Türkei als Schutzmacht eines binationalen Staates in Israel-Palästina?

Die Türkei in die EU? Nein, sagen Angela Merkel und ihre Kulturkrieger von der Union – die Türken sind einfach nicht wie wir. Dabei lässt Ankara so manches nicht unversucht, um es den jüdisch-christlichen AbendländlerInnen in Berlin und anderswo recht zu machen. Auch wenn man in dieser Hinsicht in letzter Zeit nichts Gutes mehr hörte: Die Türkei war lange – vielleicht ist sie das ja noch immer – Israels wichtigster Partner in jener Gegend, die hierzulande gern „Islamische Welt“, „Orient“ oder gar „Morgenland“ genannt wird, dabei außer acht lassend bzw. bereitwillig in Kauf nehmend, wieviel Kolonialismus beim Gebrauch solcher Vokabeln mitschwingt.
Apropos Kolonialismus: Coteret meldet einen Vorstoß Ankaras, bei dem ich -gerade in diesem Zusammenhang – Probleme habe, ihn mit den Adjektiven „interessant“, „bemerkenswert“ oder „merkwürdig“ so ohne Weiteres auszustatten. Angesichts des sich immer weiter zuspitzenden israelisch-palästinensischen Konflikts und mit Blick auf die Zukunft Israels als jüdischer Staat, prognostiziert der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu das Ende israelischer Souveränität, d.h. der Staat Israel wird, seiner Auffassung nach, aufhören, als Staat der Juden in staatlicher Unabhängigkeit zu existieren. Es werde zur Enstehung eines binationalen Staates kommen. Für diesen Fall bietet die Türkei ihre besondere Hilfe an. Coteret’s Didi Remez zitiert Ma’ariv:

Davutoglu’s vision, which he revisited a number of times, is for Turkey to become a dominant force in the Middle East and further, that it will be the protector state of the above-cited bi-national state within a number of years.

Um den historischen Zusammenhang klarzumachen – und vielleicht um diversen Kulturalisten des „Westens“ das Wort zu rden, verweist Davotuglu auf das osmanische Erbe:

That assessment is rooted in a deeper ideology that aspires to restore to Turkey the historic influence it wielded during the era of the Ottoman empire, which ruled the Middle East for close to 400 years. Davutoglu said on a number of occasions that he believed that peace would be restored to the Middle East only in the wake of deep and substantial Turkish intervention.

Das liest sich ein bißchen, als sollten diverse Räder zurückgedreht werden – bis zur Zeit vor Balfour 1917. Davutoglus Versuche, sich in der EU bzw. in der westlichen Bündnislandschaft endlich zu integrieren, werden allerdings fruchtlos bleiben, da bin ich mir sicher. Wie gesagt: Die Türken können handeln wie „wir“ – sie sind einfach nicht wie „wir“. Andernfalls hätte man auch in hiesigen Blättern von Ankaras Vorstoß gelesen.

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