Brückenkopf Israel: „Israel kann sich keinerlei Selbstkorrektur mehr erlauben“

Fritz Güde eröffnet eine interessante Perspektive im Hinblick auf die Frage, warum westliche „Postdemokratien“ im Umgang mit den Ereignissen in Ägypen so zögerlich vorgehen:

Außenpolitisch haben sämtliche Westmächte Israel in eine Position vorwärtsgestoßen, in der es nicht die kleinste Lockerung der eigenen Haltung mehr zulassen kann. Kein Mensch in Israel befürchtet ernstlich, dass eine neue ägyptische Regierung den Frieden aufkündigen könnte. Es liefe auf Selbstmord hinaus. Aber es steht zu erwarten, dass eine neue ägyptische Regierung die Absperrung an seiner Grenze lockern könnte. Schon ein freier Zugang zwischen Ägypten und Gaza-Streifen mit entsprechenden Liefermöglichkeiten für Zement u.a. würde die Niederhaltungspolitik gegenüber der Hamas-Regierung entscheidend schwächen.

Israel kann sich keinerlei Selbstkorrektur mehr erlauben, so lange es unter Netanjahu und Außenminister Liberman trabt.

Die Unterstützung Israels durch Europa und Obama erfolgt gewiss nicht aus Zionismus. Sie erfolgt, weil damit ein Wächterstaat installiert wurde, der den Nahen Osten beaufsichtigt.

Warum ich Güdes Ausführungen zur Funktion Israels bedeutsam finde, ergibt sich aus der beachtenswerten Beobachtung, dass Israel mittlerweile so stark als Brückenkopf und Frontstaat eingespannt ist, dass er schon deshalb zu einer Korrektur der eigenen Politik gegenüber Palästinensern bzw. arabischen Staaten gar nicht in der Lage sein kann. Welch Verhängnis!

Für mich ergibt sich daraus folgende Konsequenz: Wer angesichts der jüngsten Ereignisse im Nahen und Mittleren Osten von Israelsolidarität spricht, sollte sich auf jene Bemühungen beziehen, die Israel – und damit im Übrigen auch PAlästina – aus seiner Rolle als  westliche Vorhut entlassen.

3 Gedanken zu “Brückenkopf Israel: „Israel kann sich keinerlei Selbstkorrektur mehr erlauben“

    1. In der Tat bin ich der Ansicht, dass es zwischen Israel und seinen Verbündeten ein sehr kurzsichtig-pragmatisches Miteinander gibt: Die Ziele des einen werden stillschweigend vom anderen unterstützt – und dabei werden noch einige Sonntagsreden geschwungen, von wegen „Nie wieder“ und „Demokratie“ und „Jüdisch-christliches Abendland“. Kann sein, dass ich mich damit der Versuchung aussetzen könnte, Israel nicht genug Verantwortung für das Schlamassel namens Naher Osten zuzusprechen, aber: Wer will, dass Israel sich ändert, sollte auch Faktoren berücksichtigen, die zu tun haben mit der Frage: Welche Funktion übernimmt dieser Staat eigentlich im Interessengewirr denn nun eigentlich?

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