Rechtsextreme Israelsolidarität: Bundesdeutsche Geschichtspolitik auf die Spitze getrieben

Auch Bernhard Schmid macht sich so seine Gedanken über Liebesbekundungen an die Adresse des Staates Israel durch maßgebliche Rechtsextremisten in Europa. So unterscheidet er zwischen zwei Lagern. Die Einen betreiben ihren Rassismus gegen Muslime aus einer sehr opportunistischen „Sorge um Israel“:

Den Einen beispielsweise geht es darum, sich tunlichst (im eigenen Interesse und vordergründig) von der braunen Vergangenheit abzugrenzen und auf die Suche nach bürgerlichen Bündnispartnern zu begeben. Dazu betonen sie, nein, ein „Judenproblem“ hätten sie nun wirklich nicht – wozu sie „zum Beweis“ laut ihre Unterstützung für den Staat Israel herausbrüllen. Diese Masche ist übrigens mitnichten neu: Viele Altnazis in der westdeutschen Nachkriegsrepublik, die in der jungen Bundesrepublik von Braun nach Schwarz mutierten, posaunten in der Springerpresse und im Umfeld der CDU ihren neu erworbenen Philosemitismus umso lauter heraus.

Die Anderen repräsentieren die „old school„:

Sie prangern an, dass man drohe, sich von der Bourgeoisie – die als Ansammlung jüdischer und anderer „Lobbys“ oder Verschwörerkreise imaginiert wird – „einkaufen“ zu lassen.

In der Zusammenfassung:

Stellen manche Rechtsextreme deswegen den Staat Israel als Hort des Bösen und Quasi-Sitz der Weltverschwörung dar, so ist er den anderen ein „Fels in der Brandung“ und „Trutzburg der Zivilisation“. Ähnlich wie Europa es den Rassisten zufolge tun müsste, indem es sich gegen Einwanderung und seine südlichen Nachbarn abschotte, führe Israel vor, wie man als Wagenburg in einer feindlichen und als „barbarisch“ beschrieben Umgebung überlebe und sich mit harten militärischen Mitteln zur Wehr setzen müsse.

Was lernen wir daraus? Dass der Antisemitismus noch immer ein Problem ist? Dass Rassisten u.U. auch zu Opportunismus neigen? Ich glaube am ehesten, dass sich pro-israelische Rassisten verordnete Haltungen zum Judentum und zum Staat Israel zu eigen gemacht haben. Besser gesagt: Sie treiben auf die Spitze, was in der Bundesrepublik Deutschland seit jeher als Geschichtspolitik hochgehalten wurde: Opportunismus, der nichts mit Empatie oder Solidarität mit NS-Opfern, dafür umso mehr mit Vordergründigkeit, Oberflächenwirkung und ganz viel „Entschuldung“ (Eike Geisel) zu tun hat. (Dumm nur, dass ausgerechnet jene, die sich immerzu auf Eike Geisel berufen, mittlerweile einiges zu tun haben, wollen sie sich von Wilders, Strache, Pro-… und Co glaubhaft distanzieren.)

Doch, so Schmid, ist und bleibt seltsam,

warum man diesen Herren – von denen zumindest einige in unzweifelhaft (post)nazistischer Tradition Politik betreiben – nicht die Einreise in den Staat Israel verweigert hat, was bei anderen Individuen mitunter aus weitaus nichtigeren Gründen geschieht.

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