Bundespräsident Wulff macht nur seinen Job.

Regt Euch ruhig auf über ihn: Bundespräsident Wulff in Israel:

Bundespräsident Wulff hat sich in Jerusalem für baldige Nahost-Friedensverhandlungen ausgesprochen. Dabei müsse Israel in der Siedlungsfrage und im Verhältnis zu den palästinensischen Nachbarn Entgegenkommen zeigen, sagte Wulff nach einem Gespräch mit Ministerpräsident Netanjahu.

Jaja, wird sich Bibi dabei gedacht haben. Und sonst?

Dieser [Bibi] betonte, Deutschland könne bei der Friedenspolitik im Nahen Osten eine Schlüsselrolle übernehmen und Israel unterstützen. Vor dem Gespräch mit Netanjahu hatte sich Wulff für die Freilassung des entführten Soldaten Schalit eingesetzt. Der Bundespräsident besuchte in Jerusalem die Eltern des Israeli, der im Jahr 2006 von der palästinensischen Hamas verschleppt worden war.

Regt Euch nur auf! Deutschlandweit schäumt es in den Leserkommentarspalten. Stellvertretend sei das Leserforum von Der Westen genannt. Da ereifert sich Imaz:

Was kann man von diesem politischen Windei
anderes erwarten als tiefste Unterwürfigkeit
gegenüber Israel. Das ist so und das wird von
den Deutschen noch einige 100 Jahre erwartet.

Ein Subidar, der es sich verbittet, dass sein Großvater als Verbrecher bezeichnet werde, stößt ins selbe Horn:

der Holocaust fand auf europäischem Boden statt, aber das kann kein Grund sein bis ans Ende aller Tage kritiklos die Politik des Staates Israel zu subventionieren ! Davon mal ab ( das soll KEINE Relativierung sein ! ), das sich nicht nur Deutsche / der deutsche Staat am Holocaust beteiligt haben – nur von allen Anderen hört man zu diesem Thema erstaunlicherweise nix – zu Mindestens keine seit über 60 Jahren andauernde Selbstkasteiung.

Regt Euch nur auf. Kein Zweifel: Wulffs Nahostreise dient nichts Anderem als der Propaganda. So weit, so sattsam banal. Als deutscher Bundespräsident gehört es für Wulff zum Tätigkeitsprofil, dem Staat Israel gegenüber sehr moderate Töne anzuschlagen. Wulff macht seinen Job so, wie es von ihm erwartet wird. Den Fehler seines Amtsvorgängers, der in Sache Afghanistan die Dinge einfach mal beim Namen nannte, wird Wulff sicher nicht begehen. Und überhaupt: Die Alternative – als Deutscher Israel stark zu „kritisieren“ – erleben wir, wie gesagt, in zahlreichen Leserkommentaren, wo sich Otto Normaldeutscher aka R:M ohne Rücksicht auf Verluste und Grammatik austobt:

Irgendwie ist jetzt aber auch mal jutmit unserer Vergangenheitsbewältigung.
Jedes Land hat Dreck am Stecken.
Nicht entschuldbare Massenmorde gab es schon VOR dem Holocaust und wird in einigen Ländern leider immer noch durchgezogen.
Ich fühle mich nicht dafür verantwortlich und bin auch nicht mehr bereit, mich dafür rechtfertigen zu müssen.
Amerika- Indianer
England- Sklaven
Türkei – Armenier usw.

Und genau deswegen sollte langsam mal Klartext gesprochen werden und diese beschämende *****kriecherei beendet werden.
Ich glaube, diese Welt hat weitaus größere Probleme zu bewältigen.

Da quillt sie nur so über, die Sprache der Verdinglicher, der autoritären Charaktere, der dummen Kerls. Nennt mich einen elitären Sack, aber da ist mir ein Präsident Wulff, der in Israel die wichtigen Fragen nicht stellt doch lieber.
Nur sollte er es in Zukunft einfach sein lassen, in Bezug auf Deutschlands wichtigsten Partner von Friedensbemühungen zu sprechen. Die Hoffnung, dass sich Wulff nicht nur für den israelischen Soldaten Shalit, sondern auch für die Abertausenden palästinensischen Zivilisten – darunter Alte und Kinder -, die ohne jeden Schuldspruch, gewissermaßen als Kidnapping-Opfer, in israelischen Knästen und Lagern eingesperrt sind, hege ich erst gar nicht. Ich bleibe aber dabei: Aus deutschnationaler Sicht gibt es keine Alternative zur Israel-Solidarität. Oder möchte sich ernstlich jemand die Bildzeitung pro-palästinensisch gewendet vorstellen? Was dabei herauskommen würde, wäre klarer als klar.

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7 Gedanken zu “Bundespräsident Wulff macht nur seinen Job.

  1. Auch wahr. Aber könnte nicht Deutschland mal ganz konstruktiv anfangen und allen staatenlosen Palästinensern in Deutschland, die ja laut Israel nie und nimmer ein „right of return“ haben dürfen, die deutsche Staatsangehörigkeit anbieten? DANN könnte man mal anderen Ländern wie dem Libanon das gleiche vorschlagen. Aber nicht, solange in D immer noch Leute seit über dreißig Jahren mit Duldung leben, deren Kinder weder Ausbildung machen noch sonst etwas dürfen.
    Und solange es für diese Palästinenser keine Alternative gibt, bleibt nur, für das Recht auf Rückkehr zu kämpfen – und Wulff kann mich mal … in Gaza besuchen, inshaAllah.

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      1. Das wird offensichtlich nie diskutiert, jedenfalls nicht öffentlich.
        Den Verzicht auf das Rückkehrrecht für Palästinenser zu fordern, ist ganz schön billig, wenn man einfach darüber hinweggeht, dass es sich dabei um Millionen Staatenlose handelt, die irgendwo in Provisorien leben.
        Es gibt Länder, die das Problem nicht in der Art mitgezogen haben, weil sie ihre Staatsangehörigkeit erteilt haben. Aber das ist, soweit ich es beurteilen kann, eher eine Minderheit. Die in anderen Ländern lebenden staatenlosen Palästinenser (und dazu gehören auch solche mit Jordanischen Pässen ohne Nationalnummer) vererben ihre Staatenlosigkeit über Generationen weiter. Wo sollen die hin?

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        1. Diese Menschen kommen nur als „Staatenlose“ in die Schlagzeilen – und dann auf eher negative Weise, wobei „staatenlos“ eine ähnliche Wirkung haben soll wie seinerzeit „Vaterlandsverräter“, „Zigeuner“ oder eben „Diaspora-Juden“…

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