Zerstörung und Zerstörung- oder: Ein historisches Bild aus Jerusalem, 1967

Die Jerusalemer Westmauer kurz nach der Zerstörung des Maghrebinischen Viertels, 1967.
Die Jerusalemer Westmauer kurz nach der Zerstörung des Maghrebinischen Viertels, 1967.

Nein, ich bin kein Fan, weder der Taliban, noch der gegenwärtigen Regierungen in den arabischen Staaten. Das muss ich auch nicht, um dennoch den Kopf zu schütteln darüber, was jüngst in der wohl wichtigsten Zeitung der „westlichen Welt“ zu lesen war.

Groß war die Empörung im März 2001, als berichtet wurde, die zur damaligen Zeit im Lande herrschenden Taliban  seien verantwortlich für die Zerstörung uralter Buddha-Statuen im afghanischen Bamyan-Tal. Ähnlich indigniert zeigt man sich bei der New York Times ob der Zerstörungswut bzw. Nachlässigkeit diverser arabischer Regierungen in den 1950er und 60er Jahren:

„In the 1950s and ’60s nationalist governments in countries like Egypt, Syria and Iraq typically viewed the congested alleys and cramped interiors of historic centers not as exotic destinations for tourists but as evidence of a backward culture to be erased. Planners carved broad avenues through dense cities, much as Haussmann had before them in Paris. […] Neighborhoods were sometimes bulldozed to clear space around landmarks so they would be more accessible to tourists.“

Was geflissentlich übergangen worden ist von der NYT, beschreibt Khelil bei Mondoweiss:

Three days after the 1967 War and the conquest/annexation/occupation of East Jerusalem, Israeli bulldozers [pictured above] were sent into to destroy the ancient, 800-year old Maghrebi (Moroccan) Quarter facing the Wailing Wall in order to establish a „clear space,“ to quote the Times, „so [it] would be more accessible to tourists [and, primarily, Jewish worshipers].“ Over 600 Palestinians living in the quarter were evicted with the sham „compensation“ of 200 Jordanian dinars. And this was done swiftly, families were given a few hours to round up their belongings, to create ‚facts on the ground‘ prior to the passing of UN Security Council resolution 242 which called for withdrawal from occupied territories. 135 homes and the al-Buraq mosque, along with the Bou Medyan school were demolished; two years later another mosque and school were leveled. Some Palestinians who refused to leave died in the rubble as homes were torn down. 100 Arab families were left homeless.

Im Jargon der NYT:

Neighborhoods were sometimes bulldozed to clear space around landmarks so they would be more accessible to tourists.

Von der momentan stattfindenden Zerstörung des historischen Marmilla-Friedhofes in Jerusalem ganz zu schweigen, der bekanntlich einem sog. Toleranzmuseum weichen soll. Wie so oft geht es maßgeblichen Meinungsmachern nicht so sehr um die Benennung und Beschreibung von Unrecht, sondern um das Einhalten des Rasters „Würdige und unwürdige Opfer“ bzw. „Nützliche und unnützliche Zerstörungen“.

Für mich stellt das Bild oben einen faszinierenden Fund dar. Bisher war es mir noch nicht vergönnt, die israelischen Zerstörungsaktionen kurz nach Ende des Junikriegs 1967 im Bild zu betrachten.

Ein Gedanke zu “Zerstörung und Zerstörung- oder: Ein historisches Bild aus Jerusalem, 1967

  1. Da empfehle ich einen Besuch im Historischen Museum in Jerusalem, im jüdischen Teil der Altstadt. Da wird auch dieser Teil der Geschichte beschrieben, mit einer Menge guter Fotos, auch von den archäologischen Untersuchungen, die auf den Abriss des marrokanischen Viertels folgten. Da ist seinerzeit der einzige Besucher war, habe ich das Gefühl, dass das Museum wenig bekannt ist.

    Gefällt mir

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s