Bahnt sich da eine deutsche dual-loyalty-Debatte an?

Zu den Obsessionen eines Philip Weiss gehört das Thema der (unterstellten, vermeintlichen) „dual loyalty“(z.B. hier oder da oder auch dort) amerikanischer Juden. Seine These lautet:

Zionism won over the entire American Jewish establishment and built the Israel lobby.

Die Diskussion um die vermeintliche/reale Israel Lobby (ob es nun um das Buch mit gleichem Titel ging oder auch nicht) förderte  nicht nur die absolut Israel-hörige Haltung breiter Teile des amerikanischen Establishments zutage, sondern machte umgekehrt leider auch Leute zu Stammkommentatoren bei MondoWeiss, die mehr oder weniger direkt ihrer Haltung Ausdruck verliehen, dass Juden letztendlich kein Recht hätten, Einfluss auf gesellschaftliche Prozesse in den USA nehmen zu wollen, wenn sie immer wieder ihre Liebe und Treue zu Israel zum Ausdruck brachten.

Von den USA zurück in heimatliche Gefilde: Anna fragt:

Angela Merkel hat die jüdischen Gemeinden in Deutschland als positives Beispiel für eine gelungene Integration gewürdigt. Die Bundeskanzlerin war halt noch nicht dabei, wenn Rabbiner  am Ende von Jom Kippur in von Steuergeldern finanzierten deutschen Synagogen die israelische Nationalhymne anstimmen. Oder wenn am Schabbat das Gebet für den Staat Israel und die israelische Armee gesprochen wird. Ich habe da nichts dagegen, aber ich kann auch echt kein Bekenntnis zum deutschen Staat im Sinne einer „gelungenen Integration“ erkennen.  Und dass mir jetzt niemand mit der besonderen Bedeutung des Staates Israel für Juden kommt. Dass es auch anders geht, sieht man in Großbritannien: dort betet man in den Synagogen für die Queen. Ich kann das politisch korrekte Gefasel unserer Politiker nicht mehr hören.

(via Don’t you believe the hype) Ein nicht unberechtigter Einwand, den Anna da gegenüber unserer Bundeskanzlerin deutlich macht. Ich möchte auch nicht unfair sein, verstehe ich Annas Worte doch als Seitenhieb auf die gerade auch aus Unionskreisen immer wieder vorgebrachte Forderung an „die“ Muslime hierzulande, sich doch „endlich“ oder zumindest „besser“ zu integrieren, was immer „integrieren“ auch heißen mag. Und doch bin ich sehr gespannt, ob besagter Blogpost nicht am Anfang einer Debatte stehen könnte, in der es ebenfalls um die Frage der sog. „Staatstreue“ von Jüdinnen und Juden in diesem Lande geht. Wenn ich mir anschaue, wie sich der Diskurs in Sachen Islam gestaltet, wird mir allerdings Angst und Bange.

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3 Gedanken zu “Bahnt sich da eine deutsche dual-loyalty-Debatte an?

  1. I enjoy reading your blog and am interested in understanding the nuances between progressive Jews in Germany and the US. Obviously our histories influence how we perceive our own (and each other’s) realities. Two huge differences between us are German history and the American Israel lobby (not exclusively, but strongly, Jewish) and the neoconservatives.

    In understanding your post I listened to the Spitzer/Dershowitz interview. If you’ve ever heard Mr. Dershowitz in person you know he’s an unapologetic apologist for all things Israeli, good or evil. It was not a surprise that he received the invitation from Netanyahu to become the Israeli ambassador to the UN. It was also not a surprise that he — as an American — would turn it down. However, I agree with Mondoweiss that his momentary squirming while considering the offer does demonstrate that Dershowitz really has to think for a moment about which constituency he wants to represent. But book sales as the #1 American apologist are still brisk.

    The kernel of Phil Weiss‘ argument (to which you take offense) is in this piece:
    http://mondoweiss.net/2009/03/charles-lane-in-the-washington-post-correctly-identifies-chas-freemans-parting-shot-when-he-lost-his-job-earlier-this-week-as.html

    Weiss actually omitted a number of examples he could have listed. For example, a number of Jewish Congressmen (including mine) are now speaking out against the Wikileaks disclosures but are also asking for Jonathan Pollard’s release. Pollard himself, as an American spy for Israel, is the poster boy for the dual loyalty label. If you have not read Jacob Heilbrunn’s excellent „They Knew They were Right,“ read it. Heilbrunn paints an unflinching picture of what no one can describe in any other way besides „dual loyalties“ among neoconservatives — and they were his friends.

    Of course dual loyalty is so fraught with other associations in Germany that your reaction to Weiss‘ recurring charges is understandable. But when people like Robert Kraft would keep their son out of the US army yet send him to Israel, I think Weiss is 100% correct that the phenomenon exists.

    And let’s not forget about making aliyah. When someone leaves the US or Canada for Israel, is there really any question of which country the emigrant loves best? For all those who make aliyah and do emigrate, there are several thinking about it. And that’s dual loyalty too.

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    1. „Of course dual loyalty is so fraught with other associations in Germany that your reaction to Weiss’ recurring charges is understandable.“

      This is why I find your responses and comments so very interesting.
      And thank you for your very warm words at the beginning! They positively warm the cockles of my heart :-).

      Gefällt mir

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