Die Welt streut „berechtigte Sorgen“ – in einem Artikel „gegen“ religiöse Intoleranz!

Spekulieren kann man darüber, wie um alles in der Welt es Rainer Haubrich geschafft hat, foldenden Absatz in Springers Intelligenzvortäuschungsblatt zu platzieren:

Dass mehr als die Hälfte der Deutschen Vorbehalte gegenüber dem Islam hat, mag man angesichts der Nachrichten über Terrorwarnungen, Ehrenmorde und Gewalt noch nachvollziehen. Doch auch gegenüber Hinduisten und Buddhisten, die kaum jemand persönlich kennen dürfte und die nicht in den Schlagzeilen sind, ermittelte die Studie eine viel höhere Ablehnung, als das in den Nachbarländern der Fall ist. Besorgniserregend aber ist vor allem, dass offensichtlich rund ein Drittel der Deutschen eine negative Haltung gegenüber Juden hat. [Hervorhebungen von mir]

Warum ist es so schwierig, anzuerkennen, dass Islamfeindschaft und Judenfeindschaft besorgniserregend sind? Man muss diese Haltungen nicht gleichsetzen, um sie beide falsch zu finden. Auch der unmittelbar folgende Satz in Haubrichs Text gibt Anlass zum Stirnrunzeln:

Eine Frage fehlt in der Studie allerdings, und sie hätte das Bild um einen vielleicht interessanten Aspekt bereichtert [sic!]: Wie denken die nicht-christlichen Deutschen eigentlich über Christen?

Spekulieren kann man auch darüber. Aber mal ehrlich: Muss man das noch? Spekulieren? Muss man dafür nicht mit einem gerüttelt Maß an Begriffsstutzigkeit geschlagen sein, um nicht zu erkennen, dass Haubrich hier das Klischee von der islamisierten Gesellschaft mit dem Vorwurf, „der“ Islam verfolge alle Christen kombiniert – und es dabei doch nur bei Andeutungen belässt?

Die Welt, intellektuell seit jeher in den roten Zahlen, mag bei Zeitungslesern, die Wert legen auf journalistische Unabhängigkeit und demokratischen Anstand, ein Schattendarsein führen. Als Produkt des Springer-Verlags vermag sie allemal, vorhandene Haltungen in der hiesigen Gesellschaft wiederzugeben und zu befördern. Das wissen auch die politisch Herrschenden. Eine Nachricht wie diese kann demnach kaum überraschen. Die Welt bringt das berühmte „gesunde Volksempfinden“ zum Ausdruck und appelliert an dasselbe. Bei diesem Stichwort fühle ich mich erinnert an Hoyerswerder ’91, Rostock ’92 und Solingen ’93. „Berechtigte Sorge der Bevölkerung“ war ein weiteres Schlagwort damals. Für die von Haubrich gegenüber Islamfeindlichkeit zum Ausdruck gebrachte Verständnis ließe sich ohne Weiteres mit ebendieser Worthülse umschreiben.
Letzten Endes macht sich Haubrich gar nicht einmal so große Sorgen angesichts „unserer“ Intoleranz. Ähnlich wie Kohl, Seiters und Schäuble zu Beginn der Neunziger Jahre bereitet ihm allenfalls das Bild, das Deutschland „nach außen hin“ vermeintlich abgibt, d.h. vor den als wesentlich und würdig erachteten Bündnispartnern, Bauchweh.

Dank an Al-Samidoun.

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