Asymmetrische Berichterstattung

Wie sehr hiesige Medien – gerade jene, die im Rufe stehen, respektabel und unbestechlich zu sein – wie sehr ebendiese Medien inhaltlich asymmetrische Sprachregelungen und in Sachen Israel-Palästina verinnerlicht haben und entsprechend weiterverbreiten, veranschaulicht das Beispiel der Deutschen Welle. Ein Friedensprozess im Nahen Osten soll sich „wieder“ in Gefahr befinden, so kündet die Überschrift des hier verlinkten Beitrags. Danach dann dies:

Nach dem Tod zweier Palästinenser im Gazastreifen droht die Situation zwischen Israel und der Hamas zu eskalieren. Zudem warnt Israel vor einer weltweiten Anerkennung Palästinas.

Weiss Gott, sollte es noch irgendjemanden geben, der auf das, was sich seit 1993 Friedensprozess nennt, noch einen traurigen Pfifferling zu geben bereit wäre, dieseR Jemand bekäme es mit Fug mit der Angst zu tun. Das israelische Töten im Gazastreifen beginnt wieder. Und auf diplomatischem Parkett stößt derselbe Staat Drohungen aus. Leider deckt sich diese Auffassung in keiner Weise mit der Aussage des oben verlinkten Textes. Nun geht es erst richtig los. Der geneigte Leser erfährt, dass nicht Israel das tote Pferd namens Friedensprozess zum Metzger reitet, sei es durch Mordanschläge oder durch irgendwelche diplomatische Husarenreitereien. Nein nein:

Die radikale Palästinenserorganisation Hamas hat Israel mit neuen Angriffen gedroht, sollte sich die Lage an der Grenze zum Gazastreifen nicht beruhigen.

Und so bringt Hamas den Friedensprozess „wieder“ in Gefahr. Man muss kein Hamas-Freund sein, um hier verstört zu sein.

Es bleibt wie es seit jeher war – besonders in Hochzeiten dessen, was als Friedensprozess doch nur dazu dienen sollte, die endgültige Niederlage der Palästinenser in jene Geschichte eingehen zu lassen, die von den Sachwaltern sich aufgeklärt dünkender Realpolitik des „Westens“ seit jeher als Wahrheit verkündet wird. Israelis töten, zwei Menschen sterben, Palästinenser drohen.  Und werden zur Gefahr erklärt. Zur Gefahr für etwas, was ohnehin nicht toter sein könnte. Und wenn die Autorin des DW-Textes dann auch noch Außenminister Liebermann das Totenglöcklein schlagen lässt, fällt einem ohnehin nichts mehr ein:

Der israelische Außenminister Avigdor Lieberman erklärte dagegen, ein Friedensabkommen mit den Palästinensern sei unter den derzeitigen Bedingungen nicht möglich.

So sieht er aus, der Nahost-Qualitätsjournalismus zwei Jahre nach dem Gaza-Massaker.

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