen, die glauben möchten – sowie als einer von mittlerweile zahlreichen prominenten jüdischen Kritikern wesentlicher politischer Maßnahmen von Seiten des Staates Israel und seiner Organe. Die Affaire um die Frage, ob es der Zentralrat der Juden in Deutschland wirklich nicht tolerieren kann, wenn Grosser am 9.11. im Bundestag eine Rede aus Anlass des Gedenkens an die Reichspogromnacht vor 72 Jahren hält und dabei in wenigen Worten auch auf Israels „Sicherheitspolitik“ ( – der Monat Oktober brachte den entsprechenden Organen im Zuge diverser Aktionen u.a. in der  Westbank reichen Ertrag)-  eingeht. Wie steht es in der SZ:

Und nun könnte es sein, dass bei seiner Rede die jüdischen Zuhörer den Saal verlassen. „Wenn es beleidigend wird, muss ich mir das nicht anhören“, sagt Salomon Korn, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Frankfurts. „Wir wollen keinen Eklat“, sagt Dieter Graumann, der designierte Präsident des Zentralrats. „Aber wenn er mit einer Tirade gegen Israel beginnt, gehen wir raus.“

Frei nach einem uralten Hit der Sterne, möchte man Korn und Graumann zurufen: Was hat Euch bloß so ruiniert? Die Befürchtung, der Tag der Erinnerung an erlittenes jüdisches Leid könne instrumentalisiert werden von geschichtsvergessenen, geschichtslosen Judenhassern, ist nicht unberechtigt. Mittlerweile hat man als interessierter Beobachter des Geschehens jedoch den Eindruck, als ginge es den Damen und Herren vom Zentralrat nicht so sehr um Reichspogromnacht oder Shoa.

Zugespitzt formuliert: Nicht dass sich Auschwitz nicht wiederhole, scheinen sich diese Sachwalter jener Angelegenheiten, die mit allem zu tun haben, was Menschen jüdischer Herkunft, jüdischen Glaubens und jüdischer Identität hierzulande betrifft, auf die Fahnen. geschrieben zu haben. Im Sinne besagter Amts- und WürdenträgerInnen müsste man eigentlich die Adorno’sche Maxime umformulieren: Dass der Staat Israel nicht kritisiert werde … auch nicht von Juden. Wohlgemerkt: Es geht um einen Staat. Ob der Zentralrat, dessen Notwendigkeit und Verdienste ich im Übrigen in keiner Weise in Abrede stellen möchte,  so aus der (vermeintlichen) „Dauermeckerecke“ herauskommt?

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