Ist das peinlich!

Bei BDS handelt es sich für unseren Zusammenhang mal nicht um die Abkürzung für den Bund Deutscher Sportschützen oder den Bund der Selbständigen.

Mal ganz davon ab, dass ich mir selbst wirklich nicht so ganz im klaren bin, was ich von  Boycott-Divestment-Sanctions – halten soll – einerseits stellt BDS eine gewaltfreie Widerstandsstrategie dar, die dazu beitragen könnte, dass z.B. israelische Produkte aus den Siedlungen in den Besetzten Gebieten keinen Absatz mehr finden würden, andererseits hat Schlesinger durchaus nicht unrecht: Ein Boykott israelischer, zumal jüdischer, Waren weckt – geade im deutschen Kontext – Assoziationen mit „Kauft nicht bei Juden“. Ebendiese Problematik war es, die den  Betreiber  des von mir sehr geschätzten Transatlantikblogs zu einer Wortmeldung während der Veranstaltung einer sog. „Dialog“-Gruppe nötigte. Doch Dialog war von der Karte gestrichen. Was von anwesenden Fürsprechern gefordert wurde, war nichts anderes als unkritische Parteinahme „für Palästina“. Wer differenziertere Überlegungen anzustellen versuchte, wie eben Schlesinger, wurde als Quertreiber beschimpft, der das Gelingen der Dialogveranstaltung aufs Spiel setze. Von zwei Leuten durfte er sich beschimpfen lassen, ohne die Chance auf eine Erwiderung zu erhalten:

In der unverhohlenen Schärfe in der die beiden ihre Entgegnung vorbrachten – es waren ja formal betrachtet keine Argumente, sondern lediglich (Ab-)Wertungen – schienen sie mich für einen zionistischen Agenten gehalten zu haben.

Ich musste an George W. Bush denken.

In der Folge von 9/11 hat er die Welt ebenso zynisch wie radikal geteilt in “with us or against us!“.

So ist das in Nahostsolidaritätsgefilden hierzulande allzu oft: Ob Israel, Palästina, ob BDS oder nicht – letztlich geht es doch um nichts anderes als das Abschalten von Geist. Ist das peinlich!

17 Gedanken zu “Ist das peinlich!

  1. Was ist denn peinlich? Dass die Leute sich nicht als Antisemiten beschimpfen lassen wollten, nur, weil sie zu gewaltfreiem Widerstand aufrufen? Deutsche, die BDS unterstützen, sind Nazis? Nicht-Deutsche hingegen dürfen BDS ruhig unterstützen, weil das ja keine Assoziationen weckt? Oder wie soll man Schlesingers Einwurf verstehen? Im Grunde sagt er doch, dass Deutsche besser die Klappe halten sollten, um ihren guten Ruf nicht zu gefährden. Das könnt ihr doch nicht ernst meinen!?! Habt ihr euch denn überhaupt nicht mit der Geschichte Südafrikas beschäftigt? Findet ihr, dass der Boykott damals „anti-weiß“ war und illegitim? Hätten Deutsche damals Südafrika nicht boykottieren sollen, um Assoziationen zu vermeiden? Oder geht das nur dann nicht, wenn diejenigen, die boykottiert werden, zufällig jüdisch sind? Also, sorry, aber das Schlesinger beleidigt ist, weil so ein oberflächlicher Einwurf nicht ernsthaft behandelt wird, ist dann schon eher peinlich.

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    1. „Im Grunde sagt er doch, dass Deutsche besser die Klappe halten sollten, um ihren guten Ruf nicht zu gefährden. „

      Das sehe ich anders. Schlesinger regt lediglich eine differenzierte Wahrnehmung der Dinge an. Und wenn es schon so wichtig ist, seine Meinung als Deutscher – und nicht einfach nur als Mensch, der sich für das Wohlergehen aller Menschen, für Frieden und Gerechtigkeit einsetzt, kundzutun, dann frage ich mich, wie das anders gehen soll als wie von Schlesinger vorgeführt?

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  2. Bin mir nicht sicher ob ich auf Lara antworten soll, da ihre Signalwörter wie „beleidigt“ und „oberflächlich“ darauf hindeuten, dass sie nicht argumentieren, sondern möglichst schnell mundtot machen will.
    Es geht nicht darum, als Deutsche „die Klappe zu halten“, sondern darum, was für Deutsche angeraten ist oder aus bestimmten Gründen eher nicht angeraten ist. Jeder Schauspieler kennt den Satz „Kenne Dein Publikum“ und ist gut beraten, diesen Satz zu befolgen. Naiv sind die, die meinen mit „Wahrheit“ (was immer das sein mag) immer direkt ans Ziel zu gelangen.
    Das Ziel ist eine Beeinflussung israelischer Politik von Deutschland aus? Und wenn nun eine deutsche Beteiligung an BDS die Wagenburgmentalität in Israel (und den USA) nur verstärken und eine Lösung damit aufschieben würde?
    Gewiß: Den eingefleischten Israel-Kritikern würde aus großer Distanz extrem leicht fallen zu schimpfen „schaut wie sie sich abschotten, war ja klar!“. Schön für die eigene Meinung, aber schlecht für das zuvor offiziell abgegebene Ziel. Die Betroffenen unten im Land sollen es halt aussitzen.
    Nochmals: Es geht nicht um die Frage ob „die Welt“ sich an BDS beteiligen soll. Es geht nur um eine deutsche Beteiligung.
    Die Fürsprecher eines Boykotts tun gerade so als würde sich ein Boykott isolieren lassen auf Benjamin Netanjahu und Avigdor Lieberman. Dann wäre ich auch dabei.
    Aber in der Praxis trifft es nolens volens viele, die eben nicht für SODA in der West Bank arbeiten. Ich bin in Israel mehreren Holocaust-Überlebenden begegnet. Die Vorstellung solche Leute auch nur indirekt in eine Lage zu bringen, in denen sie oder ihre Familie sich sagen müssen „die Deutschen boykottieren uns, aber sie sagen es sei zu unserem Besten“ ist mir ein Gräuel.
    Deutschland hat viele Dutzend politische, kulturelle und ökonomische Aktionsbereiche, in denen es agieren kann. Es muss nicht ein Boykott israelischer (=jüdischer Waren sein) sein.
    Nach der besagten Veranstaltung suchte mich ein Teilnehmer eindrücklich davon zu überzeugen, dass die Deutschen sehr wohl Israel boykottieren müssten, da die Politik hier vollkommen versagen würde.
    Als ich ihn darauf hinwies, die Bundesregierung würde gar nicht so wenig machen, denn immerhin habe zum Beispiel der nahostpolitische Berater von BK Merkel unlängst den stellvertretenden US Außenminister bedrängt gegen die israelische Besatzung vehement vorzugehen* (wer hat ihn bzw. Frau Merkel dazu gezwungen?), kam nur ungläubiges Staunen. Das fügte sich nicht ins übliche Schwarz-Weiß-Schema.
    Es gibt kluge und unkluge Politik. Für Deutschland wäre BDS eher unkluge Politik. Man kann auch anders agieren.
    * siehe Wikileaks

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    1. Hallo, ich antworte in einem auf beide:

      Es ging bei meinen Fragen nicht darum, wie effektiv so ein Boykott i.a. sein kann oder im Falle Südafrikas war, sondern darum, dass ich die Gleichsetzung von BDS mit der „Kauft-nicht-beim-Juden“-Kampagne der Nazis für eine oberflächlich betrachtet nachvollziehbare Assoziation (gerade) deutscher Menschen halte, diese Gleichsetzung einer näheren Überprüfung aber nicht standhält.

      Das Beispiel Südafrika zeigt doch, wie unsinnig so eine Gleichsetzung ist, da muss man noch nicht mal die Texte lesen, mit denen palästinensische Organisationen ihren Boykottaufruf erklären. Entweder ist jeder Boykott so illegitim wie der der Nazis (dann sollten wir uns allerdings auch nicht am Boykott des Irans beteiligen oder dem Gazas) oder es gibt Unterschiede, die den einen Boykott zu einem rassistischen machen und die anderen legitimieren. Es war für Deutsche legitim, keine südafrikanischen Waren zu kaufen, wieso also sollte man Israel nun eine Sonderrolle zuweisen? Und ausgerechnet wegen des jüdischen Charakters dieses Staates. Als Deutscher.

      Merkt ihr nicht, wie merkwürdig so eine Argumentation ist, wenn man davon ausgeht, das derjenige, der sie verwendet, keine Unterschiede aufgrund von Herkunft, Religion, etc. macht…?

      Des weiteren habe ich Probleme damit, wenn „gerade von Deutschen“ (@Schmok, wg. Holocaust) eine erhöhte Sensibilität gefordert wird – als wäre das kein Anspruch, den man an jeden aufgeklärten Menschen stellen müsste, egal, wo er geboren sein mag und ganz egal, ob es sich um gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit gegenüber Juden oder eine andere Gruppe handelt.

      Was du (auch noch @Schmok) über die Karrierechancen politischer Aspiranten im deutschen Politikbetrieb sagst, ist ja ganz richtig. Aber von deutschen Politikern erwartet doch niemand wirklich was in dieser Richtung. Also, ich jedenfalls nicht und nachdem nun alle nachlesen können, wie ehrlich die USA als Hauptantriebskraft der total vermurksten Nahost-Politik der letzten Jahrzehnte so waren, erwartet von unseren braven Transatlantikern in Berlin wohl auch sonst kein halbwegs informierter Beobachter etwas anderes. Bei den Allianzen, die dann entstehen könnten, habe ich auch heftige Bedenken, aber nur, weil sich Nazis an einen dranzuhängen versuchen könnten, von legitimen, gewaltfreien Widerstandsformen oder Demonstrationsmöglichkeiten abzuraten, halte ich für eine Art Selbstmord aus Angst vor dem Tod. Man muss halt aufpassen, mit wem man zusammenarbeitet und sollte nicht – da gebe ich Printe recht – blindlings irgendwelche Soli-Adressen abgeben und einfordern.

      Was mich zum letzten Punkt führt:

      @Schlesinger: Ich wollte dich doch nicht mundtot machen – oberflächlich fand ich deine Betrachtungsweise, nicht dich persönlich, und das mit dem beleidigt – das war nur mein Eindruck von deinem Artikel, aber, ja, das hätte ich mir sparen können. Tut mir leid, wenn das bei dir so angekommen ist, als wolle ich dir über den Mund fahren. Aber eins kann ich mir dann doch nicht verkneifen: Wenn du dich schon von „beleidigt“ und „oberflächlich“ eingeschüchtert fühlst (bzw. die Intention zur Einschüchterung vermutest), meinst du nicht, dass deine Gleichsetzung von deutschen BDS-Befürwortern mit Nazis einen ähnlichen Effekt haben könnte? Was vielleicht die Heftigkeit der Reaktion erklären könnte?

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  3. Trennen wir doch mal den moralischen und den politischen Aspekt, Lara. Ich habe mich bisher bei diesem Thema auf meinem Blog sehr zurückgehalten, weil ich es in mehreren Punkten problematisch finde.

    1. Politisch: Ja, die Anti-Apartheidsbewegung und der Boykott Südafrikas (der ja vielmehr von Staaten als von Bürgern betrieben wurde) hat Südafrika geschwächt. Die Apartheid abgeschafft? Das ist ein Mythos. Südafrika schaffte die Apartheid erst (selbst!) ab, als die USA keinen Vorposten mehr gegen den afrkanischen „Kommunismus“ brauchte. Erst nachdem der Ostblock sich sagte, dass er mit seinem Realsozialismus nicht mehr hinter den Westen herkommt und jetzt auf Marktwirtschaft umstellen will, erst da gab es keinen Grund mehr dieses Regime aufrecht zu erhalten. Insoweit weiß ich nicht, ob ein Boykott wirklich lohnenswert ist. Das ist in meinen Augen genau so ein Nonsens wie zu behaupten, die amerikanische Anti-Kriegsbewegung habe den Vietnamkrieg beendet. Nein, das waren die Vietcong und die nordvietnamesische Armee, die der Supermacht in den Hintern getreten haben, und nicht ein paar langhaarige kiffende Hippis in Oregon. Viele Leute reden sich Erfolge schön, wenn der Erfolg doch darin besteht, dass das Gegenüber einfach sieht, dass es sich exkulpieren kann, wenn es manchen Forderungen nachkommt. Beispiel Südafrika: Da haben sich die politischen, nicht aber die ökonomischen Verhältnisse geändert.

    Und selbst wenn, dann bleibt noch die Frage, wie effektiv man einen Boykott veranstalten kann. Gerade in den Staaten oder in GB beschließen Gewerkschaften und Studentenparlamente immer öfter sich der BDS anzuschließen. Dass dies Druck auf Israel ausübt, sieht man ja, sonst würde Israel nicht versuchen diese Bewegung mit allen Mitteln zu bekämpfen. Muss das dann auch alles für Deutschland richtig sein?

    2. Deutschland: Ob die BDS-Bewegung legitim ist oder nicht, das spielt keine Rolle. Und wäre zusätzlich zu diskutieren (gerade durch einen wirtschaftlichen Boykott treffe ich ja gerade die normale Bevölkerung, und eben nicht den Staat). Sondern: ist sie realistisch in Deutschland? Und da muss man, gerennt davon, ob man sie für legitim hält, sagen: Nein. In Deutschland ist es politischer Selbstmord sich der BDS-Bewegung anzuschließen. Und das ja nicht ohne Grund. Warum soll man sich denn einem solchen blinden Aktionismus, der von allen Seiten als Antisemitismus gebranntmarkt wird, anschließen? Nur, um sich gesellschaftlich ins Aus zu schießen? Hier geht es nicht um das Brechen einer Blockade oder Druck auszuüben, Parlamentarier sollten sich für irgendwelche Resulutionen einsetzen. Hier geht es darum, einen Boykott israelischer und damit vorwiegend jüdischer Waren genau in dem Land zu organisisren, das einst genau damit begann. Natürlich ist es Uninn zu behaupten, dass sei der erste Schritt auf dem Weg zu einem neuen Holocaust. Oder auch, dass jeder, der sich daran beteiligt, Antisemit wäre. Aber: Viele Länder haben ihre eigene Logik. Und in der BRD ist ein solches Mittel einfach aussichtslos. Und das getrennt davon, dass es mir graust, wer da dann alles so zusammenfinden wird.

    Wenn man die Realität nicht ausblenden und seine Kraft nicht für zwecklose Unternehmen opfern will, dann sollte man im deutschsprachigen Raum von der BDS-Bewegung Abstand nehmen. Der Holocaust wurde nun einmal von deutschem Boden aus organisiert. Die BDS-Bewegung hier zu pushen bedeutet diese Realität einfach zu vergessen und in seinem eigenem kleinen Kosmos herumzuspazieren. Was hat man davon, hier aus Prinzip einen Mini-Boykott zu organisieren und dann politisch zukünftig am Arsch zu sein? Nichts.

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  4. Gern bedanke ich mich bei Schlesinger und Schmok, die in ihren Kommentaren, jeder auf seine Weise, im Grunde genau das auf den Punkt bringen, was das Thema BDS auch aus meiner Sicht so ambivalent macht. Bei der Frage nach Beurteilung der Situation in Nahost und möglichen Handlungsperspektiven darf es nicht nur darum gehen, dass man irgendwie recht hat bzw. sich identitär zu profilieren. Wem es nur darum geht, auf der vermeintlich richtigen Seite zu stehen, steht in der Gefahr, Opfer billigend in Kauf zu nehmen – entweder eigene Opfer, oder die Opfer der Geschichte.

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  5. @Schmok: Danke für den Teil der S/A betrifft. Das hatte ich mir als Hausaufgabe zur Recherche vorgenommen, weil mir die ständige Behauptung, die Welt hätte S/A mit einem Boykott in die Knie gezwungen reichlich suspekt vorkam. Im übrigen finde ich Deinen Beitrag plausibel und schließe mich gern an.
    @Lara: Die BDS-Befürworter tun so als würden sie das Ergebnis mit Sicherheit kennen und beanspruchen dazu das fragwürdige Modell S/A.

    Das Ergebnis einer umfassenden BDS-Aktion ist meines Erachtens hinsichtlich des erhofften Ergebnisses völlig offen, aber in einer bestimmten Hinsicht völlig vorhersehbar: Der durchschnittliche Israeli (man sollte auch sehen dass es auch weniger politische Menschen gibt, die einfach nur ihrem Job nachgehen und sich um ihre Familie kümmern) wird in jedem Fall eine schlechte Meinung von den Deutschen haben. Insofern liegt eine sehr ungünstige Ausgangslage vor.
    Wenn in diesem Kontext die Türen in Jerusalem für uns zugehen würden haben wir gar nichts erreicht. Und solange Washington Israel nicht fallen lässt, erzeugt das alles nur immensen Streit unter den westlichen Partnern. Streit, ohne etwas zu erreichen? Das ist nur vergeudete Energie und engt den eigenen Spielraum für die Zuklunft ein. Als Gegenargument lasse ich dabei nicht gelten, dass man sich bei so einer Haltung aus kleinlichen Gründen, aus Kakül oder niederen Motiven („Politikkarierre“) gegen die Rechte der Palästinenser stellen würde. Ich möchte die Rechte der Palästinenser sehr wohl hergestellt sehen. Hier gilt das schöne Shakespeare-Wort: „Klug sollt ich sein, denn Gradheit ist eine Torin die stets das Ziel verfehlt wonach sie strebt.“
    Ich stelle die gute Absicht der BDS-Protagonisten – und damit Deine Absicht – gar nicht in Abrede. Und schon gar nicht setze ich diesen Kreis mit Nazis gleich (wo soll ich das getan haben? Der Vergleich ist zum einen unsinnig und wäre mir auch einfach zu plump). Ich halte BDS an sich auch nicht für illegitim, sondern führe nur meine (hier unvollständigen) Gründe an, warum ich es für mindestens unzweckmäßig halte.
    Kleinigkeit am Rande: Ich kann mit solchen gefühligen Interpretationen à la ich sei wohl „eingeschüchert“ gewesen aufgrund der Begriffe „oberflächlich“ oder „beleidigt“ rein gar nichts anfangen. Es ist vielmehr reine Sparsamkeit. Da „draussen“ (=in der richtigen Welt und im Internet) wuseln Millionen herum die ihren leider oft nicht fundierten Senf und dazu auch ein paar Zumutungen abgegeben. Was für eine grandiose Zeitverschwendung, wen man sich dem allem stellen wollte. Da ich Dir nun eine etwas längere Antwort gegeben habe scheint das zu bedeuten dass ich zumindest Deinen letzten Senf nicht für Käse halte (tolles Bild, bäh).

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    1. @Schlesinger: Eine sehr schlechte Meinung von den Deutschen haben und sich schließende Türen: Du überschätzt die Rolle „der Deutschen“ (wobei ich glaube, dass du weniger von deutschen Bürgern und mehr von der deutschen Politik redest). Angela Merkel hat genau so lange was zu melden in Tel Aviv, wie sie alles unterstützt, was dort geplant und ausgeführt wird. Deutsche Politiker haben dort und auch in Washington keinerlei Einfluss – ihre Rolle beschränkt sich auf Grüßauguste.Nicht mal Obama kommt mit seiner sehr verhaltenen Kritik am Siedlungsbau durch – wieso sollte man ausgerechnet auf unsere Gurkentruppe von Politikern hören – ganz egal, ob sich deutsche Bürger an BDS beteiligen, oder nicht. Das ist also kein Argument.

      Weiter sagst du, dass man sich unbeliebt macht bei den unpolitischen Menschen in Israel: Nein, dazu sage ich nichts. Opportunismus spricht für dich ja nicht gegen Untätigkeit. Du nennst es zwar nicht Opportunismus, sondern kluges Taktieren, aber da überschätzt du wirklich die Einflussmöglichkeiten der deutschen Politik. Jedenfalls ist Popularität für mich kein Argument gegen eine gewaltfreie Demonstration seines Unwillens, die Besatzung zu finanzieren. Ich muss auch noch mal betonen: BDS muss nicht von Regierungsorganisationen unterstützt werden. Die Zivilgesellschaft muss Druck ausüben – auch auf deutsche Politiker. BDS kommt nicht von oben, sondern von unten.

      Du sagst, du möchtest die Rechte der Palästinenser hergestellt sehen: Was schlägst du konkret vor? Das besser und effektiver ist als BDS? Ein Blog? Briefe an Merkel? Briefe an die Rabbis, die zum Genozid an Palästinensern aufrufen, „vermietet nicht an Araber“ fordern etc?

      BTW: Eine Protagonistin bin ich eher nicht. Das wäre zu viel der Ehre.

      Gleichsetzung mit Nazis: Also, sorry, wenn man betont, dass Deutsche sich nicht an BDS beteiligen sollen, weil das schon die Nazis gemacht haben, dann setzt man die Beteiligten gleich. Ein Vergleich kann ja gemacht werden – wenn dabei aber rauskommt, dass BDS und Nazi-Kampagne das gleiche sind (was du machst, wenn du sagst, dass eine Beteiligung deswegen nicht in Frage kommt), dann wurden wohl ein paar Aspekte außer Acht gelassen. Wie ich bereits sagte: Es gibt Unterschiede und diese sind am Beispiel Südafrika ganz klar ersichtlich. Was nichts über die Effizienz oder Effektivität des Südafrika-Boykotts sagt und damit auch nichts zu tun hat. Muss ja nicht alles wiederholen.

      „Gefühlig“: Jetzt wirst du ein bisschen unfair, Schlesinger. Jemanden mundtot machen zu wollen, ist durchaus eine Einschüchterung. Das ist keine „gefühlige Interpretation“ und nicht ich war es, die sich über angebliches mundtotmachenwollen mokiert hat. Ich habe nur versucht, deinen falschen Eindruck wegen dieser Begriffe richtig zu stellen.

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  6. Auf 972mag.com ist z.zt. eine Diskussion über BDS zu gange.
    Auf meine Frage, ob Deutsche sich an BDS
    beteiligen sollten, bekam ich folgende Antwort:

    „OFER
    Monday
    February 7, 2011
    5:16 am

    Khad, Germans should support BDS. That being said, perhaps they should focus on “lighter” aspects of BDS, and work in coordination with the Israeli group:
    http://boycottisrael.info/

    We’ve sent some letters to German politicians and institutions. See our recent letter to the Polish government. Poland is the new new-Germany. i.e just as bad on these issues.“

    Das ist mit Sicherheit nicht die Meinung aller Israelis, aber trotzdem interessant.

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    1. Ich will jetzt nicht israelischer sein als Ofer und Co. Aber meinst Du nicht, dass der Umstand, dass Geschichte so gar keine Rolle zu spielen scheint in den Überlegungen von Pro-BDSlern (auch israelischen) ein Fehler ist – zumindest ein strategischer?

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      1. Ich bin mir der jüngsten deutschen Geschichte bewußt und denke auch Ofer & Co sind sich dessen bewußt.
        Aber vielleicht ist ihnen ihre Zukunft wichtiger als die Geschichte,
        zumal ja auch viele Israelis oder deren Eltern/Großeltern gar nicht aus Europa stammen und nicht diesen Bezug zum Holocaust
        haben wie die die das durchgemacht haben und diese Erfahrung
        (blödes Wort in diesem Zusammenhang, mir fällt aber nichts passendes ein) ihren Kindern weitergegeben haben.

        Ob es ein strategischer Fehler ist, schwer zu sagen.
        Was ist von Deutschland zu erwarten, was nicht die USA in der Lage sind oder Willens sind zu erreichen.
        Die einzige deutsche Strategie , die ich erkenne, ist
        finanzieller Natur- für beide Seiten.

        Ich will mir aber nicht anmaßen, den Deutschen zu erklären was sie bez. Israels tun sollten, dafür ist die deutsche Geschichte zu stark belastet.
        Was BDS angeht sollte jeder das für sich selber entscheiden.

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        1. Anmaßen will ich mir auch gar nichts. Ich habe den Eindruck, dass wir beide eine ähnliche Unsicherheit teilen. Mit „strategisch“ meine ich im Übrigen, dass es noch immer ein Leichtes wäre für unsere lautesten Israelfreunde, BDS hierzulande und auch anderswo schlichtweg darzustellen als einen weiteren Ausbund an Antisemitismus. „Kauft nicht bei Juden“ – dem Vorwurf, der hinter diesem Zitat steht, etwas Substantielles, d.h. auch nach außen hin als wirksam Wahrgenommenes entgegenzusetzen, dürfte noch immer schwer sein – selbst wenn es die Mehrheit der BDS-Verfechter gar nicht so gemeint hat…
          Ich stimme Dir aber zu: Eine sehr interessante Diskussion auf 972mag. Für alle: Lesenempfehlung!

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