Auch Ahmadinejad rasiert sich viel zu selten

Islamisten sind schlümm. Ihre Frauen tragen Schleier, und das macht sie, die Islamisten, zu Nazis.  Und der Koran ist schlümmer als „Mein Kampf“. Finden einige gewichtige Experten. Nazis sind auch schlümm. Den marginalen Aspekt, dass der Obernazi auch Bartträger war, überlasse ich einstweilen der Ewigkeit, sondern weise lieber darauf hin, dass Nazis so gar nicht auf dem Boden des Grundgesetzes standen und stehen und somit den Wirtschaftsstandort Deutschland in Gefahr bringen. Nazis sind wie Islamisten, denn auch letztere bringen Weltmarktvorteile ins Wanken. Das ist alles schon übel genug. Was aber noch viel schlümmer ist: Nicht wenige Islamisten sind Araber, z.T. sogar Palästinenser. Und die haben ja, so der große Gelehrte und Moralist Alan Dershowitz, in Person ihres Anführers Hadj Amin al-Husseini den Holocaust mitzuverantworten. Islamisten sind schlümm, genau wie die Nazis. Doch wäre alles noch viel schlimmer, wenn man Nazis und Islamisten nicht so fabelhaft benutzen könnte als abschreckende Beispiele. Keine Partei innerhalb des bundesdeutschen Konsenses der Demokraten, die nicht schon mindestens einmal das wahlfaule Pack namens Bevölkerung zu den Urnen peitschte, mit dem Hinweis, nicht zur Wahl zu gehen, nütze den Nazis. Und kaum ein westliches Oberhaupt, von Sarkozy über Cameron und Berlusconi bis zu Merkel, das nicht immer wieder auf die Gefahr einer islamistischen Machtübernahme hinweist. Mit Hinweis auf Auschwitz verwarf Rotgrün Ende der 1990er Jahre jene Maxime, die ausgerechnet vom ehemaligen CDU-Verteidungsminister Rühe wie folgt formuliert worden war: Kein deutscher Soldatenstiefel dürfe jemals wieder Boden betreten, der schon einmal von der Wehrmacht besetzt worden sei. Heute wird die Freundschaft zu Israel beschworen, um damit eine Sorge angesichts der „Unruhen“ in Ägypten und anderen Teilen der arabischen Welt zum Ausdruck zu bringen, die – offensichtlicher geht es kaum – Neokolonialismus at its worst atmet. Die Haltung der genannten RegierungschefInnen wird von Roberto J. De Lapuente wie folgt beschrieben:

Aber bitte, liebe Ägypter, seid besonnen, damit die einzige Demokratie in jenem Landstrich, die israelische nämlich, am Leben bleiben kann; damit dort weiterhin demokratisch palästinensische Siedlungen geräumt und niedergewalzt, palästinensische Menschen gegängelt und palästinensische Zivilbevölkerung ausgehungert oder ausgebombt werden kann – als Demokratie, sei es die deutsche, französische oder britische, hat man Demokratien zu beschützen. Und dazu benötigt man einen Mubarak, der freilich etwas reformfreudiger sein könnte, um die Unruhen zu zähmen – aber grundsätzlich war Mubarak doch immer ein Garant des Friedens und der westlichen Interessen.

Wo sich der Betreiber von ad sinistram einmal mehr als begnadeter Zyniker betätigt, ist anderen nicht nach Witzen zumute. Auftritt Michael Stürmer, Welt-Journalist:

Wird Obama den Fehler wiederholen, den vor drei Jahrzehnten Carter machte, als er den Schah fallen ließ im Namen der Demokratie?

Und auch Michael Wolffsohn, Militärhistoriker, schwant seinerseits nichts Gutes:

„Warum sollte es in Ägypten und Tunesien anders sein? Im Iran war Demokratie der erste Schritt zu Islamismus und Terror. Bei den Palästinensern entwickelte es sich ähnlich. Die Hamas-Islamisten gewannen im Januar 2006 die Wahlen ganz demokratisch.“

Klingelt es so langsam? Genau: Islamismus gleich Hamas und Hamas wird zu guten Stücken vom Iran mit finanziellen und anderen Mitteln unterstützt. Und das Mullah-Regime ist noch schlimmer als es der Shah je sein konnte, oder Mubarak oder Ban Ali. Iran: Die Keimzelle des Bösen. Auch Ahmadinejad rasiert sich viel zu selten.

Jetzt mal im Ernst: Was sich hierzulande einige noch immer Kalte Krieger und Nordatlantiker zusammenschreiben, dürfte eigentlich nicht einmal belächelt werden. So sehr scheint sich die instrumentelle Vernunft durchgesetzt zu haben, dass Clowns wie Stürmer oder Wolffsohn überhaupt als respektabel, weil – und jetzt kommt’s – nüchtern argumentierend,  gelten. Diese Leute sagen Israel – und meinen doch Hegemonie.

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3 Gedanken zu “Auch Ahmadinejad rasiert sich viel zu selten

  1. Thx.
    Den Stürmer-Artikel fand ich grausam. Und die allgemeine Tendenz, huch, doch lieber einen anschmiegsamen Diktator als die bösen, bösen Muslims, hast du gut dargestellt. Ich war auch Lapuente für seinen Zynismus recht dankbar.
    Cu

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