Erinnern an den 27. Januar 1945

27. Januar 1945
27. Januar 1945

In seinem äußerst lesenswerten Blog weist Gebattmer auf ein zentrales Problem von Erinnerung hin:

 

 

 

 

 

„… eine Eigenschaft unseres autobiographischen Gedächtnisses: die Anpassung der Erinnerung an Bedürfnisse der Gegenwart. Die Psychologie verwendet für solche Vorgänge den Begriff des ‚Rückschaufehlers‚.“

Am 27. Januar 1945 wurde das Vernichtungslager Auschwitz von Truppen der Roten Armee befreit – etwas, was viele Deutsche den Russen niemals verziehen haben. Besondere Betroffenheit ausgelöst bei mir hat die Geschichte des heute 76-jährigen Hugo Höllereiner, als Kind Gefangener der Gestapo und Auschwitz-Häftling. Mit Che bin ich mir einig: Statt einer weiteren „Nie-wieder“-Rede lauschen zu müssen, kommt es mit Ablauf der Zeit besonders darauf an:

Das Grauen nachfühlbar machen, erinnern, Geschichte im Alltag fassen.

Und dennoch sei noch einmal sei in diesem Zusammenhang auf Alfred Grosser verwiesen, der im übrigen ein viel besserer Redner als Buchautor ist – Von Auschwitz nach Jerusalem etwa ist keinesfalls ein großer Wurf, sondern viel zu sehr ein vom Autor sich selbst gewidmetes Denkmal, dazu noch schlecht redigiert – , jedenfalls schrieb Grosser der viel zu deutschen Öffentlichkeit am 9.11.2010 ins viel zu selten gelesene Stammbuch:

Auschwitz ist die Grundlage dafür, dass man an den anderen denkt.

2 Gedanken zu “Erinnern an den 27. Januar 1945

  1. Lieber MondoPrinte,

    wie Sie wissen, schätze ich Ihren Blog sehr. Ich habe mir auch erlaubt, in meiner neuen Post http://von-den-einzigwahren-freunden-israels.blogspot.com/2011/01/israel-ist-die-einzige-demokratie-im.html auf zwei Ihrer geschätzten Beiträge zu verlinken.

    Hier jedoch bin ich – vielleicht beckmesserisch – weder mit Ihnen noch mit Alfred Grosser einverstanden. Brauchen wir wirklich Auschwitz „als Grundlage“, um den Anderen zu denken und an die anderen zu denken? Ich denke, in dieser Hinsicht brachte Auschwitz kein Surplus an Lehre. Auschwitz ist nicht im geringsten eine moralische Lehranstalt oder eine Offenbarung. Höchstens ein Ort, der zeigt, wohin man kommen kann, wenn man die anderen nichten will.

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    1. Und weil ich aus meiner Überzeugung eben kein Evangelium zu machen beabsichtige – Sie haben da den theologischen Begriff der Offenbarung benutzt -, ist Ihr Standpunkt für mich akzeptabel und völlig okay, verehrter Herr Mercator.

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