PayPal und Co: Probleme mit WikiLeaks, aber nicht mit jüdischen Siedlungen.

Bernard Keane über den Nutzen bestimmter Kreditkartensysteme bei der finanziellen Unterstützung jüdischer Siedlungen in von Israel besetzten Gebieten:

* Die Shuva Israel-Gruppe, eine evangelikale christliche Gruppe in Texas, wird von der israelischen Gruppe Gush Shalom beschuldigt, Geld zu sammeln für die Finanzierung der illegalen Siedlung Revava in der West Bank. Laut der Shuva Israel-Website kann man via Mastercard, Visa und PayPal spenden.

* Der One Israel Fund (Fonds für ein Israel), der im Bericht der International Crisis Group als Beispiel angeführt wird, brüstet sich, „die größte nordamerikanische Wohltätigkeitsorganisation zu sein, deren Bemühungen ausschließlich den Bürgern und Gemeinschaften von Yesha zugute kommen“. Laut der Website kann man Spenden an den One Israel Fund per Mastercard, Visa und Amex überweisen.

* Die Website einer weiteren rechtsgerichteten christlichen Gruppe, der Christian Friends of Israeli Communities (christliche Freunde israelischer Gemeinden) beschreibt Unterstützungsmöglichkeiten für Siedlungen wie Argaman, die nach Internationalem Recht illegal sind. Man kann für sie, wie die Website sagt, via Mastercard, Visa und PayPal spenden.

* Eine der bekanntesten Gruppen ist der Hebron Fund, der im Mittelpunkt einer Auseinandersetzung im Jahr 2009 stand, als die New York Mets (bekannter Baseball-Club) dafür kritisiert wurden, dass sie ein Spendensammlungs-Dinner für diese Gruppe abhielten. Diese stellt extensive Unterstützung für die außerordentlich aggressive Siedlerbewegung in Hebron zur Verfügung, die von einer israelischen Gruppe als „fortwährendes Kriegsverbrechen“ bezeichnet wird, während der Fonds selbst in Verbindung gebracht wurde mit Beifall für einen israelischen Massenmörder. Laut Website sind Spenden über alle größeren Kreditkartenfirmen möglich.

* Die schlimmste von allen ist die extremistische SOS Israel Group, die sich sogar die Wut des israelischen Militärs zugezogen hat, indem sie israelische Soldaten belohnt, die sich Befehlen widersetzen, Siedler von illegalen Außenposten zu entfernen (also Aufruf zur Meuterei), und die ein Kopfgeld ausgesetzt hat für Palästinenser, die von israelischen Soldaten erschossen werden. Die SOS Israel Website weist auf eine Reihe von Möglichkeiten hin, „großzügige Spenden“ zu leisten, einschließlich Kreditkarten. Crikeys Spende von $ 2 via Visa gestern abend wurde anstandslos angenommen.

Mastercard, Visa und PayPal haben ihre Dienste zur Spendenaquirierung für WikiLeaks bekanntlich eingestellt – PayPal unter dem Hinweis, WikiLeaks verstoße gegen geltendes US-Recht. Handelt es sich bei jüdischen Siedlungen in der Westbank und in Ostjerusalem nicht samt und sonders um illegal errichtete und betriebene Kolonien? Wird da nicht Raub palästinensischen Landes betrieben? Und Siedler – geraten die nicht desöfteren in die Schlagzeilen für die eine oder andere Jagd auf (bevorzugt wehrlose) Palästinenser? Oder mache ich mich da einer Form der „verkürzten Kapitalismuskritik“ schuldig?
Noch etwas zum Gebrauch des Begriffs „jüdische Siedlungen“. Über „Siedlungen“ möchte ich dabei gar nicht sprechen, aber bevor mich jemand fragt, ob ich nicht lieber von israelischen Siedlungen sprechen könne: Ich wüsste nicht, dass auch Palästinenser mit israelischem Pass in besagten Siedlungen wohnten. (Für anderslautende, verlässliche Informationen wäre ich natürlich dankbar.)

3 Gedanken zu “PayPal und Co: Probleme mit WikiLeaks, aber nicht mit jüdischen Siedlungen.

  1. Es gab auch eine Meldung, dass mindestens eines dieser Geldtransferinstitute kein Problem damit habe, wenn Spenden für den Ku-Kux-Klan bestimmt seien. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.
    Bei Wikileaks wird jetzt öffentlich gemacht, was viele Muslime seit fast zehn Jahren erleben ….

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