Ägypten: Was geht up, was geht down?

Was geht up, was geht down in Ägypten? In Tunesien wurde der Despot Ben Ali aufs wohlverdiente Abstellgleis verwiesen, doch erst als ebendies nicht mehr abzuwenden war, sah sich die US-Regierung gemüßigt, dem alten Freund und Mitkämpfer „gegen den Terror“ Lebewohl zu sagen. Und nun ist Mubarak dran. Oder? Während ein weiteres arabisches Regime unter dem Druck protestierender (einstiger?) Untertanen wankt und wackelt, lässt Unterstützung für die Demonstranten aus dem demokratischen Westen auf sich warten.

An Chomsky gemahnend, interpretiert Christopher Toensing von MERIP die Haltung der USA zu Entwicklungen in arabischen Staaten wie folgt:

In general, the US interest is for the regime to remain essentially the same based on the logic that the devil they know is better than the devil they don’t.

Auch von israelischer Seite aus blickt man mit den berühmten gemischten Gefühlen gen Süden. Und hiesige Politmanager und -darsteller sekundieren fröhlich. Wer sich, wie ich, auf der Suche nach fundierten Informationen nicht auf die hiesigen Leitmedien, etwa den „linksliberalen“ (W. Weimer, Focus) Spiegel verlassen möchte, dem sei der wiederholte Besuch der Blogs Al-Samidoun und Kalima nachdrücklich empfohlen. Natürlich auch nicht zu vergessen: Arabesken.

Als ich das letzte Mal mit meinen sehr diskussionsfreudigen und sehr pro-israelischen Eltern über die Lage in Nahost diskutierte, verwiesen diese immer auf die schlimme Lage in den an Israel angrenzenden Staaten. Anstatt Israel zu kritisieren, sollte ich mir mal anschauen, wie ebendiese Regimes umgingen mit palästinensischen Flüchtlingen – und mit demokratisch gesinnten Reformkräften. Ich sollte meine Eltern mal wieder anrufen.

Ein Gedanke zu “Ägypten: Was geht up, was geht down?

  1. Nun, da werden sich deine Eltern aber sehr wundern, wer Mubarak so eifrig unterstützt hat.
    Mal ganz davon abgesehen, ist der Umgang mit Palästinensern und auch anderen Gruppen in Ägypten nicht gerade sonderlich freundlich. Palästinenser müssen auch in Ägypten dafür herhalten, was für Sarrazin die Türken sind. z.B. sollte der Anschlag in Alexandria auf die koptische Feier von einem Palästinenser begangen worden sein. Es ist ziemlich offensichtlich, dass damit nur Probleme aus der ägyptischen Gesellschaft herausdefiniert werden sollen. Die Verfolgung der Kopten haben bereits die letzten ägyptischen Könige Fuad und Faruk veranlasst und Sadat war kein bißchen besser.
    Auch Rassismus gegenüber Schwarzen ist nicht zu unterschätzen.

    Das hat natürlich nach Mubarak alles nichts mit der ägyptischen Gesellschaft oder seiner Regierung zu tun.

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